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Montag, 7. September 2026

Die kultige Telefonzelle

Ich bin alt. So alt, daß ich eine Menge Erinnerungen daran habe, für einen Anruf in einer gelben Telefonzelle zu stehen, entweder weil ich nicht wollte, daß jemand daheim zuhörte - Gespräche mit meinem Freund - oder weil ich unterwegs war. Ja, so alt, daß ich mein halbes Leben ohne Handy verbracht habe.
Nicht alle dieser Erinnerungen waren gut ... wie das eine Mal, als ich den Ex anrief, um ihm zu sagen, daß ich durch meine erste Fahrprüfung gefallen war. Andere waren schräg ... wie das Mal, als ich mehr als eine Leitung dranhatte und eine Person nicht verstand, daß ich sie gar nicht angerufen hatte.

Ich erinnere mich an die Zeiten, als es keine Telefonkarten gab und man nur mit Münzen bezahlen konnte, sogar die, als ein Ortsgespräch echt günstig war, selbst wenn man länger als ein paar Minuten sprach.
Zu der Zeit konnte man noch die Münzen in einem Schacht hinter einem kleinen Fenster hinunterrollen sehen. Ein internationales Gespräch zu führen, ließ dein Geld schneller verschwinden als Eis in heißem Wasser
.

Das bringt Erinnerungen hoch, obwohl
meine ersten von schwarzen Telefonen sind.


Das falsche Telefonmodell, aber die
richtige Telefonzelle (rechts).
Bild von Juergen Rosskamp,
 CC BY-SA 2.0 DE 
über Wikimedia Commons

Das ist aber nicht die kultige Telefonzelle, über die ich in Wirklichkeit sprechen möchte.
Es ist natürlich die britische Telefonzelle in Rot - die K-Serie von K1 bis K8 (K steht für Kiosk).

K2 und K6 (das üblichste Modell)-Telefonzellen
in Smithfield Market
Bild von Mike Quinn, CC BY-SA 2.0,
über Wikimedia Commons

Wie ihr aber merkt, ist dies kein Post zum "Einfach nur so Samstag", ein Zeichen dafür, daß ich nicht im Detail über ihre Geschichte sprechen werde.
Stattdessen werde ich euch mein neuestes Lego-Projekt zeigen.
Ich hatte das Set seit Oktober 2025 herumstehen und es gibt einen Grund, warum ich es bis jetzt völlig vergessen hatte.
Jetzt war es allerdings höchste Zeit, die Schachtel vom Boden hochzunehmen und die Telefonzelle auf mein Regal zu bekommen.
Zumindest sagte ich mir das einige Wochen lang. Bis wir im Haus einen teilweisen Stromausfall hatten. Um mich davon abzulenken, darauf zu warten, daß es entweder repariert wurde oder ein Techniker zu uns kommen mußte, um sich das anzuschauen, schnappte ich mir endlich die Schachtel und fing an.
Zwei Tage später wurde festgestellt, daß das Problem nicht gelöst war, und der Strom wurde für eine größere Reparatur abgestellt (tatsächlich war der ganze Block betroffen). Von allem abgeschnitten (außer dem Kontakt über mein 18 Jahre altes Handy, das ausnahmsweise mal aufgeladen war) schaffte ich es weiterzumachen. Immerhin ein Lichtblick.

Diese Telefonzelle basiert auf dem K2-Kiosk.
Telefonkioske gab es schon vor der K1, die aus Beton mit einer Teaktür gemacht war.
Erst mit der K2, die von Sir Giles Gilbert Scott (wie auch die günstigere K3 und später der K2-Nachfolger K6) entworfen und 1925 unter fünf Modellen vom GPO (Post Office) ausgewählt wurde, bekamen Telefonzellen ihre rote Farbe.
Die erste K2 wurde vor 100 Jahren - im März 1926 - in der Charing Cross Road aufgestellt, die anderen hauptsächlich in London, da es sich um ein kostspieliges Design handelte.
Heute existieren noch ungefähr 200 davon, die als "Grade II" gelistet sind (Gebäude usw. von besonderem Interesse in nationalem Kontext, denkmalgeschützt).
Falls ihr an mehr Details interessiert seid, schaut euch den unten zitierten (englischen) Artikel an.

Ich brauchte fast 100 Jahre, um den Kiosk zu bauen, zumindest fühlte es sich so an - alles meine eigene Schuld, da ich mehr als einmal die Abrißbirne einsetzen mußte, um ein paar sehr dumme Fehler zu korrigieren. Aber hey, ich habe diese unerklärlichen Ausbrüche von Geduld und Entschlossenheit, ignoriert bitte einfach die Bißspuren in der Bank und die Tränen auf der Telefonzelle 😜



Ich liebe den Zaun, er erinnert mich an welche vor Häusern
in meiner alten Nachbarschaft, die ich schon als Kind liebte.

Detailansichten


K2 Innenansicht zum Vergleich
Bild von Murgatroyd49,
CC BY-SA 4.0, über Wikimedia Commons

Die Telefonzelle hat einen Lichtstein. Man drückt einen Knopf oben auf
dem Kiosk und er leuchtet auf. Es war schwierig, den Knopf zu drücken
und gleichzeitig im Dunkeln ein Bild des gesamten Kiosks zu machen,
aber ihr bekommt wenigstens eine Vorstellung davon.

Sie wird echt gut neben meinem Londoner Bus aussehen, denkt ihr nicht?


Quelle und weitere Lektüre (sehr interessanter englischer Artikel):

Nigel Linge, Neil Johannessen, Andrew Hurley, Andy Simmons & Andy Sutton: 
Sir Giles Gilbert Scott’s K2 Telephone Kiosk — A Design Classic. In: Industrial Archeology Review, 46(2024), 2, S. 87 - 98. DOI 10.1080/03090728.2024.2410137 (Open Access)

Sonntag, 26. Juli 2026

Aus meinem Kinderbuchschrank - Dunkles Glas und Fisch in der Lampe

Heute habe ich für euch das Buch "Dunkles Glas und Fisch in der Lampe".
Es kam 1963 heraus. Ingeborg Engelhardt, die Verfasserin, schrieb mit dem Ziel Romane, Geschichte für Kinder und Jugendliche zugänglich zu machen. Anstatt jedoch Bücher über berühmte Persönlichkeiten einer bestimmten Zeit, eines Landes oder einer Region zu schreiben, erzählten ihre Bücher Geschichten von gewöhnlichen Leuten. Dafür besuchte sie auch einige der Orte, an denen ihre Romane spielen, und recherchierte zum Beispiel in Archiven.


Ich muß das erste Mal gelesen haben, als ich ungefähr 11 war, denn es war eine Empfehlung meiner Lateinlehrerin, die fest daran glaubte, daß Kinder nicht nur durch reine Fakten, sondern auch Geschichten und Bilder lernen sollten (sie und ihr Mann reisten viel und in der letzten Unterrichtsstunde vor Ferien zeigte sie uns Dias).
Das paßt gut dazu, daß sie außerdem für die kleine Schulbücherei für die unteren Klassen verantwortlich war, in der meine Freundin und ich glückliche Stunden damit verbrachten auszuhelfen. Ich erinnere mich, wie angetan sie davon war, daß ich Bibliothekarin wurde.
Frau Evler, dieser Post ist für Sie.


Germania inferior (Niedergermanien, rot
gekennzeichnet) im Römischen Reich
um die Zeit des Buches, Bild von
 ArdadN (gemeinfrei) auf Wikipedia

Wir sind in Germania inferior (Niedergermanien), gegen Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr., in 
Colonia Claudia Ara Agrippinensium, um ganz präzise zu sein, der Hauptstadt der Provinz und dem militärischen Hauptquartier, aus dem sich die Stadt Köln entwickelte.

Römerturm in Köln (der einzige
erhaltene 
von 19 römischen Türmen,
die Teil der Stadtbefestigung waren),
Bild von Mediatus, CC BY-SA 3.0
über Wikimedia Commons

Während einer Sturmnacht suchen drei Reisende Unterkunft in einer Herberge, ein Junge und seine beiden ägyptischen Sklaven. Sie fragen nach einem Glasmacher namens Timon, den sie am nächsten Tag aufsuchen.

Der Junge ist Lysander, Sohn des bekannten Glasmachers Ennion von Aquileia, der von Kaiser Domitian hingerichtet wurde, angeblich dafür, unzerbrechliches Glas erfunden zu haben, was das wirtschaftliche Gleichgewicht gestört hätte.
Nach der Flucht aus Aquileia, um dem Zorn des Kaisers zu kommen, der auch sein Erbe beschlagnahmt hat, sind Lysander nur die Sklaven Nemo und sein Bruder Mutus geblieben, die mit seinem Vater zusammengearbeitet haben.
Nun möchte er für Ennions alten Freund Timon arbeiten, bis er nach Hause zurückkehren kann. Timon steht davor, seine Glashütte zu schließen, da er nicht mit Glasmachern aus anderen römischen Provinzen mithalten kann. Seine Tochter Fides, genannt Fugilo ("Vögelchen") überredet ihn jedoch, Lysander eine Chance zu geben, obwohl es sich für sie als gefährlich erweisen könnte, einem Gesuchten Gastfreundschaft zu gewähren.
Lysander wiederum, der anfangs bei ihnen wohnt, ist schockiert, als er in ihrer Öllampe einen eingeritzten Fisch entdeckt und so erfährt, daß Timon und Fugilo Christen sind.

römisches Parfümfläschchen
(etwa 1. bis 3. Jahrhundert),
 Bild von Hermann
 Junghans
, CC BY-SA 3.0,
über Wikimedia Commons

Mit ihrem schönen Glas erregen Lysander, Nemo und Mutus die Aufmerksamkeit eines großen Kaufmanns, der einen Handel mit ihnen macht, um es an reiche Leute außerhalb der Provinz zu verkaufen.
So verbreitet sich der Ruf der Glashütte, bis ein gotischer König und seine Tochter auftauchen und Lysander um die Nachbildung eines Glases bitten, das wichtig für ein Hochzeitsritual ist. Der erfahrene Nemo nimmt sich der Aufgabe an, aber Lysander hält das fertige Glas zurück, weil er sich in die schöne Svanadis verliebt hat und nicht möchte, daß sie nach Hause zurückkehrt.
Er findet außerdem heraus, daß Nemo tatsächlich derjenige ist, der das unzerbrechliche Glas erfunden und weiterexperimentiert hat. Nemo bietet an, das Geheimnis mit seinem Meister im Austausch für seine und Mutus' Freiheit zu teilen.
Alles ändert sich jedoch, als die Glashütte in Flammen aufgeht.

Römisches Glas in der Form des
Gladiatorenhelms eines
Secutors, Bild von BS Thurner
Hof, CC BY-SA 3.0, über
Wikimedia Commons
 

Es ist immer noch faszinierend für mich, daß die Römer früher hier waren, nicht nur in Köln, sondern auch in meiner eigenen Stadt (die zu Germania superior ("Obergermanien") gehörte). Als unsere älteste Kirche vor Jahrzehnten renoviert wurde, fanden die Archäologen heraus, daß an dieser Stelle eine "villa rustica" gewesen war, ein Landgut für die Versorgung der Soldaten.

Außerdem fand ich auch schon damals Glas aufregend (und liebte natürlich die Vorstellung von unzerbrechlichem Glas).
Das Rheinland war eine der großen Regionen der Glasherstellung in der römischen Welt und es gab dekoriertes Glas, das eine Besonderheit der Region war.
Die sogenannten "Schlangenfadengläser" waren mit Glasfäden - klar oder farbig - verziert, die sich um das Glas schlängelten und aufgedrückt wurden. Ich konnte kein Bild finden, daß ich hätte teilen dürfen, aber ihr könnt hier eins finden, das wunderschöne Beispiele zeigt, die in europäischen Museen vorhanden sind oder im Banner einer Seite auf der Webseite des Römisch-Germanischen Museums in Köln, das die weltweit größte Sammlung an römischen Glas besitzt.

Wir erfahren aber nicht nur die Geschichte von Lysander, dem Glasmacher.
Wir hören auch von ihm als Flüchtling in ein fremdes Land, das so ganz anders als das seine ist (Schnee!), als Sohn, der sich fragt, was der wahre Grund hinter dem Tod seine Vaters ist und der sich um seine Mutter und Schwestern sorgt, die er zurücklassen mußte (zu Recht, wie wir am Schluß herausfinden), als jungem Mann, der der sich in eine Prinzessin verliebt, von einem Stamm, der für ihn aus Barbaren besteht, als Meister, der von seinem Sklaven betrogen wird (von seinem Standpunkt aus) und als Mann, der mit einem Glauben konfrontiert wird, der nicht der seine ist.

Foto von Mina Meh auf Unsplash

Ich habe das Buch als Kind verschlungen und später danach auf Flohmärkten gesucht.
Als das Internet da war, sah ich meine Chance gekommen, aber ich erinnerte mich nicht an die Verfasserin und war mir des Titels nicht sicher.
Schließlich postete ich auf dem Schwarzen Brett einer Antiquariatsverkaufsseite (es existiert leider nicht mehr, so schade, denn es war sehr interessant zu sehen, wonach andere suchten, und auch so informativ) und jemand nannte mir den Titel.
Nachdem ich es gekauft hat, stellte ich glücklicherweise fest, daß ich es immer noch so gern mochte wie mit 11.

Habt ihr solche Bücher aus eurer Vergangenheit?

Sonntag, 19. Juli 2026

Barbies Kleiderschrank - Shift Into Knit

Ich bin keine Fashionista. Ich bin ... man könnte sagen ... eine Kleiderträgerin. Ich mag meine Kleidung bequem und in der richtigen Größe und, wenn möglich, daß sie keine Löcher oder Flecken hat (der Teil ist nicht immer einfach, wenn man Katzen hat, erst kürzlich habe ich entsetzt drei Löcher in einem meiner Kleider gefunden, nachdem meine Lady eine Schmusesitzung auf mir hatte).
Es gibt Dinge, die ich an Kleidung liebe, wie Taschen in Kleidern oder Dreiviertelärmel, aber darüber hinaus bin ich recht anspruchslos und nicht abenteuerlustig.
Das heißt nicht, daß ich gar keine Kleider anschauen mag, vor allem die, die ich niemals selber tragen könnte, des Geldes oder meiner Figur wegen, Mangel an Gelegenheit usw. Es gibt trotzdem noch Wege, Haute Couture in mein Leben zu bringen. Ich meine Barbie und ihre Freundinnen.
Ich war schon immer von Miniaturen fasziniert und Barbies vintage Outfits mit ihren winzigen Reißverschlüssen und Knöpfen und Schnallen sind unglaublich. Das ist mein "Modeleben", entweder über meine eigene kleine Sammlung oder Bilder.
(Und ja, ich weiß, daß Barbies Körper nicht natürlich ist, ich wußte das als Kind und habe nie versucht, ihr nachzueifern ... hätte ich das, wäre was schiefgelaufen).
Ich würde euch gern ab und zu einen Blick in Barbies Kleiderschrank werfen lassen.

Vielleicht fragt ihr euch, warum ich, anstatt euch in dieser neuen Hitzewelle ein leichtes und luftiges Outfit zu zeigen, in "Strick schlüpfe", nun ja, nicht ich, sondern Barbie. Keine Sorge, ihr werdet schon sehen.

Barbie hat im Moment dasselbe Problem wie ich,
daß der Ventilator ihr andauernd Haare über
das Gesicht pustet. Ich sollte sie in kochendem
Wasser "legen", um sie davon abzuhalten,
aber ich habe bei dem Wetter einfach keine Lust.

Ich wollte euch ein neues Modell vorstellen.
Dies ist eine Color Magic Barbie von 1966/67. Obwohl sie dasselbe Gesicht wie die Puppen vor ihr hat, ist der Unterschied, daß an ihrem strahlenden Haar nichts Subtiles ist.
Tatsächlich kam die Color Magic in zwei unterschiedlichen Haarfarben, genannt Golden Blond (goldblond) und Midnight Black (mitternachtschwarz).
Der Körper war der gleiche wie der eines American Girl, das heißt, sie hatte noch keine drehbare Taille, aber knickbare Beine.
Ihr Gesicht konnte eine "soft color" oder "high color" haben. Unser Modell hat ein "soft color" Gesicht, der Lippenstift und das Rouge sind heller und die Nasenlöcher nicht bemalt.

Was aber bedeutet Color Magic?
Diese Schönheiten hatten nicht nur Accessoires dabei wie ein Haarband, das zum Badeanzug paßte, Haarklammern und Bänder, sondern auch zwei Flaschen "Hair Color Changer A & B". A verwandelte Golden Blonde in Scarlet Flame und Midnight Black in Ruby Red. Es veränderte auch die Farbe des Badeanzugs und Outfits, die speziell für die Color Magic gemacht waren. B änderte die Farbe zurück. Oder nicht. Zu dumm, aber es funktionierte nicht wirklich bei Midnight Black, was Puppen, die noch schwarzes Haar haben, seltener macht. Tatsächlich konnte sich das Schwarz in Rot verwandeln, ohne daß die Lösung überhaupt angewendet wurde (ein Problem, da auch die Julia-Puppe hat, die ihr irgendwann kennenlernen werdet).
Es gibt auch eine seltene Color Magic mit platinfarbenen Haaren. Ich habe selber nie eine in echt gesehen, habe aber gelesen, daß sich ihre Haare gar nicht veränderten.

Eine Midnight Black, deren schwarzes Haar sich ein bißchen
verändert hat, eine Ex-Midnight Black, die komplett einer
Ruby Red wurde, und die Golden Blonde aus diesem Post.

Unsere Golden Blonde trägt "Shift Into Knit".
 

Ich glaube nicht, daß Barbie in diesem ärmellosen Strickminikleid zu sehr schwitzen wird (übrigens auch so ein in der Tat existierendes Problem von vintage Puppen), das als #1478 von 1969 bis 1970 produziert wurde.

Es hat ein hellrotorangefarbenes Oberteil (wer erinnert sich noch an die alten Telefone in "hellrotorange"?), das, wie ich finde, toll zum Haar paßt - und einen dunkelblauen Rockteil. Als Accessoires gehören dazu ein goldener Kettengürtel, der in einer goldenen Scheibe endet, und ein Fransenschal.
Es war zu heiß dafür, ihn um den Hals zu wickeln, ich könnte mir sogar vorstellen, daß Barbie ihn tagsüber als Haarband benutzt, weil sie ihr originales nicht mehr hat.


Die Schuhe, die ursprünglich mit dem Outfit kamen, waren entweder klobige rote Pilgrim- oder rote Schleifenschuhe. Leider habe ich im Moment weder die einen noch die anderen, also habe ich Barbie ein Paar moderne rote Pumps gegeben.
Der Schal und der Gürtel sind etwas schwieriger zu finden als das Kleid selber. Kleiner Zubehörteile - wie Schuhe! - sind einfach viel leichter verlorengegangen
.

Seid ihr alt genug, um euch an Kleider wie diese zu erinnern?



Um das klarzustellen, ich habe zwar den Puppenständer aus den Bildern entfernt, aber nichts am Outfit geändert.

Barbie ist ein eingetragenes Warenzeichen. Ich bin in keiner Weise mit Mattel verbunden.


Quellen (überwiegend englischsprachig):

1. Sibyl DeWein und Joan Ashabraner: The Collector's Encyclopedia of Barbie Dolls and Collectibles. Paducah, KY, Collector Books, 1994
2. 
Sarah Sink Eames: Barbie Doll Fashion, Vol. II, 1968 - 1974. Paducah, KY, Collector Books, 1997
3. Color Magic Barbies 1966 - 1967. Auf: My Vintage Barbies
4. Iris Schmid: Color Magic Barbie #1150 1966, 1967. Auf: Vintage und Mod Barbies in Deutschland, Europa und weltweit 2 (deutsch, sehr informativer Post!)


Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.

Samstag, 27. Juni 2026

Einfach nur so Samstag - Postkarten

Erinnert ihr euch an diesen Post über eine Postkarte, die in das Haus zurückkehrte, aus dem sie kam? Nach fast 50 Jahren?


Nun denkt ihr vielleicht, daß das jetzt nur ein weiteres Beispiel von Nostalgie ist, und zum Teil ist es das wahrscheinlich, für mich bedeutet es aber tatsächlich, mehr über unsere Heimatstadt und ihre Geschichte zu erfahren.
Manchmal dauert es eine Weile, online etwas zu finden, manchmal gibt es nichts zu finden.

Und die Rückseiten der Karten - wie im obengenannten Fall - können ebenfalls sehr interessant sein, aber das ist vielleicht eine Geschichte für ein andermal.

Kürzlich wurde mir klar, daß ich absolut nichts über die Geschichte der Postkarte an sich wußte. Ein neues Kaninchenloch? Wohl eher ein ganzer Kaninchenbau. Es gibt da draußen soviele Seiten dazu, und obwohl sie in manchem übereinstimmen, tun sie das bei anderen Dingen nicht - hört sich das nicht vertraut an ... Wer war der erste, der die "echte" Postkarte erfand? Welches Land war das erste? Was ist eine "echte" Postkarte überhaupt? Es gibt Postkarten und Bildpostkarten. Um ehrlich zu sein, war mein Gehirn davon überfordert, das alles zu sortieren und vor allem in einen Post zu packen, der kürzer als eine Abhandlung ist, und ich habe kläglich versagt.
Sagen wir also einfach, daß es scheinbar so richtig im 19. Jahrhundert angefangen hat (ich bleibe damit auf der sicheren Seite) und daß sich die meisten Quellen einig sind, daß diese österreichischen "Korrespondenzkarten" die ersten "echten" Postkarten sind, obwohl es schon vorher Karten gegeben hat.
Hier ist eine Seite von einer Postkartenausstellung mit der Geschichte.

Korrespondenzkarte von 1869
Gemeinfrei über Wikipedia

Als Heinrich von Stephan, der die deutsche Post neu organisierte, 1865 etwas Ähnliches vorschlug, das "offene Postblatt", das dank aufgedruckter Briefmarke einen Umschlag überflüssig machen sollte, wenn man nur eine kurze Nachricht schicken wollte, wurde die Idee nicht gut aufgenommen.
Was wenn zum Beispiel die Bediensteten die Post ihrer Herrschaft lasen? Wie stand es um die Wahrung der öffentlichen Moral? Menschenopfer, Hunde und Katzen in Frieden miteinander, Massenhysterie! Sorry, das ist ein Zitat aus "Ghostbusters".
Jedenfalls setzten sich Postkarten auch in anderen Ländern durch, nachdem die österreichische Karte so ein Riesenerfolg war, selbst in Deutschland. Ich konnte keine Information über die Dienerschaft-Herrschaft-Krise in diesem Zusammenhang finden 
😉
Gegen Ende des Jahrhunderts gab es immer mehr Bildpostkarten. Bilder konnten Lithographien sein, manchmal koloriert, oder Fotos. Sie zeigten einzelne Gebäude, Straßen, Parks, aber auch Menschen.
Monarchien nutzten Postkarten zum Beispiel für Propaganda, indem sie ihre Familien als Vorbilder für ihre Untertanen darstellten und um ein positives Bild von sich zu formen - was bei manchen funktionierte, anderen aber nicht. Dabei fallen einem beispielsweise die Romanovs, Queen Victoria, Kaiser Wilhelm II. ein.

Frühe Karten sahen noch anders aus. Im Gegensatz zu den Karten, die ihr vermutlich kennt, war eine Seite nur für die Adresse gedacht, die Nachricht wurde über, unter oder um das Bild herum geschrieben, wie in diesem Panorama von Göppingen aus dem 1903, das aus drei Postkarten besteht.
Bei nur einer Karte konnte der Absender nicht sehr viel Text unterbringen
.


Vielleicht veränderten sich Postkarten deshalb später. Die Bilder nahmen eine ganze Seite ein und die Rückseite war aufgeteilt in einen Teil für die Anschrift und einen für die Nachricht.
Ist die Handschrift nicht schön? So gerne ich aber Sütterlinschriften anschaue, ist es für uns heute nicht immer einfach, sie zu entziffern.


Es überrascht mich oft, was Absender auf Postkarten teilen. Manchmal ist es nur ein Gruß von einem kurzen Ausflug, einem Besuch, einem längeren Urlaub, anläßlich eines Feiertaags, ein Dankeschön, aber wir haben mehr als eine gesehen, die aus einem Krankenhaus geschrieben wurde, und die Neuigkeiten waren nicht immer sehr gut.

Neujahrsgrüße. Ihr denkt vielleicht, daß das Wort und die Blumen handgemalt
sind, aber sie sind aufgedruckt, wahrscheinlich nach einem handgemalten Entwurf.

Ich habe an Autos im allgemeinen kein großes Interesse, aber schaut euch diese Schönheiten an!
Mir gefällt ein schöner alter Käfer einfach. Dieses Lokal liegt außerhalb der Stadt an einem Stausee. Nur sieht man dort keine Käfer mehr.
Auf der anderen Karte seht ihr unser Renaissanceschloß. Wenn ihr genau hinschaut, seht ihr nicht nur die alten Autos, sondern auch - leider verschwommen - eine Pferdekutsche im Hintergrund.


Die folgenden Bilder sind keine Postkarten, sondern Belegexemplare, die als Vorlagen dienten. Tatsächlich sind sie nur halb so groß wie eine Karte.
Sie wurden von einem lokalen Fotografen aufgenommen. Viele meiner Karten wurden von lokalen Fotografen, Buch- oder Schreibwarenläden hergestellt.


Das ist der alte Bahnhofsplatz mit dem Postamt auf der rechten Seite.


Noch mehr alte Autos, für mich war es jedoch interessant, von der sogenannten Kraftpost zu erfahren. Diese Nachfolger der Postkutschen waren Postbusse, die in Deutschland (auch andere Länder hatten so etwas) für eine Kombination aus Postversand und Passagiertransport genutzt wurden. Am Postamt sieht man ein Schild. Hier ist es unleserlich, aber ich kenne auch ein Bild mit einem späteren Schild, das man gut lesen konnte.

Machen wir hier Schluß, sonst höre ich vielleicht gar nicht mehr auf.
Ich hoffe, ich habe euch nicht zu sehr gelangweilt, aber vielleicht habt ihr jetzt eine kleine Vorstellung davon, wie Postkarten die Geschichte im Laufe der Jahre illustriert haben, egal ob ihr nur an der eurer Stadt oder Gegend oder an Weltgeschichte interessiert seid.
Wann habt ihr das letzte Mal eine Karte geschickt?

Dienstag, 23. Juni 2026

Nostalgie - Treff auf Reisen

Dieser Post ist von zwei Themen inspiriert.
Das erste ist meine Liebe zu Steiffs Hund Treff, das zweite ist die faszinierende (und frustrierende) Welt der Paketzustellung, daher der Titel.

Ich erzähle euch erst mal von Treff.
Dieser Bluthund hat mein Herz schon seit den Anfängen unserer Steiff-Sammelleidenschaft. Obwohl es viele Steiff-Hunde gibt, die ich liebe, war Treff immer mein Favorit.
Ich könnte euch nicht mal genau sagen warum. Sind es die langen Ohren, ist es die süße Nase? Die Farbe, die Airbrushdetails im Gesicht, die Augen? Ich schätze, es ist das Gesamtpaket.


Im Laufe vieler Jahre haben es einige in die Sammlung geschafft, alles sitzende Exemplare in verschiedenen Größen von 10 bis 50 cm (aber nicht alle neun Größen), in Mohair und Samt. Das hier sind kleinere, die großen sitzen hinten in der Vitrine, und ich gebe zu, ich hatte keine Lust, all die Tiere davor mit herauszuholen.


Treff war nicht nur bei mir ein beliebter Hund und bliebt daher von 1928 bis 1938 im Steiff-Sortiment, auch stehend, als Reittier, mit einem Musikwerk darin, auf einem Nadelkissen - und als Handpuppe, auf die ich von Anfang an mein sehnsüchtiges Auge geworfen hatte.


Ich weiß nicht, ob es euch auf dem Gruppenbild aufgefallen ist, aber ihre Augen sehen nicht alle gleich aus.
Das Design war patentiert, die Augen sind nicht einfach aufgenäht, sondern so gesetzt, daß ein Teil davon für den typischen Bluthund-Blick vom Stoff abgedeckt war.
Wie
 Steiff Gal zitiert hat, schrieb Steiffs amerikanischer Vertrieb Borgfeldt einmal "den schrägen, halb abgedeckten Augapfel, der dem Gesicht dieses Hundes einen besonders nachdenklichen, intelligenten Ausdruck gibt."
Tatsächlich sieht man jedoch Treffs, bei denen die Augen nicht so aussehen, weil der Stoff hinter das Auge gerutscht ist. Ich lasse das normalerweise so, weil ich nicht am Auge und Stoff herumfummeln möchte, um zu vermeiden, daß etwas einreißt.


Könnt ihr sehen, wie sich der Blick verändert?

Ich liebe die Tierhandpuppen von Steiff und besonders die von vor dem Krieg, und als nach Jahren endlich ein Treff zu Verkauf stand, kaufte ihn der Ex zu meinem Geburtstag.
Wahrscheinlich werden sich nur Leute, die selber sammeln, meine Aufregung beim Warten auf das Paket vorstellen können.

Und das bringt uns zu den Wundern von Postunternehmen ...
Damals bekam meine keine Mails und man hatte kein Livetracking.
Lieferbestätigungen waren noch auf Karten, die im Briefkasten landeten, um einem mitzuteilen, daß man das Paket sonstwo abholen mußte, obwohl man den ganzen Tag daheim war.
Echt verstörend war in diesem Fall allerdings, daß ich weder eine Karte noch ein Paket bekam, mir aber dann mitgeteilt wurde, daß das Pakete ausgeliefert worden war ...
Was hatten sie mit meinem Treff angestellt??

Also rief ich bei der Hotline an. Zumindest hatte ich damals nicht mit einem Chatbot zu tun, aber natürlich mußte ich mich trotzdem Zahl für Zahl zu einem Menschen durchwählen, der mir erklärte, daß ich ein Sortierzentrum in München anrufen mußte.
Ich lebe 200 km von München entfernt. Das Paket lief nicht über München. "Das ist egal, Sie müssen München anrufen". Nachdem ich dann dort endlich einen Menschen am Telefon hatte ... vielleicht habt ihr es schon erraten ... "Warum rufen Sie da bei uns an?" "Wenn ich das mal wüßte, bei der Hotline sagten sie ..." "Ja, hier sind Sie falsch, versuchen Sie es nochmal bei der Hotline." Mit Hilfe von ein bißchen Gewimmere und Gebettel, mich nicht dorthin zurückzuschicken, gaben sie mir wenigstens die direkte Nummer des richtigen Sortierzentrums in unserer Nähe.

Dort konnte ich mit einem sehr netten Mann sprechen, der seltsame Neuigkeiten für mich hatte. Ja, das Paket war heute ausgeliefert worden, ja, sie hatten eine Unterschrift von meinem Mann. Stop, stop ... wir hatten zwar wegen unserer unterschiedlichen Namen immer beide auf Paketen, aber ich war zu Hause gewesen, nicht er.
Ich fragte ihn nach dem Namen und er zögerte nicht, ihn mir zu sagen, also war meine nächste Frage, ob er schwierig zu lesen war und er meinte überhaupt nicht. Ich erklärte ihm, daß es aus zwei Gründen nicht die Unterschrift meines Manns sein konnte - er war nicht daheim und seine Unterschrift war absolut unleserlich, weil sie nicht mal aus einzelnen Buchstaben bestand. Er sagte, er würde sie mir zufaxen (ja, so lange ist das schon her), was nur bestätigte, was ich schon wußte.
WER hatte MEINEN Treff?


Ich machte mir Sorgen und war wütend, schließlich sprechen wir nicht nur über einen gewissen finanziellen, sondern auch einen emotionalen Wert. Das ist nichts, was man einfach so ersetzen könnte.
Er versprach mir, den Paketfahrer bei unserem Haus vorbeizuschicken, um zu sehen, ob es ihm helfen würde, sich an das Paket zu erinnern und wohin er es gebracht hatte.
Als er zurückrief, ließ er mich wissen, daß mein Paket in eine Stadt fünf Kilometer von hier geliefert worden war. An jemand anderen in einer Straße mit einem anderen Namen, der gesehen hatte - natürlich, denn die Adresse war korrekt und leserlich -, daß es nicht für ihn war, aber beschloß, das Paket zu behalten, "nur für den Fall". Was für einen Fall? Daß der tatsächliche Besitzer nicht nachforschen würde?
Natürlich sagte man mir den Namen dieser Person nicht, aber hört sich das für euch so an, als wäre es ein ehrlicher Fehler gewesen? Ich glaube nicht mal, daß er denselben Nachnamen wie mein Mann hatte.
Auf jeden Fall reiste Treff am nächsten Tag zum richtigen Haus und hat es seither nicht verlassen
.

Dienstag, 12. Mai 2026

Nostalgie - Schnecken

"Als Mr. Peter Knoppert das Beobachten von Schnecken zu seinem Hobby machte, hatte er keine Ahnung, daß seine Handvoll von Exemplaren im Handumdrehen auf Hunderte wachsen würde. ... 'Mir war Natur in meinem Leben vorher immer egal', sagte Mr. Knoppert oft - er war Partner in einer in einem Maklerbüro, ein Mann, der sein gesamtes Leben der Finanzwissenschaft gewidmet hatte - 'aber Schnecken haben mir die Augen für die Schönheit der Tierwelt geöffnet.'" (Anmerkung: eigene Übersetzung, da ich die Geschichte auf Deutsch nicht da habe)
Das ist aus dem Anfang einer von Patricia Highsmiths Kurzgeschichten über Menschen und Schnecken, diese heißt "Der Schneckenforscher", die andere "Auf der Suche nach X. Claveringi" (die englischen Geschichten könnt ihr hier finden (obwohl es für Claveringi zwei Versionen gibt)).


Highsmith liebte Schnecken und hielt Hunderte von ihnen als Haustiere. Sie nahm sie mit zu Partys, auf Salat in ihrer Handtasche sitzend, und sie schmuggelte sie in ihrem BH nach Frankreich hinein, weil sie sie nicht in England zurücklassen wollte.
Ich las ihre beiden Schneckengeschichten in jungem Alter in einer Anthologie, aber "Der Schneckenforscher" beeindruckte mich mehr, und das Bild, das ich mir vom Ende ausmalte, hat sein eigenes Zimmerchen in meinem Kopf und springt jedesmal heraus, wenn ich eine Schnecke sehe.
Wenn ihr die Geschichten kennt, könnt ihr euch vorstellen warum. Habe ich erwähnt, daß es eine Horror-Anthologie war?

Es gibt noch andere Schnecken in meinen Kindheitserinnerungen, wie die Süßwasserschnecken in den Teichen des Parks nahe unserem Haus.


Wir liefen auf den Mäuerchen herum und hielten nach Schnecken Ausschau (wir haben sie immer dort gelassen, falls ihr euch das fragen solltet). Meinen Erinnerungen nach schätze ich, daß es Post- und Spitzhornschnecken waren. Von der Posthornschnecken gab es weniger und ich war überzeugt, daß sie das zu den Schneckenköniginnen machte, also war es sehr aufregend, eine von ihnen zu sehen.

Links: Posthornschnecke
Rechts: Spitzhornschnecke
Bild von Se90 - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0

Natürlich waren wir auch von Landschnecken fasziniert (nicht Nacktschnecken, sie waren mir unheimlich, vor allem nach einem großen Regen, als der Weg in den Wald hinauf von ihnen übersät war, es sah wie eine Invasion aus). Die, die man hier am häufigsten sieht, ist die Gartenbänderschnecke, aber es war etwas Besonderes, Weinbergschnecken zu finden.
Einmal fanden meine Freundin und ich zwei von ihnen auf der Straße und beschlossen, sie an einen sicheren Ort in einem Garten zu setzen, aber der Gartenbesitzer war draußen und sagte, wir sollen es ja nicht wagen, also ließen wir sie auf einer Mauer zurück (obowhl sie und andere Schneckenarten keine Schädlinge sind!). Hinterher machte ich mir recht lang große Sorgen bezüglich ihres Schicksals und dachte, wir hätten eine wirklich sichere Stelle für sie finden müssen. Tut mir leid, kleine Schnecken!
Ich möchte mich außerdem dafür entschuldigen, eins von diesen nervigen Kindern gewesen zu sein, die manchmal eure Augen anstupsten, um zu sehen, wie ihr sie einzieht, und dafür, daß wir euch am Haus hochgehoben haben, wir wußten nicht, daß euch das wehtun kann.

Tatsächlich habe ich seit Jahren keine Weinbergschnecken mehr in freier Wildbahn gesehen, aber Schnecken haben mich in meiner Kreativität inspiriert, im Drahtwickeln, Nadelfilzen und Perlenstickerei.



Und dann ist da natürlich noch Nelly.
Nelly gab es in zwei Farben, blau und braun mit Tupfen, und in einer Größe von 10 cm. In den 60ern hatte Steiff einige Designs, die nur kurze Zeit hergestellt wurden - 1961 bis 1963 für Nelly - und als Schmusekumpel ziemlich ungewöhnlich waren.


Außer Nelly gab es zum Beispiel Fledermäuse und bunte Spinnen (und ich könnte jetzt noch wegen der Geschichte Tränen vergießen, die uns die Dame vom Spielwarenladen erzählte, daß sie sie nicht verkaufen konnten und statt Süßigkeiten beim Faschingsumzug in der Stadt hinauswarfen, argh!).
Als der Ex und ich unseren ersten Steiff-Preisführer kauften, wußten wir sofort, daß wir sie alle wollten, nicht wegen ihrer Seltenheit, sondern wir sie richtig süß fanden (finde ich immer noch).

Nelly ist aus Baumwollsamt mit Lederimitat auf der Unterseite und hat ein bemaltes Gummihaus und Gummifühler, deren Enden gern mal abbrachen, wie ihr an einem davon sehen könnt.
Ist dieses kleine Paar nicht einfach goldig?


Ist euch aber etwas an ihnen aufgefallen? Mit diesen Häusern sind sie keine Landschnecken und ich habe bis heute nie darüber nachgedacht. Ich frage mich, warum Steiff sich dafür entschieden hat.

Da habt ihr's, meine Schneckenerinnerungen.
Ich habe euch die eine erspart, als ich versehentlich auf ei.... nein, vergessen wir das.

Dienstag, 21. April 2026

Barbies Kleiderschrank - Orange Blossom

Ich bin keine Fashionista. Ich bin ... man könnte sagen ... eine Kleiderträgerin. Ich mag meine Kleidung bequem und in der richtigen Größe und, wenn möglich, daß sie keine Löcher oder Flecken hat (der Teil ist nicht immer einfach, wenn man Katzen hat, erst kürzlich habe ich entsetzt drei Löcher in einem meiner Kleider gefunden, nachdem meine Lady eine Schmusesitzung auf mir hatte).
Es gibt Dinge, die ich an Kleidung liebe, wie Taschen in Kleidern oder Dreiviertelärmel, aber darüber hinaus bin ich recht anspruchslos und nicht abenteuerlustig.
Das heißt nicht, daß ich gar keine Kleider anschauen mag, vor allem die, die ich niemals selber tragen könnte, des Geldes oder meiner Figur wegen, Mangel an Gelegenheit usw. Es gibt trotzdem noch Wege, Haute Couture in mein Leben zu bringen. Ich meine Barbie und ihre Freundinnen.
Ich war schon immer von Miniaturen fasziniert (siehe meinen Post vom Sonntag) und Barbies vintage Outfits mit ihren winzigen Reißverschlüssen und Knöpfen und Schnallen sind unglaublich. Das ist mein "Modeleben", entweder über meine eigene kleine Sammlung oder Bilder.
(Und ja, ich weiß, daß Barbies Körper nicht natürlich ist, ich wußte das als Kind und habe nie versucht, ihr nachzueifern ... hätte ich das, wäre was schiefgelaufen).
Ich würde euch gern ab und zu einen Blick in Barbies Kleiderschrank werfen lassen.

Ich weiß, daß es schon über ein halbes Jahr her ist, daß Barbies Kleiderschrank aufgegangen ist. Das war buchstäblich, weil mir nicht danach war, ihn zu öffnen - den Puppenschrank meine ich, nicht den Kleiderschrank.
Ich bewundere immer, wieviele Bilder andere von ihren Puppen machen, während ich immer fürchte, alles umzuwerfen, aber hier sind wir nun, mit einem hübschen klassischen Outfit, das einfach perfekt für den Frühling ist. Es heißt "Orange Blossom", ein sehr passender Name, wie ihr sehen werdet.


Laßt mich zunächst unser heutiges Modell vorstellen.
Sie ist eine Bubblecut aus den frühen 60ern und es ist leicht zu erkennen, woher der Name kommt.

Bubblecut Barbies (1961 to 1967) gehören zu meinen Lieblingsmodellen, weil sie gleich aussehen. Es gab sie mit verschiedenen Haarfarben, der "Bubble" konnte fester und enganliegender sein oder echt groß, was nicht nur von der Haarlänge abhängt, sondern manchmal auch daran, wie sie eingezogen wurden. Es konnte Unterschiede bei Lippenstift und Nagellack oder sogar bei der Augenfarbe geben. Manche von ihnen haben eine seltene Haarfarbe - wie die "Brownette", ein helleres Braun - oder Lippenfarbe - wie die White Ginger. Es gab sogar Puppen mit einem Seitenscheitel (ob es ein "echter" ist, erkennt man sicher nur am gekreuzten Haareinzug), sie sind gefragt, weil sie nur in Europa und Kanada verkauft wurden. Manche von ihnen haben im Gegensatz zur Standard-Bubblecut sogar knickbare Beine.
Die weißen Lippen unseres Modells deuten darauf hin, daß es sich um eine "Platinum Blonde" handelt. Ich weiß, daß sich das seltsam anhört, aber Haarfarben von Barbies konnten sich durch Oxidation verändern (erinnert ihr euch, daß ich die Diskussion über rothaarige TNTs erwähnt hatte?). Und Lippenfarben ebenso. Die rosa Lippen der platinblonden Bubblecut konnten weiß werden und das Haar dunkler.

Vielleicht habt ihr bemerkt, daß die Ohrring
fehlen. Obwohl es nicht die originalen waren, die
eine Bubblecut hatte, bin ich kein Risiko
eingegangen, um die Gefahr der grünen Ohren
zu vermeiden, und habe sie entfernt.

Nun zu "Orange Blossom".
Man sieht es oft an Barbies Freundin Midge, weil es ein Brautjungfernkleid ist und wir wissen, daß Barbie wunderschöne Hochzeitskleider hatte (sogar schon bevor es Ken gab!).
Tja, in diesem Fall ist Barbie mal die Brautjungfer.


Barbie trägt ein schulterfreies gelbes Etuikleid und ein hübsches Überkleid mit ausgestelltem Rock aus weißer Spitze.
Die weißen Handschuhe gab es je nach Jahr in zwei Längen. Hier hat Barbie die kurzen gewählt.
Ihre Schuhe sind offene weiße Pantoletten mit Absatz.
Der Hut ist ein gelbes Haarband mit Tüll.
Keine Brautjungfer ohne Bouquet. Das hier hat weiße und gelbe Bänder, die zum Outfit passen.

Obwohl die Perlenkette die perfekte Ergänzung zu sein scheint, gehört sie eigentlich nicht zum Outfit. Erinnert ihr euch, daß ich im Post über das Modell "Midnight Blue" geschrieben habe "
Ich bin mir ziemlich sicher, daß ich eine Kette habe, sie aber von einer anderen Puppe getragen wird." Nun, jetzt wissen wir wohl, wer sie hat. Sie hat sich auch geweigert, sie zurückzugeben (das heißt, der Haken ging nicht auf und es war so spät, als ich diese Bilder macht, daß mir nicht nach Herumpusseln war)!

Auf einer Seite hat sich die Autorin gewundert, warum der Name für dieses Outfit "Orange Blossom" und nicht "Lemon Blossom" ist.
Ich habe auf einer Gartenseite gelesen, daß Zitronenblüten auf der Rückseite der Blütenblätter lila sind, Orangenblüten jedoch nicht, also finde ich tatsächlich, daß der Name wunderbar paßt.


Von Alexander Hardin - Eigenes Werk, CC BY 3.0,
über Wikimedia Commons
 
Es gibt übrigens ein hübsches Blumenmädchenoutfit für Skipper, das dazu paßt. Natürlich wurde es für ein Mädchen angepaßt, aber es ist aus demselben gelben Stoff und weißer Spitze.
Ich habe es selber nicht, aber ihr könnt es euch hier anschauen.

"Orange Blossom" wurde von 1961 bis 1964 unter der Nummer 987 hergestellt. Das Outfit ist nicht so schwer zu finden, obwohl der Hut fehlen kann. Ich weiß das, denn ich habe es zweimal (beide von einer Bubblecut getragen, um Midge eine Pause von der Brautjungfernpflicht zu gönnen), einmal mit den kurzen Handschuhen (1961/62) und einmal mit den langen (1963/64), aber in der Tat fehlt ein Hut und außerdem trägt eine der Damen geschlossene Pumps (die ich soviel eleganter als die offenen finde).

Gundel hat sich gefragt, warum ich diese Bilder
mitten in der Nacht gemacht habe, wenn dies doch
nach Frühlings- oder Sommerhochzeit schreit ...

Um das klarzustellen, ich habe zwar den Puppenständer aus den Bildern entfernt, aber nichts am Outfit geändert.

Barbie ist ein eingetragenes Warenzeichen. Ich bin in keiner Weise mit Mattel verbunden.


Quellen (englischsprachig):

1. Sibyl DeWein und Joan Ashabraner: The Collector's Encyclopedia of Barbie Dolls and Collectibles. Paducah, KY, Collector Books, 1994
2. Sarah Sink Eames: Barbie Doll Fashion, Vol. II, 1968 - 1974. Paducah, KY, Collector Books, 1997

3. Vintage Barbie Orange Blossom. Auf: Fashion Doll Guide
4. Vintage Barbie Bubblecut Dolls. Auf: Fashion Doll Guide
5. Bubble Cut Barbies 1961 to 1967. Auf: My Vintage Barbies


Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.

Samstag, 18. April 2026

Einfach nur so Samstag - Die kleine Welt

Diesmal spreche ich nicht darüber, wenn man herausfindet, daß die neue Freundin auch eine Freundin eures Cousins zweiten Grades ist, von dem ihr erst gestern erfahren habt, oder irgendetwas in der Art.
Ich spreche von der Welt der Miniaturen.

Als Kind wollte ich soo gern ein Puppenhaus haben, aber das war eine Frage von Platz und wahrscheinlich auch Geld. Ich hatte jedoch Glück, meine Freundin hatte eins. Wißt ihr, was echt komisch ist? Wir haben gar nicht mal soviel damit gespielt. Wir haben die Puppeneltern ins Bett gesteckt, um sie aus dem Weg zu haben (manche Puppen sitzen nicht so gut aufrecht, aber man kann nie damit falsch liegen, sie ein schönes Nickerchen machen zu lassen), und die drei Kinder gingen dann auf Abenteuer - was jetzt, da ich drüber nachdenke, so ziemlich nach den fünf Freunden oder den Lockett-Kindern und all den anderen klingt ...
Meine Freundin hatte eine Menge Platz und wir schickten die Kinder in den Wilden Westen, auf Berge und in Höhlen und so weiter. Was ich an dem Haus (sehr 70er) übrigens am meisten liebte, war der weiße Stutzflügel und der Weihnachtsbaum.

Dann gab es da noch die antiken Puppenläden und das Puppenhaus im "Storchen", unserem Heimatmuseum. Die waren natürlich hinter Glas. Sogar jetzt noch sind mir die Spielzeuge das Liebste am Museum.

Als Erwachsene bekam ich ein Puppenhaus, aber es wurde recht schnell ziemlich vernachlässigt, da es wegen der Katzen außer Reichweite gestellt werden mußte. Es war schlimm genug, daß ich andauernd Steifftiere vom Boden aufheben mußte, ich wollte nicht auch noch nach winzigen Teilchen suchen müssen.
Irgendwann verschenkte ich die Möbel und behielt nur ein paar Sachen wie die Katze auf dem Kissen (kaum überraschend).
Das bedeutet aber nicht, daß ich Miniaturen nicht mehr liebe. Ganz und gar nicht! Als mir also ein Familienmitglied erzählte, daß sie welche geschenkt bekommen hatte, wollte ich die natürlich unbedingt sehen - und Bilder machen.

Mein Favorit ist das gute alte Telefonbuch,
in diesem Fall "Das Örtliche" für lokales Gewerbe,
und übrigens, das rote Buch ist handgemacht!


Ich liebe die winzigen Bauklötzchen, aber die Fadenspulen
liebe ich sogar noch mehr!


1. Kaffeemaschine und Kasserolle (für Frühstückseier vielleicht?)
2. Die Teller, Serviettenhalter, Platte, Blumentopf und Kerzenhalter
sind sehr hübsch handgemacht
3. Verschiedene Küchenutensilien
4. Zwei Arten von Besteck, so goldig!


Die Waage funktioniert, aber die Gewichte sind
eingeklebt (gute Idee).
Ich liebe den Fischtopf, könnt ihr das an der
Nahaufnahme erkennen?


Amerikaner benutzen "Mason jars", wir Deutschen haben natürlich
Weckgläser zum Einwecken. Ich finde es herrlich, daß daraus sogar ein
eigenes Wort entstanden ist.
Ich liebe auch den altmodischen Buttermixer (der wirklich
funktioniert, ich meine, er bewegt sich, ich habe nicht versucht, Butter
damit zu machen) und den vintage Fleischwolf.


Weihnachten!! Ich liebe die glänzenden Christbaumkugeln einfach.
Sie haben ein kleines Geheimnis. Sie haben nämlich ein Loch unten,
woraus ich schließe, daß sie aus den Glasperlenketten gemacht sind,
wie sie zum Beispiel in Gablonz (Jablonec nad Nisou) hergestellt
wurden und werden. Perlen konnten/können einzeln oder in
Gruppen abgeschnitten und dann mit Hilfe von Draht zu
aufwendigem Weihnachtsschmuck verarbeitet werden, wie in
den Stücken, die ihr hier finden könnt.


Ich hoffe, ihr hattet Spaß an diesem kleinen Ausflug in die Miniaturenwelt.
Für den Fall, daß ihr an der Psychologie hinter der Liebe zu winzigen Dingen interessiert seid, habe ich aus den vielen Artikeln, die es zum Thema gibt (allerdings englische, denn bei deutschen habe ich hauptsächlich etwas über das Anmalen von Miniaturen gefunden), zwei ausgesucht - hier und hier.