Beim Durchschauen der Mediatheken auf meinem neuen TV-Stick stieß ich zu meiner großen Überraschung auf einen, der mir mehrere Stummfilme anbot. Ich habe willkürlich einen davon ausgesucht, also sprechen wir heute über The Charlatan von 1929.
Hier ist die Handlung (mit Spoilern).
Eine Frau sucht den Jahrmarktswahrsager Count Merlin auf. Sie ist schockiert, als er sie mit ihrem jetzigen Namen anspricht, dann aber mit dem Namen, den sie zuvor hatte ... und er schaut in seiner Kristallkugel in ihre Vergangenheit.
Bevor sie einen reichen Mann geheiratet hat, war Florence Talbot Trapezkünstlerin und die Frau des Clowns Peter Dwight. Eines Abends ist sie mit Richard Talbot durchgebrannt. Peter hat niemals verwunden, daß sie auch ihre Tochter mitgenommen hat.
Was Florence nicht weiß ist, daß Count Merlin in Wirklichkeit Peter Dwight ist, der nach all diesen Jahren immer noch seine Tochter zurückhaben will.
Florence hat ihre Augen inzwischen auf einen anderen Mann geworfen, ihren Arzt Walter Paynter, mit dem sie lieber früher als später durchbrennen möchte.
Bei einer Dinnerparty schlägt Mrs. Deering, die sie zu Count Merlin gebracht hat und die Frau des Bezirksstaatsanwalts ist, vor, den Wahrsager in das Haus der Talbots einzuladen.
Merlin und seine Gehilfen nehmen an und er führt Handlesen vor und seine Nummer mit der "verschwindenden Dame". Sein Publikum zieht Karten, um zu bestimmen, wer am Nachmittag verschwinden soll. Es ist Florence.
Jemand hat jedoch andere Pläne und plaziert eine scharfe Nadel in der Rückseite des Kasten (natürlich wissen wir alle, daß dort ein verstecktes Abteil ist), auf den eine Art Flüssigkeit aufgetragen wird.
Tatsächlich schlägt der Trick diesmal fehl und sie finden die tote Florence hinten im Kasten. Dr. Paynter bestimmt sofort Gift als Todesursache und natürlich ist Count Merlin der Hauptverdächtige.
Staatsanwalt Deering befragt ihn, aber Merlin und seine Gehilfen entführen ihn und Merlin verkleidet sich als Deering und kehrt zum Haus zurück, um alle Verdächtigen zu befragen - den gehörnten Richard Talbot, den Liebhaber Dr. Paynter, die betrogene Mrs. Paynter, aber auch Anns Freund, der versucht hat, das Gebäude zu verlassen.
Dann enthüllt er, daß er Peter Dwight ist, Florences Exmann und Anns Vater.
Und der Mörder ist .... !
Dieser Film gehört ebenfalls zu denen, die auf einem Theaterstück basieren.
Ihr wißt, daß "Der Jazzsänger" mit Al Jolson 1927 die große Tonfilmwelle angestoßen hat und tatsächlich gab es Tonsequenzen in "The Charlatan", die jedoch verlorengegangen sind.
Wie gesagt, war dies eine zufällige Auswahl und ich erwartete nicht viel von dem Film. Tatsächlich weiß ich nicht, was ich überhaupt erwartet hatte, vom Titel her aber keinen Mord.
Ich war von diesem alten Whodunit wirklich angenehm überrascht.
Vielleicht erinnert ihr euch an "Das Rätsel der Fledermaus", worin die Leute mehr oder weniger nur von einem Zimmer ins andere rannten. Dieser Film war überhaupt nicht so. Wir hatten eine schöne Einführung in die Hintergrundgeschichte, einen soliden Aufbau der Motive für unsere Verdächtigen, wir hatten einen netten kleinen Mord (und es blieben keine Leichen auf der Treppe liegen), und dann war da noch die clevere Idee, wie man unserer Hauptfigur ermöglichen konnte, in einer sehr guten Verkleidung zu ermitteln.
Es gab ein paar Kleinigkeiten, die mich zum Kichern brachten, zum Beispiel als Dr. Paynter das Gift als etwas Ähnliches wie Curare, den südamerikanischen Virus, bezeichnete oder die Art, in der Merlin einen Verdächtigen nach dem anderen beschuldigte (was ich auch in modernen Krimis schon gesehen habe), aber das hat echt nichts daran geändert, daß ich den Film sehr genossen habe.
Es war ein wenig so, als würde man heute eine Folge einer Fernsehkrimiserie (mit einer Länge von einer Stunde) anschauen, einen Poirot (bei all den Verdächtigen in einem Raum am Schluß) beispielsweise, nur in schlechterer Filmqualität und mit weniger opulenten Sets.
Ich habe für diesen Post nicht wirklich eine Quelle gebraucht außer für die Information, daß der Film auf einem Theaterstück beruht, aber hier ist trotzdem noch eine Besprechung.
Fritzi Kramer: The Charlatan (1929) - A Silent Film Review. Auf: Movies Silently, 3. Februar 2013
Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.







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