Montag, 5. Januar 2026

Wie lest ihr eure Bücher?

Es scheint eine endlose Diskussion zu sein.
Was heißt es, "ein Buch zu lesen"? Gilt es überhaupt als Lesen, wenn man ein Hörbuch anhört? Kann ein E-Book einem dasselbe Gefühl vermitteln, wie wenn man ein "echtes" Buch liest? Warum erwähnen Leute, die gedruckte Bücher mögen, so oft den Geruch? Und so weiter ...

Zunächst mal möchte ich sagen, daß es in diesem Post nur um meine eigenen Erfahrungen geht. Ihr macht euer Ding, ich mache meins, wir können darüber sprechen, ohne ein Urteil über einander abzugeben, richtig?

Die Inspiration für den Post war "The Case of the Silken Petticoat" von Christopher Bush.

Hat jemand einen Stift ausprobiert?
Oder war es ein Kind (ich bin
dessen schuldig, als kleines Kind
in zwei Bücher hineingemalt zu
haben, und ich kann euch sagen,
ich war kein Wunderkind, was
das entschuldigen könnte).

Ihr wißt vielleicht oder auch nicht, daß ich Bibliothekarin in der Benutzungsabteilung einer Universitätsbibliothek bin. Ich habe Bücher mit mehr Randnotizen als Originaltext gesehen, Bücher voller Farbe (dank Markierungen und Unterstreichungen), massenhaft Eselsohren, Kaffee- und andere Flecken, zerrissene Seiten, aber am schlimmsten war wahrscheinlich das Säureopfer (wir haben eine Chemiefakultät).
Obwohl ich nie verstehen werde, warum Leute so etwas mit Büchern machen, die ihnen nicht gehören, kann ich nachvollziehen, wenn Leute mit ihren Büchern arbeiten wollen, Notizen hineinkritzeln oder Passagen markieren, die für sie wichtig sind - ich habe Notizen in meinen eigenen Exemplaren von Büchern gemacht, an denen wir in der Schule gearbeitet haben - und Flecken oder Stockflecken schockieren mich nicht mehr so einfach, es sei denn, sie wären echt eklig oder stinken.



Ich liebe gedruckte Bücher. Ich liebe es, unterschiedliche Papierarten zu fühlen. Ich liebe alte Bücher und hätte ich dabei eine bessere Erfahrung im ersten Jahr meiner Ausbildung als Bibliothekarin gemacht - was weder die Schuld meines Lehrers noch meine eigene war - hätte ich mich vielleicht gern am Buchbinden versucht.
Ich liebe marmoriertes Papier, Goldschnitte und geprägte Buchumschläge, manchmal mit wunderschönen Mustern. Ich liebe die Einzigartigkeit eines Buches und ich kann mich für alte Zeitschriften begeistern, selbst wenn es darin um Physik oder Chemie geht.
Und ja, ich gehöre zu denen, die den leicht muffigen Geruch von alten Büchern lieben, bin aber kein Fan von aktivem Schimmel, das wäre auch seltsam.
Mir fehlt immer noch unser altes Antiquariat. Es gibt den Laden noch, aber auf größerem Raum. Der alte mit seinen engen Gängen würde heute wahrscheinlich als feuergefährlich betrachtet, aber für mich war er wie ein schönes Bücherlabyrinth.

Im Laufe der Jahre haben mich Leute oft davon zu überzeugen versucht, Hörbücher anzuhören oder digital zu lesen. Einer davon war der Ex, der seine Hörbücher liebte, ich aber ließ mich viel zu leicht ablenken (oder bin sogar eingeschlafen, das zähle ich aber nicht als Kontra, weil ich mir schon mehr als einmal beim Einschlafen gedruckte Bücher oder mein Tablet aufs Gesicht geworfen habe), und schließlich gab er auf.
Eine Freundin erzählte mir immer wieder, daß sie Hunderte von Büchern auf ihrem Bookreader mit in den Urlaub nehmen konnte, aber ich habe nie verstanden, was dabei der Vorteil sein sollte, wenn ich doch ein oder zwei Bücher mitnehmen konnte und dann die perfekte Entschuldigung dafür hatte, während meines Urlaubs in einen Buchladen zu gehen.

Warum also lese ich jetzt viel mehr Bücher in elektronischer Form? Dafür gibt es mehrere Gründe.
Ich habe Bücher verkauft (das ist mir den Aufwand nicht wirklich wert), Bücher an Leseprojekte gespendet und jetzt bringe ich Bücher zu unserem öffentlichen Bücherschrank, aber in meiner Bibliothek sind noch so viele mehr.
Es mag eine Sache des Alters sein, daß ich nicht dem nicht aus einer Laune heraus so viele mehr hinzufügen möchte, sondern nur die, bei denen ich mir ziemlich sicher bin, daß ich sie aus dem einen oder anderen Grund behalten wollen werde.

Meine Lösung war es natürlich, mir einen Bibliotheksausweis zu besorgen, den ich jahrelang nicht hatte, weil ich es vorzog, meine Bücher zu besitzen.
Wie schon zuvor erwähnt komme ich aber nicht mehr soviel aus dem Haus, und obwohl es peinlich ist, das zuzugeben, war ich sowieso nicht immer so gut darin, Bücher rechtzeitig zurückzubringen.
Statt also gedruckte Bücher auszuleihen, hänge ich meistens auf OverDrive herum.

Und dann ist da noch
 The Internet Archive, wo ich letztes Jahr so einige Bücher gelesen habe, darunter das Buch von Bush.

Mein früherer Chef wäre
hierüber total ausgeflippt.
Ich kann ihn immer noch
hören "NIEMALS gewöhnliches
Klebeband auf zerrissenen
Seiten verwenden!!" Als ob wir
das jemals gewagt hätten.

Ich hatte schon vorher bemerkt, daß es sich für mich unterschiedlich anfühlte, ob ich ein Buch auf The Internet Archive oder auf OverDrive las, aber ich versuchte nicht, das zu analysieren.
Dieses Buch ist bis jetzt das, das am schlimmsten aussah, und seltsamerweise war es das, was mir klarmachte, daß ich, wenn ich Bücher schon digital lesen mußte, digitalisierte Bücher den echten E-Books vorzog.
Wahrscheinlich hat das damit zu tun, daß ich in mancher Hinsicht so altmodisch bin. Ich sagte oben schon, daß ich die Einzigartigkeit von Büchern liebe. 
Vielleicht erinnert ihr euch ja an den Post über die Rose zwischen den Seiten eines Buchs? Manchmal ertappe ich mich dabei, wie ich über die Geschichte dieses bestimmten Exemplars nachdenke. Warum die Rose? Warum die Kritzelei?
Echte E-Books geben mir ein solches Gefühl nicht, auch wenn ich die Schriftart, den Zeilenabstand oder was auch immer ändere. Barrierefreiheit, schnelle und einfache Worterklärungen, visuelle Anpassungen, ich verstehe die Vorteile. Vielleicht komme ich eines Tages auch nicht mehr ohne sie zurecht und werde darüber glücklich sein, sie zu haben, aber der Tag ist noch nicht gekommen.

Eine Freundin hat gesagt: "Ich lese ausschließlich digital. Das hat wirklich angefangen, als ich es einfacher fand, mich auf die Worte zu konzentrieren, als in einem Buch." Für mich ist es genau umgekehrt. Digitalisierte Bücher geben mir wenigstens ein bißchen das Gefühl von gedruckten, was es für mich einfacher macht, mich zu konzentrieren. Und nochmal - beides ist in Ordnung und es ist toll, wenn wir beide das bekommen, was wir brauchen, um unsere Lektüre zu genießen!


Manchmal vermisse ich es,
bei der Arbeit keine Bücher
mehr stempeln zu müssen 🙃

Übrigens macht es für mich sogar einen Unterschied, auf welchem Gerät ich lese. Ich habe mir erst vor ein paar Monaten ein Tablet besorgt und ich benutze es (noch?) nicht sehr oft.
Es ist wegen meines wackligen Daumens oft einfacher für mich, das Laptop zu benutzen, wenn ich auf meinem Bett liege - wo ich heutzutage am liebsten lese, ich habe keine Couch -, als daß ich das Tablet halte.
Natürlich macht das Tablet mehr Sinn, wenn bereits eine undurchsichtige Katze längere Zeit auf meiner Brust sitzt oder liegt (Gundel macht das jetzt fast jeden Tag und ihr ist egal, wie bequem das für mich ist oder nicht, was in Ordnung ist, denn ich bin ja hier, um meinen Katzen zu dienen, sagen ihre Blicke 
😂).

Dieser Tage lese ich übrigens gewöhnlich drei Bücher nebeneinander her, ein gedrucktes Buch (für mich immer noch das Beste), ein E-Book und ein Buch, das ich den Katzen vorlese, das kann gedruckt oder elektronisch sein.
So kann ich immer aussuchen, was in dem Moment am besten für mich paßt.

Also - was ist eure persönliche Leseerfahrung und warum?

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Wenn ihr mögt, was ihr gelesen habt, wenn ihr eine Frage oder zusätzliche Information habt, oder wenn ihr einfach nur Hallo sagen möchtet, tut das bitte! Ich liebe Kommentare und würde gern von euch hören.
Kommentare sind allerdings zum Schutz vor Spammern moderiert, werden also erst nach der Freigabe veröffentlicht.