Freitag, 29. Juli 2022

Pack die Vorräte an - Jaspis und Mookait

Vor mehr als vier Jahren habe ich in einem "Pack die Vorräte an"-Post über Jaspis gesprochen. Ich habe die Geschicht des ersten Jaspis erzählt, der mir gefiel und wie ich es endlich schaffte, das richtige Schmuckstück damit zu machen.
Ich weiß nicht warum, aber Mookait - der tatsächlich auch eine Jaspisart ist, die aus Australien kommt - war noch so ein Stein, den ich lange nicht besonders mochte. Ich arbeitete nicht viel mit erdigen Farben und für mich war Mookait immer hellbraun zusammen mit einem bräunlichen Rot. So dumm. Mookait gibt es in vielen verschiedenen Farben, oft in einem Stein vereint, und ich schätze, so mußte es eben passieren, daß ich mich schließlich doch noch in ihn verliebte.

Diese Jaspisdonuts hatte ich sehr lange. Sie kamen als Set mit silbernen Ohrringen und vier anderen Paar Steindonuts. Einer der Ohrringe ging kaputt und damit blieben die Steine übrig und warteten auf eine neuen Zweck. Mit der Zeit verteilten sie sich hier und da, was der Grund dafür ist, daß ich, nachdem ich Ohrringe mit dem dunkelroten Jaspis und dem Serpentin gemacht hatte, nur noch einen einzelnen Schneeflockenobsidian und einen hellroten Jaspis übrig hatte. Kürzlich aber hatte ich das Glück, das Paar Landschaftsjaspis zu finden.

Mein erster Gedanke war Wüste, mein zweiter Mookait.
Ich bin wirklich zufrieden mit der Kombination der erdigen Jaspisfarbe und dem satten Rot des Mookait, und ich finde, das Gold verbindet beides sehr schön.


Wo aber sind jetzt noch der zweite Obsidian und der rote Jaspis ...... ich weiß, daß sie irgendwo hier sein müssen!

Samstag, 23. Juli 2022

Schmuck mit einer Geschichte - Teil 1 .... oder 3? (Ein "Einfach nur so Samstag"-Post)

Der heutige Post wurde von diesem Post auf Nancy's Fashion Style inspiriert, den ich durch den Blog My Bijou Life meiner Freundin Michelle fand (den ihr mal anschauen solltet, falls ihr an Mode interessiert seid, aber auch an Schmuckmachen, Quilten und mehr).

Als Schmuckmacherin frage ich mich manchmal, wo mein Schmuck landet. Wird er getragen, wird er geliebt, hat er eine Geschichte - beispielsweise daß er ein Geschenk oder Kauf zu einer besonderen Gelegenheit war - wird er weiterhin eine Geschichte haben und Erinnerungen schaffen, wird er an jemanden weitergegeben werden, wird er im Laden einer wohltätigen Einrichtung landen oder bei einem Flohmarkt und wird er dort jemand Neuen finden?
Ich werde es nie wissen und das ist vielleicht gut so.
Woher kommen diese Gedanken aber?

In meinem Leben habe ich so einiges an Schmuck gesammelt. Ich kann mich nicht erinnern, was mein erstes Schmuckstück war, aber eines der ersten muß eine rote Korallenkette gewesen sein, die ich meine, ganz schnell verloren zu haben. Danach kamen zwei Silberanhänger, ein Herz und eine Filigranblume mit einer Perle in der Mitte (die ich hartnäckig als Edelweiß bezeichnete). Das Herz trug ich lange rund um die Uhr, bis ein Vorfall dafür sorgte, daß ich es endgültig ablegte.
Danach werden meine Erinnerungen etwas schwammig, bis ich ungefähr 12 war.

Für diesen Post wählte ich ein paar meiner frühesten Silberringe aus, weil ich mich daran erinnerte, schon vor Jahren über mein kostbarstes Stück geschrieben zu haben - emotionaler Wert, nicht finanzieller - aber dann überkam mich das seltsame Gefühl, daß ich die Geschichte meines ersten Freundschaftsrings auch schon mal erzählt hatte. Tja, das habe ich tatsächlich. Und noch ein paar andere Geschichten.
Hier. Duh. Ich werde alt (aber wenigstens ist es mir noch rechtzeitig eingefallen).
Aber hey, vielleicht IST das ja ein Thema für mehr als einen Post. Wenn ich euch nur hin und wieder mit diesen Erinnerungen überfalle, sollte das doch in Ordnung sein, oder?
Und wenn es bedeutet, daß mein Schmuckkästchen mal wieder organisiert wird und ich womöglich etwas dabei lerne, ist das doch ein nette Nebenwirkung, richtig?

Ich packte meine Silberringe zurück und griff stattdessen zu einem Stück, das ich ungefähr zur selben Zeit bekam und über das ich noch gar nichts wußte. Versuchen wir doch mal, zusammen etwas herauszufinden.
Es ist ein Armreif, den ich meiner Erinnerung nach kein einziges Mal getragen habe.
1977 war ich eingeladen, einen Teil der Ferien mit der Familie meiner Freundin im Bayerischen Wald zu verbringen. Sie hatten immer Zimmer bei derselben Familie in einem kleinen Dorf und verbrachten auch Abende mit ihnen, zum Karten spielen oder Quatschen. Wenn wir nicht wanderten oder anderen Touristenziele wie die Glashütte in der Gegend besuchten, schickte uns die Dame des Hauses auf kleine Botengänge ins Dorf, um uns zu unterhalten. Sie war eine talentierte Schneiderin und ich erinnere mich an das Bolero/Rock-Ensemble, das sie für meine Freundin als Geschenk nähte.
Sie sorgte aber auch dafür, daß ich mich nicht ausgeschlossen fühlte. Als unser Urlaub vorbei war, kam sie zu mir und meinte, sie habe auch ein Geschenk für mich - diesen Armreif.


Obwohl ich das Geschenk als solches schätzte, denke ich, ich war vielleicht zu jung, um das modernistische Design zu schätzen. Außerdem fühlte sich der Armreif an meinem Handgelenk zu schwer an, und bald wanderte er in mein erstes Schmuckkästchen, von wo er ins nächste und ins nächste und ins nächste ging ...
Immer wieder mal schaute ich ihn mir an, entschied mich aber jedesmal dagegen, ihn zu tragen, er war einfach nicht mein Stil. Es ist recht erstaunlich, wie sehr er sich abnutzte, obwohl er gar nicht getragen wurde. Da er aus Zinn war - ich bin mir nicht einmal sicher, ob ich das trotz des Stempels überhaupt realisierte - verbog er sich auch ziemlich schnell.
Ein Seifenband und etwas Polieren machte keinen großen Unterschied. Den anderen Tip, den ich online fand, aufgewärmtes Bier zu verwenden, konnte ich nicht ausprobieren, da Bier nicht das Getränk meiner Wahl ist und ich keins hatte.

Natürlich hatten wir damals kein Internet und später machte ich mir nicht mal die Mühe, mir die Punzen genauer anzusehen ... was ich aber für diesen Post tat.
Es gibt zwei. Die eine ist "Dansk handarbejde" = "Dänische Handarbeit", die andere "Løgeskov tin Danmark".
Auf Deutsch oder Englisch konnte ich nichts über die Geschichte von Løgeskov Zinn finden und mein Dänisch besteht aus dem unglaublich nützlichen Satz "Das Zimmer ist groß", aber eine Liste verriet mir, daß Løgeskov Tin nicht der einzige Zinnschmuckhersteller in Dänemark war.


Was ich außerdem fand, waren mehrere Bilder von Stücken, die gut zu meinem Armreif gepaßt hätten, entweder weil das Design fast oder sogar ganz dasselbe war oder weil die gleichen hellroten Glascabochons verwendet wurden (immer mein Lieblingsteil an dem Armreif) oder auch beides. Ringe, Anhänger, Ohrringe, sie hatten alles, and ein paar Stücke stehen sogar jetzt gerade auf eBay Deutschland zum Verkauf.
Darüber hinaus entdeckte ich, daß mein Armreif mit Glascabochons in verschiedenen Farben erhältlich war, zum Beispiel gelb, hellgrün oder blau.

Tja, ich habe etwas Neues gelernt und der Armreif wird jetzt erstmal ins Kästchen zurückwandern, wahrscheinlich hat er sich in den letzten 45 Jahren schon daran gewöhnt ;-)

Samstag, 16. Juli 2022

Eine Hommage an Nadeln

Ihr erinnert euch wahrscheinlich nicht an Hannah Needle, meine Mitarbeiterin des Monats im Oktober 2020? Sie hat mir mit meinen HeatherCat-Schuhen geholfen und man kann sehen, daß sie wild entschlossen war.
Tatsächlich konnte ich mich nicht von ihr trennen, irgendwie ist sie für mich ein Symbol von Ausdauer, auch wenn ich nicht glaube, daß sie jemals wieder arbeiten wird.


Andere hatten nicht soviel Glück. Während meiner Arbeit an den Turnschuhen habe ich so einige Nadeln kaputtgemacht und weggeworfen, obwohl ich zugeben muß, daß ich dabei immer danke und Entschuldigung sagte.
Ihr findet das seltsam? Vielleicht. Ich bin aber nicht die einzige, die versucht, ihre Gefühle für unbelebte Objekte auszudrücken, die mir gut gedient haben (oder andere verflucht, die ihr Bestes tun, um mich zu nerven!)
Habt ihr schon mal von
Hari Kuyō gehört? Es ist ein japanisches Fest, bei dem alte Nadeln gefeiert werden, in manchen Landesteilen am 8. Februar, in anderen am 8. Dezember. Es ehrt die Shinto-Gottheit Awashima no kami. Leute - überwiegend professionelle, aber auch Hobbynäher*innen - kommen in den Tempel, um ihre Nadeln zu beerdigen. Sie sagen Dank und beten dafür, in Zukunft besser nähen zu können. Die Nadeln werden in ein Stück Tofu oder Konnyaku gesteckt und auf ihre letzte Reise geschickt. Der Gedanke dahinter ist, daß auch Objekte eine Seele besitzen und solchen Respekt verdienen.

Über die Entschuldigung hinaus hatte ich nie wirklich weiter über Nadeln nachgedacht, wo und wie sie produziert wurde und wieviele verschiedene Arten, Längen und Größen es gibt.
Natürlich hatte ich von den frühen Anfängen von Nadeln in der Jungsteinzeit gehört, aus Knochen gemacht, aber das war es dann auch schon.
Ich werde jetzt nicht die Geschichte der Nadeln erzählen, das haben schon andere gemacht und bestimmt viel besser, als ich es könnte.
Zum Beispiel stieß ich auf einen Artikel im Jahrbuch 2018 von "netzwerk mode textil" über die Nadelproduktion in Aachen. Mir war nicht bewußt gewesen, daß Aachen ein wichtiger Standort für die Produktion von hochwertigen Nadeln war, so wichtig, daß sie sogar einen eigenen Gruß daraus entwickelten, den "Klenkes", einen ausgestreckten kleinen Finger, der daran erinnerte, wie schlechte Nadeln aussortiert wurden, nämlich indem man sie über den kleinen Finger rollte, um zu prüfen, ob sie gerade waren oder nicht.

Wie bin ich aber überhaupt auf diesen Artikel gestoßen?
Ich hatte auf eBay nach Perlennadeln gesucht und landete dann irgendwie bei vintage Nadeln. Mein Sammlerinnenherz verliebte sich in dieses goldige Päckchen mit Frauennadeln (gerade mal 2 cm lang!), ein Begriff, den ich natürlich noch nie gehört hatte.
Im Päckchen sind nur zwei Nadeln übrig, aber schaut, wie hübsch sie sind mit ihren kleinen goldenen Enden. Ja, tut mir leid, so hören sich Sammelwütige an, auch wenn sie (noch) keine Sammlung angefangen haben.



Als ich nach dem Begriff suchte, fand ich den Artikel, der unter anderem eine Erklärung für mich hatte.
"Frauennadeln" werden von Damenschneider*innen benutzt, um feine Stoffe zu nähen, im Gegensatz zu "Männernadeln", die von Herrenschneider*innen für dickere Stoffe bevorzugt werden, wie zum Beispiel Wolle.
Die langen Frauennadeln heißen auf Englisch "sharps" für scharf, die kurzen Männernadeln "blunts" für stumpf, was sich natürlich auf die Nadelspitze bezieht. Es gibt auch noch eine Länge dazwischen, auf Deutsch "halblang" genannt, auf Englisch "betweens".
Lange, feine Nadeln, die am Öhr nicht weit auseinandergehen und in der Hutmacherei und für Perlenapplikationen verwendet werden, heißen auf Englisch unter anderem "straws", also "Stroh", weil sie an Strohhalme erinnern. Dann gibt es noch Stopfnadeln. Wann habt ihr das letzte Mal einen Socken gestopft?
Zu guter Letzt gibt es eine Menge andere Nadeln, für die Polsterei oder für Leder, Nähmaschinennadeln, auch Steck- oder Sicherheitsnadeln und spezielle Nadeln in der Medizin oder - für uns Oldies ;-) - in Schallplattenspielern.

Natürlich hatte ich auch noch nie von der Firma Lammertz gehört, erfuhr aber aus dem Artikel, daß Lammertz-Nadeln wegen ihre guten Qualität von ihren Besitzern gehütet werden wie ein Schatz und daß der Schock unter Profis groß war, als Lammertz 2003 die Produktion einstellte.

Heute gibt es in Europa nur noch zwei Firmen, die High End-Nadeln herstellen. Eine davon ist John James, in der Nähe von London in Redditch, ein Name, der Perlenkünstlern wahrscheinlich sehr vertraut ist, die andere ist Bohin in Frankreich, die dem Ende in den frühen 2000ern knapp entkam und nun ein modernes Museum hat, das die Geschichte und die Techniken der Nadelherstellung am Leben hält.

Hier sind noch ein paar Nadelpäckchen, die ich habe, und ich muß gestehen, daß ich gerade noch ein Päckchen auf eBay gekauft und einen Vorschlag für ein weiteres abgegeben habe. Sie nehmen nicht viel Platz weg und ruhen bequem zwischen meinen Steifftieren.
Ich werde die Bilder dafür noch hier beim Post einstellen, wenn ich sie habe.



Diese Packung aus dem Konvolut hat zwar kein nettes Bild, aber Jecker hat ebenfalls zu den alten Firmen mit Tradition gehört.


Wenn ihr näht, egal ob von Hand oder mit der Maschine, schaut ihr euch eure Nadeln vielleicht etwas genauer an. Vielleicht habt ihr das ja aber auch schon.
Ich würde eure Geschichten wirklich gern hören!


Und hier sind nun die zwei Nadelheftchen, die ich auf eBay bekommen habe.
In beiden sind noch eine Menge Nadeln, also kann ich immer sagen, daß ich sie deshalb gekauft habe ;-)

Die ersten sind DOSCO-Nadeln, hergestellt von
Dossmann u. Co. Nadelfabrik Iserlohn in Westfalen. Außer daß Dossmann die Nadelfabrik eines seiner Nachbarn und Konkurrenten aufkaufte, konnte ich nichts darüber finden.


Ich versuche immer noch, mehr über dieses winzige Heftchen herauszufinden (wie das Lammertz Splendor-Päckchen ist es gerade mal 2 cm), Princess Victoria "sharps" in Größe 12.
Beim Browsen nach vintage Nähnadeln bin ich auf mehrere Victoria-Päckchen mit unterschiedlichen Bildern von Victoria gestoßen.
Ob der Name sich auf eine tatsächliche Prinzessin Victoria, also Queen Victoria's Tochter oder die Tochter Edwards VII., bezieht, blieb mir genauso unklar wie der Hersteller der Nadeln, bevor sie mit PRYM markiert wurden (eine Marke, die heute noch existiert und Victoria-Nadeln in einer Zusammenstellung der Größen 3 bis 7 verkauft, jedoch nicht in diesen kleinen Papierheftchen und auch nicht mehr mit Silber- oder Goldöhr, um "die Umwelt zu schützen").
Möglicherweise hat der Hersteller sie hauptsächlich für den britischen Markt vorgesehen und den Namen daher verwendet. Andererseits wurde die Tochter der Queen deutsche Kaiserin, also wer weiß?

Was die Unterschiede angeht:
Manche Aufkleber sind ganz auf Englisch, manche ganz auf Deutsch (dort steht dann Prinzess statt Princess und es werden die deutschen Begriffe für die Nadeln, so wie Frauennadeln, verwendet), manche sind auf Englisch und Deutsch und verwenden zwar das Wort "Prinzess" und "feinste", aber zum Beispiel auch den Begriff "sharps".
Auf dem britischen eBay fand ich sogar ein Bild mit einem italienischen Aufkleber!

Es gibt die ohne Herkunftsland, aber auch solche, die eines angeben, "Germany", "Made in Germany", "M.i W. Germany, Imp. Allemagne OCC" (diese waren wieder von PRYM), aber auch - in einem weiteren Beispiel von PRYM - "Made in the Czech Republic".

Manche Aufkleber sehen sehr vintage mit leicht verschwommenem Druck und viel mehr Details aus, die mit PRYM markierten, aber nicht nur diese sehen sehr modern mit klaren Linien aus.

Ich schätze mal, nur die Victoria-Nadeln könnten schon eine eigene Sammlung abgeben!


Update 1. August 2022: Hier ist meine letzte Erwerbung. Tatsächlich ist es nicht nur ein Nadelpäckchen, sondern drei, die gleich aussehen, und es gibt absolut nichts, was ich darüber sagen kann, außer das der Aufkleber-Designer anscheinend ein Fan von griechischer Mythologie war, wenn man sich Hephaistos und Hermes am oberen Rand anschaut.
Ich habe zwar einen Aufkleber mit Blitzen gefunden - die Nadeln wurde von der Firma Georg Printz hergestellt und hießen "Blitznadeln" - aber von einer Hand gehalten, nicht von einem Adler (?). Ich habe auch keine Ahnung, wer die zwei Herren am unteren Rand sind und was uns der Orden in der Mitte sagen soll.


Literaturhinweis:
Dorothea Nicolai: Ohne Nadeln keine Theater-Festspiele - die Nadelherstellung in Aachen am Beispiel der Nadelfabrik Leo Lammertz. In: netzwerk mode textil Jahrbuch 2018

Freitag, 15. Juli 2022

Dämonenwächter

Ich hab euch ja gesagt, daß es noch mehr Flügel geben wird! Ich hatte keine Ahnung, wie sie aussehen würden, aber als ich die Totenköpfe erstmal aufgeklebt hatte, riefen sie nach Fledermausflügeln ... und natürlich Pailletten? Werde ich jemals wieder Flügel ohne sie machen können?
Für den ersten Ohrring brauchte ich länger, als ich zugeben mag, weil ich etwas experimentieren und dann wieder auftrennen mußte. Trotz meiner üblichen Probleme damit, einen zweiten Ohrring zu machen, habe ich bei der Perlenstickerei aber überhaupt kein Problem damit, also ging wenigstens der zweite schneller.

Ich denke darüber nch, Variationen hiervon mit meinen dunkelgrauen und klaren AB Totenköpfen zu machen, mit unterschiedlichen Flügeln.
Was meint ihr? Seid ihr meiner Perlenstickerei schon überdrüssig und möchtet gern wieder andere Techniken sehen?

Hier ist ein kurzes Video, um euch die Schönheit der schwarzen AB Pailletten zu zeigen, die im Licht schimmern. Ich habe es tatsächlich geschafft, ein Zehnsekundenvideo auf YouTube hochzuladen, ist das zu fassen, lol?
Bitte ignoriert das Hintergeräusch, das meine alte Kamera macht. Ich habe versucht, den Ton abzuschalten, aber die Tips, die ich gefunden habe, haben nicht funktioniert, keine Ahnung, was ich falsch gemacht habe. Ich bin ja so von kein Naturtalent hierbei!

Mittwoch, 13. Juli 2022

Lichtschmetterling

Letztes Jahr September habe ich eine schwarze Motte gemacht. Ich habe mich immer von schwarzen Tieren angezogen gefühlt, Vögel, Hunde, Kaninchen und natürlich Katzen (okay, Kakerlaken könnten vielleicht die Ausnahme sein). Ich machte die Motte als Perlenstickerei mit Flügeln voller Pailletten in verschiedenen Schwarztönen, glänzend, matt, AB, es hat so Spaß gemacht.


Nur ein paar Wochen später beschloß ich, die Idee in Farbe umzusetzen, mit einem großen exotischen Schmetterling aus einem wunderschönen Glascabochon und vielen unterschiedlich farbigen Pailletten.

Beide Stücke waren recht schnell verkauft und ich kam nie dazu, über sie zu bloggen (das ist ein Euphemismus dafür, daß ich entweder zu faul oder nicht motiviert genug war, um überhaupt viel zu bloggen).

Vor ein paar Tagen führte ich wieder eine meiner Inspektionen durch und wählte das nächste alte Stück zum Auftrennen aus (ich wünschte, mein Kopf würde mir nicht sagen, daß sie in dieser Schublade liegen und um Hilfe schreien "Neeein, tu's nicht!"). Während ich damit beschäftigt war, fiel mir ein, wie ich es gemacht hatte. Es ist witzig, was Leute als Maß für die Zeit nehmen, während der sie an etwas arbeiten. Bei mir sind es gewöhnlich Filme oder Episoden von Fernsehserien, in diesem Fall Akte X und die 1960er Version von "Das Dorf der Verdammten".
Meine Gedanken schweiften weiter herum und gelangten schließlich zu diesen zwei geflügelten Kreaturen, wahrscheinlich weil das Thema in einer meiner FB-Verkaufsgruppen zu der Zeit "Schmetterlinge" war.
Ich liebe es, Flügel zu machen, und ich liebe den Effekt von Pailletten.
Nicht schwarz diesmal, keine Farben, wie wäre es mit weiß und silber? Schließlich hatte ich eine ganze Ladung von Rocailles in Weißtönen und Silber direkt vor mir liegen.


So entstand der Lichtschmetterling. Ich weiß nicht, ob er aus Licht geboren ist oder ob er Licht mit sich trägt, aber ich könnte leicht ein paar Fantasygeschichten über ihn zusammenspinnen.

Keine Sorge, meine dunkle Seite ist nicht verschwunden, tatsächlich habe ich mir direkt hinterher wieder zwei von den schwarzen Schädeln gegriffen. Mehr Flügel, fürchte ich.
Wer weiß aber, was danach kommt? Vielleicht wird ja ein anderes aufgetrennte Stück mit mir sprechen und mir etwas völlig Neues erzählen!

Samstag, 9. Juli 2022

Das "Energie"-Armband

Immer wieder mal schaue ich mir die Stücke in meinen Lagerkistchen an, um zu entscheiden, was ich damit tun möchte. Dort liegt eine Mischung aus neuen Stücken, etwas älteren Stücken, es gibt aber auch ein paar wirklich alte Stücke.
Auf meinem Computer sind manche dieser Stücke in meinem "Inaktiv"-Ordner, was bedeutet, daß sie darauf warten, aufgetrennt, verändert oder, falls sie dessen würdig erachtet werden, gespendet zu werden. Manchmal hat es einfach damit zu tun, daß ich mich nicht entscheiden kann.

Das "Energie"-Armband ist von 2012, aus den frühen Tagen meiner Perlenweberei.
Ich habe es mit einer kleinen Fransenreihe gemacht und von dem Moment an, als ich damit fertig war, war ich nicht richtig glücklich damit. Anstatt aber etwas zu unternehmen, schaute ich mir das Armband immer wieder an und packte es dann in die Schublade zurück.
Es war wahrscheinlich eins der ersten Stücke, die im "Inaktiv"-Ordner landeten. Ich wußte nur, daß ich es nicht ganz auseinandernehmen wollte. Ich hatte einige Zeit mit dem Entwurf des Musters verbracht und bin ich immer noch seltsam fasziniert davon.
Ich erinnere mich nicht daran, was, wenn überhaupt irgendetwas, der Plan hinter dem Muster gewesen war, vielleicht ging ich in BeadTool einfach zu weit und konnte mich nicht stoppen.
Eine Freundin sagte jedoch, daß sie Energieschübe darin sah, und das beschwörte ein Bild von frühen Horrorfilmen in mir herauf - ein seltsames technisches Gerät, von einem verrückten Wissenschaftler gebaut, das Energiestrahlen aussendet. Zu wem, zu was, zu welchem Zweck, das wird ein Geheimnis bleiben müssen.

Als ich es heute anschaute, dachte ich, daß das wahrscheinlich der Grund war, warum die Fransen für mich nicht funktionierten. Sie paßten nicht zu diesem Bild.
Also schnitt ich sie endlich ab, und die geraden Ränder sehen viel besser aus, finde ich.


Warum ich zehn Jahre dafür brauchte, das zu erkennen, wollt ihr wissen?
Ich habe keine Ahnung. Vielleicht hatte das Armband ja inzwischen genug Energie, um etwas davon auf mich zu übertragen? ;-)

Donnerstag, 7. Juli 2022

Ich habe ein Gesicht gemacht ...

 ... und es hat eine große Nase.
Bevor ihr meine arme Dame verurteilt, möchte ich euch sagen, daß ich anscheinend irgendwas an großen Nasen finde. Wenn ich ein Gesicht gemalt habe, war die Nase immer etwas größer, als ich mit Fimogesichtern herumspielten, war die Nase immer groß, und offensichtlich zeige ich auch bei Nadelfilzgesichtern dieselbe Tendenz.

Außerdem dürft ihr nicht vergessen, daß das hier mein allererster Versuch ist, einen menschlichen Kopf zu filzen.
Nachdem ich mich von meinen Filzutensilien (und meinem Perlenwebrahmen) zurückgehalten hatte, seit der Dekan als verrücktes Kätzchen eingezogen ist, hatte ich endlich wieder das Bedürfnis, auf etwas einzustechen und ein paar der Gefühle herauszulassen, die sich über die letzten Monate aufgebaut haben. Es ist schwierig, glücklich und positiv zu bleiben, wenn man sich so anschaut, was alles auf der Welt los ist und von dem das meiste ja jeden auf die eine oder andere Weise beeinflußt.
Ich bin keine gewalttätige Person, aber auf Wolle herumzupieksen kann beim Entspannen helfen, auch wenn ich Leute kenne, die sagen, das Geräusch macht sich eher verrückt als ruhig. Meinen Katzen scheint es nichts auszumachen und der Dekan hat nur anfangs ein paar Mal probiert, meine Wolle zu klauen, was wirklich keine Überraschung war.

Zurück zum Kopf.
Tatsächlich fing er gar nicht wie ein Kopf an, sondern wie ein großer Cabochon mit einem Gesicht, auf der Rückseite platt. Dann machte ich überall Wolle dazu, um eine Art Windkreatur zu erschaffen, mit vollen Backen, blasenden Lippen und all dem. Das "Windhaar" war jedoch so wild, daß ich versuchte, es wenigstens ein bißchen zu zähmen, und auf einmal hatte ich gescheiteltes Haar mit einem kleinen Dutt obendrauf.  Das sah mit dem platten Rücken sehr seltsam aus, also kam noch mehr Haar dazu.
Nur zwei schlafende Katzen, die sanft neben mir schnarchten, das Geräusch einer Nadel, die in Wolle sticht, und David Suchet als Poirot als einziges Hintergrundgeräusch mitten in der Nacht, das alles war erstaunlich beruhigend.
Also kamen immer mehr Farben dazu - etwas, in dem ich noch nicht besonders gut bin, außerdem wurde die Nase dadurch sogar noch größer - und schließlich etwas, auf dem der Kopf ruht (ich dachte dabei an eine Federboa, aber ich könnt euch auch etwas anderes aussuchen), denn es war offensichtlich, daß er niemals einen Körper bekommen würde.

Für mich sieht die Dame wie eine alternde Diva aus, zweifellos eine Charakterdarstellerin, die ihre alten Filme in ihrem privaten Heimkino anschaut - wartet mal, das hatten wir doch schon in "Boulevard der Dämmerung" oder der Columbo-Episode "Tödliches Comeback", nur hatten diese Ladys nicht gar so großmütterliche Frisuren ... aber hey, vielleicht war sie ja auch ein früher Star der Bühne, nicht der Leinwand, und vielleicht hätte sie auch eine gute Akteurin in einer Folge von "Alfred Hitchcock präsentiert" abgegeben?


Auf jeden Fall werde ich es euch bestimmt wissen lassen, falls ich  irgendwann bessere Gesichter machen kann ;-)

Freitag, 1. Juli 2022

SilhouetteCat und die Meerjungfrau

Nein, sie sind kein Paar, auch wenn der Titel das so aussehen lassen könnte ;-) Obwohl man ja nie weiß, ob sie sich unter einem Vollmond getroffen haben, SilhouetteCat sitzt vielleicht am Kai und schaut zu seiner Freundin hinunter, die aus den Tiefen des Meeres gekommen ist, um hallo zu sagen? Ich frage mich, welche Art Konversation sie wohl führen könnten.

Fangen wir mit SilhouetteCat an.
Wenn ihr mir schon eine Weile folgt, wißt ihr vielleicht, daß er eine meiner Lieblings-HeatherCats ist und daß ich mehrere Versionen von ihm gemacht habe.
Das hier ist meine zweite Perlenstickversion und die erste in Farbe, alles nur, weil ich nicht widerstehen konnte, aus einem schimmernden Schachbrettcabochon einen Mond zu machen.
Ich hatte keine HeatherCat geplant. Mein erster Gedanke war ein Baum gewesen, der den Vollmond "hält", aber zum Glück habe ich ein großes Stück Stickunterlage benutzt, so als Mabel, meine Muse, mir ins Ohr geflüstert hätte, daß ein Mond eine Katze braucht ...
Als ich erstmal die Fassung für den Mond gefädelt und ein paar Reihen rundherum hinzugefügt hatte, wußte ich, daß mich das an Heather's SilhouetteCat erinnerte.


Also fügte ich den schwarzen Kater hinzu - mit einem leicht veränderten Körper, weil ich nicht wollte, daß er bis ganz zum Mond hinaufreichte.
Nun ein paar Sterne. Beim Perlenweben haben meine Nachthimmel oft Punkte als Sterne, aber dieser Mond war so groß, daß ich das Gefühl hatte, sie müßten auch größer sein. Cabochons, die gepaßt hätten, hatte ich aber keine, also entschied ich mich für noch mehr Kreise (das ist wahrscheinlich der Grund, warum sich Leute an Van Goghs "Sternennacht" erinnert fühlen, wenn man aber genauer hinschaut, sieht man, daß es nicht wirklich so viele Ähnlichkeiten gibt und es war auch nicht meine Inspiration).
Es hat auch Spaß gemacht, Fransen zu machen. Ich habe immer noch Tonnen von diesen Daggerperlen aus der Zeit, als ein altes Projekt abgebrochen wurde, und die Farbe war perfekt.

Dann war ich am üblichen Punkt. Was für eine "Kette" sollte ich nehmen? Natürlich dachte ich an mein geliebtes Herringbone, aber diesmal gefielen mir weder die 4- noch die 6-Perlen-Kette, weil die unterschiedlichen Blautöne verschiedene Größen hatten.
Mir fiel aber ein, daß ich gerade erst Bänder aus Wildlederimitat bekommen hatte und daß da aus meinen frühen Perlenwebtagen noch eine Menge Bandenden waren, und tatsächlich sahen die geflochtenen Bänder viel besser aus.
Nun bin ich wirklich glücklich damit, wie das ganze Schmuckstück geworden ist!


Und die Zöpfe brachten mich tatsächlich zu einem WIP, das neun Monate in meiner berüchtigen WIP-Schublade verbracht hat - meine Meerjungfrau.
Ich hatte sie noch nicht mal hier gepostet, weil ich dachte, sie würde viel eher fertigwerden, aber ich hatte das gleiche Problem mit der Kette gehabt. Perlenwebbänder saßen nicht richtig, die Herringbone-schläuche sahen nicht richtig aus.

Zum Glück waren die anderen "Wildleder"bänder, die ich gekauft hatte, ein dunkles Seegrün und ein helles Blau und paßten so perfekt zu den Farben im Schwanz der Meerjungfrau.
Eigentlich war meine erste Idee nur ein Fischschwanz mit lauter Pailletten gewesen, aber nur ein Schwanz wirkt immer gleich so abgeschnitten, daher entwickelte sich stattdessen diese große Meerjungfrau, bekam mehr und mehr Haare und einen großen Fischschwanz. Es hat Spaß gemacht ;-)

Es ist erstaunlich, wie befriedigend es ist, ein lange wartendes WIP fertigzumachen, weil endlich die richtige Idee aufgetaucht ist, und ich bin auch sehr froh, daß sie es aus der Schublade herausgeschafft hat, die über die Jahre für einige andere Stücke zur Endstation wurde.