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Dienstag, 16. September 2025

Aus meinem Kinderbuchschrank - Der kleine dicke Ritter

Das heutige Buch ist "Der kleine dicke Ritter". Im Buch steht, daß es auf einem Hörspiel basiert, das wiederum auf einem Theaterstück namens "The Thwarting of Baron Bolligrew" des britischen Schriftstellers Robert Bold basiert.


Bevor wir aber über Oblong-Fitz-Oblong sprechen, sprechen wir doch kurz über die "Augsburger Puppenkiste".

Public Domain über Wikimedia Commons

Die "Augsburger Puppenkiste" ist ein Marionettentheater, dessen Vorgänger 1943 gegründet und unter dem jetzt bekannten Namen 1948 wiederbelebt wurde. Es führt Stücke für Kinder, aber auch für Erwachsene auf, sogar Opern.
Wir sind mit der "Puppenkiste" aufgewachsen, nicht weil wir nach Augsburg gefahren sind, um sie zu sehen, das wäre nicht in Frage gekommen, sondern weil sie dank ihrer Fernsehproduktionen Popularität erlangte.

Kurz gesagt, wir wuchsen mit Geschichten der "Puppenkiste" auf wie der "Jim Knopf"-Serie nach Michael Endes Büchern, der "Urmel"-Reihen nach Max Kruses Büchern und neben anderen eben auch 1963 mit "Der kleine dicke Ritter" (für mich waren es natürlich die Wiederholungen). Wenn ich diese heute anschaue, erweckt das immer noch das besondere Gefühl aus meiner Kindheit in mir, die vertrauten Stimmen der Puppenspieler, die typischen Bewegungen der Marionetten und die Melodien. Das waren zum Beispiel klassische Weihnachtsprogramme.

Ich meine, ich kannte die Marionettenversion sogar noch vor dem Buch, und es war sogar noch später, daß mir wirklich bewußt wurde, daß es ursprünglich ein Theaterstück gewesen war.
Hier ist der zeitliche Ablauf und er ist verwirrend.
Das Theaterstück kam 1962 heraus und wurde von Marianne de Barde ins Deutsche übersetzt. Ihre Übersetzung wurde vom deutschen Schriftsteller Carl Mandelartz benutzt, um die Geschichte unter dem Pseudonym Carl Schanze in Form eines Romans nachzuerzählen, der 1963 veröffentlicht wurde.
Ebenfalls 1963 wurde die Fernsehverfilmung des Stücks der "Augsburger Puppenkiste" in Deutschland gezeigt.
Die BBC sendete das englische Hörspiel zu Weihnachten 1964.

Es war klar, daß es Unterschiede zwischen Originalstück und Buch geben würde, also las ich auch das Stück, was recht überraschend war.
Sagen wir es mal nett, ich nehme an, es war Mandelartz, der mit dem Material sehr großzügig umging, und danach wurde dann das Puppenspiel gemacht. Ich konnte dazu allerdings keine Informationen finden.

Vielleicht wird es jetzt Zeit, euch etwas über die Handlung zu erzählen.

Der Herzog und seine Ritter wollen Oblong-Fitz-Oblong loswerden, weil er als Ritter für sie etwas zu gut ist. Nachdem alle Drachen in der Gegend getötet wurde, möchte er nämlich, daß sie dorthin weiterziehen, wo sie gebraucht werden. Der Herzog und die Ritter andererseits würden eine kleine Pause bevorzugen. Sie träumen von Ausschlafen, ein paar leichten Turnieren und großen Mahlzeiten.
Also schicken sie Oblong als Königlich Fahrenden Ritter auf die Bolligru-Inseln, damit er sich dem bösen Baron Bolligru und dem Drachen auf der Insel entgegenstellt. Ich glaube, ich verrate nicht zuviel, wenn ich sage, daß er dabei erfolgreich ist. Zuerst muß er das Vertrauen und die Hilfe der Bauern auf der Insel erringen und sich mit damit herumschlagen, daß ihm ein Zauber auferlegt wird, der Bolligru Macht über ihn verleiht.

Sowohl im Stück als auch im Buch liebt Oblong Tiere. Ein Grund für ihn, den Auftrag anzunehmen, ist, daß man ihm sagt, der Baron jage alle Tiere.
Im Stück hat er allerdings selber mindestens einen kleinen rosa Drachen getötet, wenn auch ungern, und als Beweis seine Schwanzspitze mitgebracht. Im Buch bringt er es nicht übers Herz, den Drachen zu töten, also bringt der ganzen rosa Drachen mit, zähmt ihn und nennt ihn Bonzo - und nach ihm sogar noch zwei weitere Drachen!
Als der Herzog am Schluß selber die Inseln besucht, nimmt er Bonzo sogar mit sich auf die Reise.

Als Baron Bolligru Oblong während
des Besuchs des Herzogs aus dem
Weg haben will, findet Bonzo ihn und
bringt ihn gerade noch rechtzeitig
zurück, um den Herzog zu sehen.

Der Drache auf den Bolligru-Inseln ist übrigens so böse, daß ihn nicht mal Oblong im Buch leben lassen will.
Der Drache im Stück ist schwarz und hat rote Augen. In Aufführungen wird es dadurch möglich, daß er noch von zwei roten Lampen verkörpert wird, als er in seiner Höhle sitzt, wo er am Ende erschossen wird. Im Buch ist er schwarz und hat zwei Schwänze und versinkt am Schluß im Meer.
Bolligru hat ein Abkommen mit dem Drachen, jeder von ihnen bekommt die halbe Insel. Als der Drache seine Hälfte verwüstet hat, will er Bolligrus Hälfte, also versucht ihn der Baron loszuwerden.
Im Buch bietet er ihm vergifteten Hammel an, aber der Drache ist zu schlau, den zu fressen.
Der Zauberer, der den Zauber über Oblong verhängt, benutzt dafür im Buch einen Apfel, im Stück jedoch dessen Umhang. Der Apfel, den er Oblong gibt, macht ihn giftig, damit der Drache stirbt, wenn er ihn frißt!

Der böse Drache im Puppenspiel

Und es gibt noch mehr Tiere. Als Oblong das Schloß verläßt, nimmt er alle Dohlen aus dem Schloßturm mit sich, eingeschlossen seinen Freund Dolfus. Ihr müßt wissen, daß das Lieblingsgericht des Herzogs gefüllte Dohle ist und Oblong um seine Freunde fürchtet. Dolfus spielt eine wichtige Rolle, als Oblong mit dem Zauber belegt wird.
Im Stück gibt es keine Dohlen. Oblong lernt Mike die Elster auf der Insel kennen und es ist Mike, der ihm mit dem Zauber hilft. Außerdem spielt in Buch und Puppenspiel ein Dachs eine viel größere Rolle.



Grundsätzlich ist die Handlung also die gleiche, aber Buch und Puppenspiel fügen mehr Details hinzu.
Auf YouTube gibt es ein Video einer Schulaufführung. Vielleicht sollte ich da mal reinschauen, nur um zu sehen, wie das so auf der Bühne ist.
Ich werde unsere Version immer lieber mögen. Ich liebe sie seit über 50 Jahren und ich höre die Stimmen der Marionetten, wenn ich das Buch lese.
Es war aber auf jeden Fall interessant, etwas über die Unterschiede zu erfahren, das hatte ich so nicht erwartet!

Montag, 24. März 2025

Die drei ???

Die was??? (Seht ihr, was ich da gemacht habe? 😁)
Um ehrlich zu sein, denke ich, daß ich den Satz in Deutschland gar nicht brauche, wenn man an den Kult um die drei Fragezeichen denkt. Gibt es hier wohl jemanden, der echt noch nie davon gehört hat?
"Die drei 
???" = "Die drei Fragezeichen" sind bis zu meinem Auszug von daheim ein großer Teil meines Lebens gewesen.
Zuerst holte ich mir die Bücher als Kind aus der Stadtbibliothek, aber schon kurz danach zog die Geißel meines Lebens in mein Zimmer. Wißt ihr, ich teilte mir nämlich ein Zimmer mit meinem großen Bruder und als er auszog, mußte ich es mit meinem kleinen Bruder teilen.
Warum ich ihn die Geißel meines Lebens nenne, möchtet ihr wissen?
Versucht mal, dasselbe Hörspiel mehrere Male hintereinander anzuhören und dann wiederholt das einen Abend nach dem anderen ... und dann wärt vielleicht auch ihr soweit, euren kleinen Bruder verkaufen zu wollen
🤣
Ich muß das erklären.

Die Buchreihe um
"Die drei ???" wurde von Robert Arthur Jr. entworfen, der die ersten neun und das elfte Buch schrieb. Nach seinem Tod 1969 übernahmen andere Autoren.
Arthur hatte zuvor schon mit Alfred Hitchcock gearbeitet und erwarb eine Lizenz über die Nutzung seines Namens für die Serie vor seinem Tod 1980. Hitchcock arbeitete selber an keinem der Bücher mit, auch nicht an "seinen" Einleitungen, obwohl er auf den Covers älterer Ausgaben steht.
Die Originalreihe lief von 1964 bis 1987, mit einem kurzen Comeback 1989/90 unter dem Namen "Crimebuster Series". Legale Dispute verhinderten die Veröffentlichung von weiteren Büchern.
Mir war das bisher gar nicht bewußt gewesen, weil es kein Problem ist, das wir in Deutschland haben, wo der Franckh-KOSMOS Verlag, seit 1997 nur noch KOSMOS Verlag, Lizenzrecht an der Reihe hält. Als also die Originalreihe eingestellt wurde, übernahm ein Team von österreichischen und deutschen Autorinnen und Autoren und es ist kein Ende in Sicht (obwohl es ein paar holprige Zeiten gab, ebenfalls wegen der Rechte).

Wer sind
"Die drei ???"?
Im Original ist das einmal Jupiter Jones, der bei seinem Onkel und seiner Tante lebt, die einen Gebrauchtwarenhandel besitzen und zwei Helfer haben, Kenneth und Patrick. Er ist schlau und sehr logisch.
Peter Crenshaw ist der Sportler unter den drei und kein Fan der gefährlichen Situationen, in die sie Jupiter bringt.
Bob Andrews ist für Aufzeichnungen und Recherche zuständig, einmal weil er in den frühen Abenteuern durch eine Beinschiene behindert wird (im Deutschen ist es ein Gips), aber auch weil er zeitweise in einer Bücherei arbeitet (die Teile habe ich schon als Kind geliebt, warum Bob auch immer mein Liebling war).
Ihr Alter wird nie erwähnt, dem Kontext nach zu urteilen müßten sie aber so 13 oder 14 sein.

Sie haben ihr Detektivbüro mit Werkstatt, Dunkelraum, Telefon und mehr in einem Mobilheim (im Deutschen einem Wohnwagen) eingerichtet, sorgfältig hinter Schrott versteckt und durch mehrere Geheimeingänge zugänglich.
Ihre Fälle - der erste ist die Suche nach einem Spukhaus für  Alfred Hitchcock - werden mit Logik und Recherche aufgeklärt, egal wie mysteriös oder sogar übernatürlich sie zunächst zu sein scheinen.
Ich habe selber noch ein paar Bücher, darunter das erste "Das Gespensterschloß", mein liebstes, weil es die Anfänge des Detektivbüros erklärt.


Kommen wir nun zurück zur "Geißel".
Deutschland hatte nämlich nicht nur seit 1968 die Bücher. 1979 begann das Label EUROPA mit einer Hörspielreihe, die auf den Büchern basierte. Mein kleiner Bruder liebte sie. Deutschland liebte sie. Tatsächlich liebte Deutschland sie so sehr, daß die Beliebtheit der Hörspiele die der Bücher überholt hat - außer in einem Zeitraum, als es, ihr vermutet es wohl schon, legale Streitigkeiten gab.
Es gab Live-Auftritte vor Tausenden von Leuten mit denselben Sprechern, die auch jetzt noch die Hörspiele sprechen, nach mehr als 40 Jahren!
Die Hörspiele werden als Kassetten (!), CDs, MP3 veröffentlich, sie können auch gestreamt werden, aber nichts fühlt sich so an wie die alten Schallplatten, die mein kleiner Bruder gespielt hat, bis sie beinahe auseinandergefallen sind.
Außerdem gibt es jetzt noch soviel mehr, Ableger wie
"Die drei ???" Kids für ein jüngeres Publikum oder "Die drei !!!" mit Detektivinnen, Dinge wie Experimentboxen für Fingerabdrücke usw., Graphic Novels, Computerspiele, Hörbücher mit dem vollständigen Text, Filme, sogar ein paar Bücher, die für die, die üben wollen, ins Englische übersetzt wurden.
Ich habe selber mit den "Klassikern" aufgehört und hatte auch schon eine Weile gar keine mehr gelesen. Nur dank Liz, die auf ihrem englischen Blog ein paar Rezensionen von älteren Büchern hat
, dachte ich mir, ich könnte mal wieder zu etwas Altem greifen, und so fand ich dann zum ersten Mal das über die Unterschiede zwischen den amerikanischen und deutschen Versionen heraus.

Fangen wir mit den Namen an.
Ich weiß nicht, was in diesem Fall der Grund war, aber es ist ja nicht ungewöhnlich für Charaktere in Büchern, Filmen oder Comics, daß sie in verschiedenen Ländern auch verschiedene Namen haben. Dasselbe gilt für
"Die drei ???", nicht nur in Deutschland, sondern auch anderen Ländern, wo die Reihe herausgegeben wurde.
Hier wurde aus
Jupiter "Jupe" Jones also Justus "Just" Jonas, Peter "Pete" Crenshaw war Peter Shaw, und Bob Andrews durfte seinen Namen behalten.
Der Chauffeur Worthington, der die Jungs im Rolls-Royce herumkutschiert (vorübergehend nach einem Wettbewerbsgewinn, dann dauerhaft dank eines dankbaren Klienten), wenn sie nicht ihre Fahrräder nehmen können, heißt im Deutschen Morton.
Die Nemesis der Jungen E. Skinner "Skinny" Norris ist bei uns einfach nur Skinny Norris.
In den englischen Büchern sind die Helfer auf dem Schrottplatz aus Bayern und heißen Hans und Konrad, in den deutschen Büchern sind sie Iren mit Namen Kenneth and Patrick.

Nicht nur Namen haben sich geändert, die deutsche Übersetzerin hat auch andere Dinge verändert, wie zum Beispiel das Einfügen kleiner Anmerkungen "von Alfred Hitchcock", die es in den amerikanischen Büchern nicht gibt, hier und da läßt sie etwas aus oder übersetzt es recht frei - ich habe das am ersten Buch auf Deutsch und Englisch überprüft und aus irgendeinem Grund wird im deutschen Buch nie erwähnt, wenn jemand aus England kommt, zum Beispiel Worthington/Morton (obwohl er erwähnt, daß er mal in einem englischen Schloß gearbeitet hat). Das ist nur ein Beispiel.
Außerdem ist Bobs Fragezeichen in Deutschland die Farbe rot, nicht blau wie in den USA zugeteilt, und das Fragezeichen ist auch noch an der falschen Stelle.

Ebenfalls anders sind die Umschläge.
Auf einer Fanseite heißt es, sie fänden, das Weglassen der Illustrationen in den Büchern sei ein Grund dafür gewesen, daß die Leute das Interesse verloren. In Deutschland hatten wir gar nie Illustrationen im Text, außer Hitchcocks Gesicht bei den Anmerkungen, die ich oben erwähnt habe, also bin ich mir nicht so sicher, ob ich da zustimmen möchte. Ich denke, die Geschichten sind einfach wie so oft in lang laufenden Reihen nicht besser geworden.
Außerdem sind die deutschen Umschläge völlig anders. In jedem Land, in dem
"Die drei ???" veröffentlicht wurden, waren die drei Jungen auf dem Umschlag. Hier nicht.
Die beiden ersten Umschlagbilder wurden von Jochen Bartsch entworfen und die Bücher waren nicht sehr erfolgreich. Daraufhin reichte die Graphikerin Aiga Rasch ein eigenes Design ein und sagte, sie würde auf ein Honorar verzichten, falls das Layout nicht ankäme. Es kam an.
Vor ihrem Tod entwarf Rasch 88 Cover für die regulären Bücher und außerdem Cover für Sonderbände. Schwarze Umschläge für Jugendbücher waren an sich schon ungewöhnlich, aber der größte Unterschied ist, daß die oft stilisierten Bilder die Jungen überhaupt nicht zeigten. Rasch wollte, daß alle ihre eigene Vorstellung unserer Hauptakteure entwickelten. Stattdessen geben die Umschläge Hinweise auf die Handlung, ohne sie zu verraten.
Raschs Cover sind großartig und ikonisch, und ich bin mir sicher, daß ich nicht die einzige bin, die sich
"Die drei ???" nicht ohne ihren Stil vorstellen kann, warum ich auch keine anderen Ausgaben haben wollen würde. Bei so etwas kann ich stur sein.
Auf jeden Fall hat der Verlag versucht, ihrem Stil treu zu bleiben.

Während die Fanbasis in Deutschland immer stark war, scheint es, daß das Interesse in den USA in den 200ern wieder angefangen hat zu wachsen.
Tatsächlich hat
Robert Arthurs Tochter Elizabeth 26 neue Bücher angekündigt, die sie zusammen mit ihrem Mann geschrieben hat und von denen die ersten bald erscheinen sollen!

Es gäbe noch soviel mehr zu erzählen, aber die Fanseiten haben das schon viel besser erledigt, da bin ich mir sicher.

Ich denke, ich werde mich an die Klassiker halten und ab und zu einen davon lesen. Vielleicht besorge ich mir sogar eins von den Hörspielen und durchlebe alte Zeiten. Ich bezweifle aber, daß das Gefühl dasselbe sein wird, wenn mein kleiner Bruder nicht dabei ist
😉

Quellen:
1. www.3fragezeichen.de - Die Seite für Fans von Fans
2. Dreifragezeichen-Fan
3. Aiga Rasch
4. Die drei ??? auf Wikipedia
5. The Three Investigators ??? U.S. Editions Collector site (englisch)
6. The Salvage Yard - Elizabeth Arthur's Substack (englisch)