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Donnerstag, 1. Oktober 2026

Stummfilme - La légende du fantôme

Da wir auf Halloween zugehen, schien es mir der richtige Moment zu sein mit ein paar Horror-/Fantasyfilmen anzufangen.
Heute habe ich einen sehr frühen Kurzfilm für euch. Es ist "La légende du fantôme" von 1908 (hier mit dem englischen Titel).


Hier die Handlung (Spoiler?).

Eine junge Dame sitzt an ihrem Spinnrad, als sie etwas vom Friedhof draußen hört. Durch das Fenster sieht sie etwas fliegen und hört einen Fluch.
Als nächstes sehen wir, wie sie hinausgeht und im Friedhof nach etwas sucht.


Plötzlich ist sie von einer Gruppe Skeletten umgeben und ein Geist steigt aus einem Grab und schickt sie auf eine Mission, "zu gehen und den Teufel zu finden, ihn herauszufordern und zu bezwingen, damit er ihr die unauslöschliche Flamme gibt, die sie zum Meeresboden mitnehmen wird, um nach der schwarzen Perle zu suchen und sie mit zurückzubringen.

Nicht überrascht sein, ein Teil des Film ist
koloriert, in überraschend kräftigen Farben.

Die Skelette und die Dame verwandeln sich in Kriegerinnen.
Sie besteigen ein Vehikel, das sie in die "unteren Regionen" bringt.


Satan wird jedoch gewarnt, versammelt seine Armee und fährt in seinem eigenen Vehikel in die Schlacht (während seine Armee, ähm, viel herumhüpft und tanzt und springt) ...


... bevor sie schließlich das Vehikel der Dame anhalten und sie in das Satanmobil hinüberziehen (jemand nannte es so in einem Kommentar und für mich paßt das).

Wählt euer Fahrzeug! Beide sind ziemlich cool,
moderne Autos sind im Vergleich zu ihnen langweilig.

Dann haben sie zusammen eine "fête" in den unteren Regionen. Habt Geduld mit mir, Leute, ich weiß ja auch nicht, was hier geschieht.
Es wird noch mehr getanzt, bevor ein paar Dämonen in einen See springen. Die Höhlenwand öffnet sich, um das Satanmobil einzulassen. Sie steigen aus und Satan gibt der Dame die Flamme des Lebens.
Warum? Ich habe absolut keine Ahnung, für mich sieht er nicht sehr "bezwungen" aus. Es könnte aber eine Falle sein.


Ein Frosch bringt die Dame zum Meeresboden. Ihre Reise wird durch verschiedene gemalte Szenen repräsentiert, die sich nacheinander öffnen, vertikal oder horizontal, ein sehr schöner Effekt.


Sie kommen an und die Königin des Meeres
(oder was auch immer) beschwört eine riesige Muschel mit einer Meerjungfrau (oder was auch immer) darin herauf, reicht unserer Dame die schwarze Perle und bringt sie in ihrem Kahn, der von einem Pferd (keinem Seepferdchen) 
gezogen wird, wieder hinauf.


Leider ist Satan auf Rache aus (wahrscheinlich weil ihm aufgefallen ist, daß er gar nicht bezwungen war?) und bewirft sie mit Feuer. Das Vehikel ist weg, all die Kriegerinnen sind tot - außer unserer Heldin - und blau. Und die unauslöschliche Flamme ist ausgegangen (ob es wohl eine Garantie dafür gibt?)!

Ich muß einfach nochmal ein Bild des Vehikels zeigen ...

Sie kehrt zum Friedhof zurück, reicht dem Geist die schwarze Perle, er trinkt daraus (seltsam, ich meine, es ist ja keine Kokosnuß) - und verwandelt sich in eine Art Prinz!

Vielleicht hätte sie einfach den Frosch küssen können/sollen?

Unsere Dame jedoch stirbt (Erschöpfung, die Nachwirkungen von Satans Angriff oder Schock über dieses unerwartete Ergebnis, wer weiß) ... und wir sind im Himmel und sie haben zwei Kinder (nochmal, fragt nicht mich, was hier abgeht)!


Ende.
Nein, ernsthaft, das ist es.

Ich bin nicht die einzige, die verwirrt war, aber wißt ihr was - es hat trotzdem Spaß gemacht, das anzuschauen. Es war sehr, sehr seltsam und ich hätte meinen können, daß ich einen Drink zuviel hatte, wenn es tatsächlich nur Wasser mit etwas Fruchtsirup war, aber es hat Spaß gemacht.
Ein Drink hätte es vielleicht noch spaßiger gemacht.

Segundo de Chomón ist ein neuer Name für mich, scheint aber einer zu sein, an den man sich erinnern sollte.
Laut der englischen Wikipedia (als erste Quelle) war er "ein spanisch-französischer Pionier als Filmregisseur, Kameramann und Drehbuchautor" und "wird als der bedeutendste spanische Stummfilmregisseur in einem internationalen Kontext betrachtet". Wie Méliès war er für seine Kameratricks und optische Illusionen bekannt, und davon haben wir eine Menge in diesem Film, die wirklich sehr cool anzusehen waren.
Wie bei Méliès (denkt daran, daß das auf den sehr wenigen Filmen beruht, die ich bisher kenne) hatte ich das Gefühl, daß die Geschichte nicht das Wichtigste war, sondern auszuprobieren, was man mit aufwendigen und schönen Sets und opulenten Kostümen, natürlich coolen Fahrzeugen und etwas Filmmagie machen konnte.
Irgendwie frage ich mich dabei immer, wie das am Set wohl war. "Wir brauchen mehr Leute! Wo sind die Echsen- und Fischleute? Wir brauchen Tänzer! Wir brauchen von allem mehr! Spritzendes Wasser, Funken und die Mädchen müssen mit etwas herumwedeln! Wir brauchen mehr, mehr, mehr von allem!"


"Und wir brauchen eine Extraszene für den Frosch."
Absolut. Ich bin ein Fan des sehr sprungfreudigen Frosches (und habe mich gefreut, ihn als Star in einem anderen Kurzfilm zu sehen).


Das war wieder mal eine wilde Fahrt, meine Lieben, aber auch sehr interessante 15 Minuten.
Ist das nicht, wie wir unsere Märchen lieben?
Mehr von allem!