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Sonntag, 16. April 2023

Zerleg es - Das Gemälde

"Zerleg es" - die Bestandteile eines Stücks benutzen und etwas Neues daraus machen, das war die März/April-Challenge in der Jewelry Artisans Community.
Ich bin praktisch ein Profi im Zerlegen. Ich könnte auf mein Ladenschild schreiben "Zerlegt seit mindestens 2012". Da habe ich nämlich das erste Mal für einen JAC-Blogring über das Zerlegen von Stücken geschrieben.
Kürzlich hat eine andere Schmuckmacherin gefragt, wie lang andere warten, bis sie Stücke zerlegen oder zum Sonderpreis anbieten, wenn sie sich nicht verkaufen. Für mich hängt das oft davon ab,

- wie sehr ich ein Design mag - in der unendlichen Hoffnung, daß es irgendwann seine Person finden wird
- ob ich die Materialien leicht wiederverwenden oder recyclen kann - ich zerlege weniger Stücke aus Silber als andere
- wie schwierig das Zerlegen sein wird - aus Draht gehäkelte oder gestrickte Teile mit Perle in jeder Masche sind absolute das Schlimmste, aber es macht auch keinen großen Spaß, winzige Fadenstückchen aus gefädelten Stücken zu ziehen.

Wie schon 2012 kommt mein Drang, etwas zu zerlegen, gewöhnlich wie eine plötzliche Welle über mich.
Für die Challenge hatte ich zwei Teile ausgewählt, aber beide bestanden nur aus Draht und Perlen, und ich hatte keine Idee für nur Perlen. Also tobte ich mich aus und zerstörte stattdessen fünf Stücke mit Steinen, einen Cantera-Opal, einen kleinen gebohrten Boulder-Opal, zwei Jaspis-Cabochons und einen Trommelstein, in den ich mich vor vielen Jahren verliebt hatte.
Letzterer ist der Stein, den ich euch heute zeigen möchte.

Ich weiß nicht, was es für ein Stein ist, aber für mich sieht er wie ein winziges impressionistisches Landschaftsgemälde aus, ein stürmischer Himmel über Feldern. So hübsch.
Dann verhunzte ich es komplett.
Mein erster Fehler war, mich für eine Drahtwickelfassung zu entscheiden, eine Technik, mit der ich gerade erst angefangen hatte und die ich versuchte, auf einem sehr rutschigen Stein hinzubekommen, dazu noch mit Draht, der gerade mal so lang genug war. Das führte zu Fehler Nummer 2, den "dekorativen" Drähten, die die Fassung stabilisierten und, offen gesagt, aussahen, als beäuge jemand die Landschaft durch sehr seltsame Gitterstäbe. Das winzige Anhängsel konnte definitiv auch nichts retten.
Der Anhänger kam ziemlich schnell auf die Zerlegliste.


Dieses Mal entschied ich mich für Perlenstickerei. Ich hatte einen Rest Stickunterlage, der die Form einer halben Navette hatte. Der Mittelteil war gerade groß genug für den Stein.
Mein Plan war eine einfache Fassung und für die Seiten ein paar Mookaitperlen, die die Farben des Steins aufgriffen, mit fließenden Linien darum. Ich haßte meinen ersten Versuch. Der zweite Versuch gefiel mir nicht viel besser.
Zweimal ein Stück wieder auftrennen, das Teil einer Challenge zu dem Thema war, oh, die Ironie!
Ich ließ die Mitte mit dem Stein so, mit einer Peyotefassung in metallic bronze, aber die zwei Seitenteile mußten weg, schnipp schnapp.

Da kam es mir. Ich hatte ein Gemälde, das einen Rahmen brauchte und sonst nichts. Keine fließenden Linien, keine Perlen, nichts an den Seiten, kein Anhängsel.
War es Zufall, daß es in der aktuellen Sendung meiner Lieblingssendung über Handwerkskunst um einen Vergolder ging, der an einem antiken Rahmen arbeitete?
Ich habe gelesen, daß Impressionisten weiße Rahmen für ihre Arbeiten bevorzugt hätten, aber daß Sammler und Museen den kostbaren Look vergoldeter Rahmen wollten.
Um das Gefühl von "altem Rahmen" zu verstärken, fädelte ich eine Umrandung in zwei Bronzetönen und Gold.
Tut mir leid, es ist ein sehr grauer Tag, ich muß noch bessere Bilder machen.


Falls ihr euch übrigens über der Form Gedanken gemacht habt, ihr habt recht. Der Stein ist nicht symmetrisch, wie dieses Bild der Rückseite zeigt, es ist mehr eine Tropfenform, wenn ihr es sie hochkant anschaut. Also ist auch der Anhänger nicht symmetrisch, ich finde aber, das geht trotzdem.


Und habe ich gar nicht den Drang nach etwas Baumelndem verspürt? Natürlich habe ich das, das ist nichts, was ich einfach abschalten kann. Ich mußte aber nur mein kleines Bild anschauen und der Drang ging weg.

Also dann, was seht ihr?

Sonntag, 29. Mai 2022

Der geheimnisvolle Stein

Manchmal ist es echt blöd, alt/älter zu werden. Ich hatte mein ganzes Leben lang Gesundheitsprobleme und denke immer, ich sollte langsam daran gewöhnt sein. Wißt ihr was - ich bin es nicht.
Es fing mit Fußschmerzen an, was dann dazu führte, daß mich die Hexe anschoß, weil ich nicht richtig laufen konnte. Es ist nicht so, als hätte ich mich noch nie zuvor alt gefühlt, aber ihr hättet mich in den letzten paar Wochen sehen sollen. Wenn eine Stelle sich beruhigt hatte, fing die nächste an wehzutun, und es ist auch noch nicht vollkommen erledigt.
Das Schlimmste daran war, daß es mir alle Motivation raubte, auch nur den Versuch zu unternehmen, etwas zu tun, das Spaß machte, wie zum Beispiel kreativ zu sein, denn ich machte mir nur Sorgen darüber, wie ich mich am besten um die Katzen kümmern sollte (zum Glück mit etwas Hilfe aus der Familie) und nicht zu Boden zu gehen, wenn der Dekan versuchte, meinen alten 2 DM Flohmarktstock zu jagen, während ich mein Bestes tat, mich langsam zum Beispiel in die Küche zu bewegen.
Ich war mir so sicher, daß er und ich in einem erderschütternden Sturz sterben würden, er, weil ich auf ihn drauffallen würde! ;-) Seltsamerweise schafften wir es beide lebend.
Gundel war schlau genug, sich da ganz rauszuhalten.

Vor ungefähr einer Woche fing ich dann an, an einer neuen Dawn-Puppe zu arbeiten, und es fühlte sich so gut an, wieder kreativ zu sein.
Vor zwei Tagen aber verspürte ich auf einmal den Drang, ein Schmuckstück zu machen. Ich glaube, das letzte Mal habe ich vor Ostern etwas gemacht, definitiv zu lang her!
Als ich meine Cabochonschublade durchschaute, fand ich einen Stein, den ich schon jahrelang hatte. Ich hatte ihn sogar schon mal für einen Anhänger verwendet, war aber nie richtig glücklich damit.
Wahrscheinlich hatte ich den Stein mal als Handschmeichler gekauft, er ist nämlich wirklich glatt.
Letztes Mal hatte ich Messing- oder Bronzedraht - das ist zehn Jahre her, ich erinnere mich nur, daß es für meine Hände echt hart war - und dunkelrote Swarovski-Doppelkegel benutzt gehabt, und auch bei diesem Perlenstickanhänger blieb ich bei der Farbkombination aus Gold und Rot.

Der geheimnisvolle Stein gefällt mir immer noch, auch wenn ich keine Ahnung habe, was es für einer ist. Was denkt ihr?

Freitag, 29. Mai 2020

Pack die Vorräte an - Geheimnisvoller Stein in Perlenstickerei

Ich habe ein paar Trommelsteine in meinem Vorrat, die ich schon ewig mit unterschiedlichen Drahttechniken zu benutzen versucht habe, jedesmal ohne Erfolg. Ich war nie zufrieden und habe sie immer wieder auseinandergenommen.
Nach einer Weile kann das fast zu einer Besessenheit werden.
Dieser Stein war einer von ihnen. Ich weiß nicht, was es für ein Stein ist, aber dieses Kugelmuster und die zarten Farben sprachen mich einfach unheimlich an . Eine gehäkelte oder gestrickte Fassung war nichts, der ärmliche Versuch einer Krappenfassung ging schief nicht nur wegen der irregulären Form des Steins, sondern auch weil er so glatt und rutschig war!

Als ich meine ersten Schritte in der Perlenstickerei machte, fragte ich mich, ob ich diesen Stein nun endlich festnageln könnte. Die Rückseite war nicht flach, aber vielleicht konnte ich ja die Erhöhung in der Mitte festkleben und den Stein dann zusätzlich mit der gefädelten Fassung sichern.
Nachdem das besser als erwartet funktionierte, ging ich an die Verzierungen.
Zuerst nähte ich ein paar Spacerperlen auf, die ich von einem kleinen Kristallarmband gerettet hatte, das ich mal gefunden hatte. Ich wählte Perlen, die die Farben aus dem Stein - Braun, ein zartes Rosa und ein Hauch von Orange - aufgriffen.
Irgendwie erinnert es mich an ein Korallenriff. Vielleicht denke ich bei den Spacerperlen mit ihren orangefarbenen Rändern an Seeanemonen?


Anfangs wollte ich einen Anhänger machen und habe dafür sogar ein paar Ösen ausprobiert, aber nichts davon gefiel mir, darum ist es stattdessen jetzt eine Brosche.