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Samstag, 29. Mai 2021

Miss Francie Bennet - Teil 2, Die Accessoires

Willkommen zurück!
In diesem Post möchte ich über die Accessoires für Miss Francie Bennet sprechen - die 60er Jahre Puppe, die in die Regency-Zeit zurückgeschickt wurde.

Wie immer hatte ich keine klare Vorstellung, welche Accessoires ich machen würde, als ich dieses Projekt anfing.
Natürlich wußte ich, daß Francie einen Pompadour brauchen würde, fast alle meine Puppen bekommen irgendeine Handtasche oder einen Beutel, außer den ersten beiden Flappern.
Sie würde auch einen Hut brauchen, das war der Teil, vor dem ich am meisten Angst hatte, weil ich keine Ahnung hatte, wie man einen Schutenhut machte.
Und zum Ausgehen wäre eine Stola nett.
Soweit hatte ich also Pläne.

Da mein großer JaLa-Webrahmen immer noch von einem WIP besetzt ist, über das ich mir nicht mehr ganz sicher bin, beschloß ich, für die Stole einen meiner kleinen Webrahmen zu benutzen. Nach einer schnellen Messung schätzte ich, es würde gerade groß genug für die Dreiecksform sein, die ich mir vorstellte.
Es war knapp, sehr sehr knapp. Tatsächlich hätte ich das Tuch gar nicht fertigmachen können, wenn ich mich nicht für das Dreieck entschieden hätte, weil mir unten fast die Kettfäden ausgingen.
Was ich außerdem nicht bedacht hatte war, daß Glasperlen schwer und Webstücke sehr geschmeidig sind. Das Tuch rutschte bei der kleinsten Bewegung von Francies Armen, also mußte ich mit ein paar Stichen nachhelfen.


Dann hatte ich auf einmal die Idee, ihr einen Parapluie zu machen, offensichtlich weil ich an Selbstbestrafung glaube.
Mein Teststück war Perlenstickerei, aber die Form erinnerte mich an Cocktailschirmchen, also hatte ich die Idee, stattdessen Herringbone-Streifen zu fädeln, sie zusammenzunähen und, nun ja, zu improvisieren.
Der kleine Parapluie hat neun Streifen, die ich auf links zusammen-nähte und nochmal extra an den Enden, um so die Nähte zu betonen. An der Spitze blieb ein kleines Loch, das ich für die Stange nutzen wollte. Soweit so gut, aber natürlich war diese Konstruktion nicht komplett fest. Ich holte tief Luft und und schmierte Klebstoff über die ganze Innen- und Außenseite, um sie zu verstärken. Das hört sich einfacher an, als es war, natürlich war das eine kleine Schweinerei. Klebstoff und ich - die unendliche Geschichte.
Am Ende hatte ich jedoch ein schönes festes Gebilde, juhu!
Ich brachte rundherum Fransen an und schließlich noch die Stange (dafür fädelte ich Rocailles rund um einen Holzspieß wie für den Stab der Feenkönigin) mit Gold an Spitze und Griff. Voilà.
Francie kann diesen Parapluie nicht halten, weil sie nicht greifen und auch nicht ihre Arme biegen kann, der Plan ist es also, ihn einfach vor sie hinzulegen oder vielleicht eine Schlaufe anzubringen, damit er von ihrer Hand baumeln kann.


Nach diesem anstrengenden Teil des Projekts mußte ich etwas Kleines machen, Francies Pompadour.
Dazu gibt es nicht viel zu sagen, ihr habt schon früher Variationen davon gesehen.


Die größte Herausforderung hatte ich mir für den Schluß aufgehoben - den Schutenhut.
Zwei Dinge waren klar. Er mußte aus mehreren Teilen aufgebaut werden, und um ihn stabil genug zu machen, mußte es Perlenstickerei sein.
Ich schaute mir alle möglichen Regencyschuten und Erläuterungen dazu an. Die mit weicher Krone kamen natürlich nicht in Frage, es mußte die Kaminrohrform werden.

Dann versuchte ich mir, all das, was ich gesehen hatte, zu merken und schnitt und bestickte drei der Teile, nähte sie zusammen und klebte anschließend das Ultrasuede auf. Das ist eine sehr kurze Beschreibung dessen, wofür ich ein paar Tage brauchte, wobei Nähen und Kleben am schwierigsten waren.
An der Krempe brachte ich außerdem einen Draht an, der beim Formen hilft, gut unter dem Ultrasuede versteckt.

Das vierte Teilstück gestaltete sich sogar als noch schwieriger, weil ich es erst besticken und dann an das "Kaminrohr" kleben mußte, es wäre unmöglich gewesen, das von innen hinzubekommen. Es gab keine Möglichkeit, die geklebten Ränder zusammenzuhalten, Tonnen von Nadeln wären nötig gewesen, um die Form zu erhalten. Also mußte ich mit den Fingern ran und endlich klebte es so, wie es sollte. Nachdem es getrocknet war, nähte ich hinten etwas rosa Spitze auf, die außerdem dazu diente, die geklebten Ränder zusammenzuhalten.

Als letztes mußten zwei Reihen Spitzen rund um die Krempe aufgenäht werden, ein Band um das Kaminrohr herum - auch hier wieder als Verzierung und um die geklebten Ränder zu sichern - und die Bänder, die man unter dem Kinn bindet, falls gewünscht.
Jetzt muß ich vielleicht noch eine kleine Hutnadel machen, um sicherzustellen, daß die Schute auch wirklich immer gut sitzt.

Alles in allem dauerte es etwa drei Tage, um den Schutenhut zu machen, und ich sehe mich nicht so bald noch einen machen! ;-)


Und hier ist Francie nun in ihrer gesamten Perlenpracht.
Es war ein Projekt, das Spaß gemacht hat, manchmal frustrierend war, Geduld und Phantasie brauchte und, ich bin ehrlich, auch ein paar Flüche.
Es gab Augenblicke, in denen ich dachte, ich würde das nicht fertigbekommen, aber nun bin ich sehr glücklich, daß ich es durchgezogen habe!



Francie ist ein eingetragenes Warenzeichen von Mattel, Inc. Ich bin in keiner Weise mit Mattel verbunden.

Freitag, 28. Mai 2021

Miss Francie Bennet - Teil 1, Die Puppe und das Kleid

Manche Projekte brauchen etwas länger als andere. In diesem Fall bedeutet etwas mehr als fünf Jahre. So lange mußte Francie auf ihr Outfit aus Perlen warten.
Ich denke, das Warten hat sich gelohnt. Mein erster Versuch, ihr einen bestimmten Outfitstil zu weben, ging komplett schief, aber nun wußte ich, wie ich unterschiedliche Techniken einsetzen konnte, um ihr ihr (oder eher mein ;-)) Traumoutfit zu machen.

Sprechen wir aber zuerst über Francie, weil diese hier besonders ist.
"Colored Francie" (#1100) kam 1967 und 1968 in zwei Ausgaben heraus. Sie hat eine drehbare Taille, Knickbeine und eingezogene Wimpern. Der Unterschied zwischen den beiden Ausgaben waren das Haar und die Augen. Die erste hatte rote Haare und rötlich-braune Augen, die zweite hatte dunkelbraune Haare und Augen und einen dunkleren Hautton.
Es gab nur ein Problem. Die "Black Francie", wie sie unter Sammlern bekannt ist, hatte vielleicht die Haut, aber nicht die Züge einer echten afroamerikanischen Puppe, weil die Form der weißen Puppe benutzt wurde. Sie verkaufte sich nicht gut und wurde daher nicht in großer Anzahl produziert. Wahrscheinlich konnten sich afroamerikanische Kinder nicht mit ihr identifizieren, was verständlich ist. Darum wird auch Christie oft als die erste echte afroamerikanische Puppe angesehen.
Das macht sie eine der meistgesuchten Francie-Puppen (nach den japanischen Specials).

Mein Mädchen (Francie soll ein Teenager sein) ist die erste Ausgabe. Sie hat ein paar Probleme - ich auch und schließlich ist sie nur zwei Jahre jünger als ich! Sie hat ein paar Macken auf dem Fuß, hier und da ein paar Kratzer, und sie hat nicht nur über die Jahre etwas von ihrem Haar verloren, sondern einiges davon sieht aus, als wäre es verbrannt und hätte sich gekräuselt, und manches ist irgendwie orange.


Ich war nicht mutig genug, das Haar zu riskieren, das sie hat, also hat sie keine neue Frisur bekommen. Ihr Pony habe ich nicht angerührt und für den Pferdeschwanz die Finger lieber von den Perlen gelassen, sondern nur etwas Faden benutzt, weil sogar leichtes Kämmen noch mehr Haare kostete. Neue Haare einzuziehen war jedoch keine Option, das hätte ich nur dann gemacht, wenn sie überwiegend kahl gewesen wäre, außerdem hatte ich einen Hut für sie geplant.
Es ist sowieso nicht so, als wäre das Outfit historisch hundertprozentig perfekt. Es gibt Dinge, die sich schwer in Perlen nachbilden lassen, aber ich habe mein Bestes gegeben.

Warum nenne ich sie Francie Bennet?
Ich bin ein Fan von Georgette Heyers Büchern, vor allem denen, die im Regency (1911 - 1820) spielen, und ich liebe Jane Austens "Stolz und Vorurteil". Von Anfang an wußte ich, diese besondere Puppe sollte etwas Besonderes tragen, obwohl mir klar war, daß das schon eine ziemliche Herausforderung werden würde.
Ihr Name ist natürlich von Miss Elizabeth Bennet, der Hauptfigur von "Stolz und Vorurteil", inspiriert.

Heute zeige ich euch ihr Kleid.
Meine ursprüngliche Farbwahl war rosa und grau gewesen. Obwohl ich nicht unbedingt ein großer Fan von rosa bin, sind rosa und grau zusammen immer eine meiner Lieblingskombinationen gewesen, seit ich in der Grundschule mein allererstes Einkaufsnetz aus Luftmaschen häkeln mußte.
Wie gesagt hatte ich schon eine mit Delicas gewebte Version ausprobiert gehabt, aber obwohl ich mehr als einmal gemessen hatte, haute das einfach nicht hin. Ich nahm die Teile also vom Webrahmen und ließ sie zum Sterben in einer Schublade liegen. Ja, ich war sauer. Irgendwann gab ich mir selber einen Tritt, zerschnitt die Teile und benutzte die Perlen für die Outfits von Flapper Dawn und der 80er Barbie.
Für meinen nächsten Versuch wählte ich statt Delicas Rocailles, weil sie in Herringbone besser aussehen. Sucht nicht nach den grauen Perlen, letztendlich entschied ich, daß der Kontrast zu stark war und ich lieber bei den Accessoires mit Farben spielen würde (tatsächlich sind die grauen Perlen aber als eine Art Unterhose unter dem Kleid versteckt, psst).


Miss Bennets Kleid ist aus klaren Perlen mit rosa Farbeinzug gemacht. Ich liebe sie, im Licht funkeln die klaren Stellen so schön! Leider habe ich nicht geschafft, das in den Bildern richtig einzufangen.
Als sehr dezenten Kontrast habe ich glitzernde rosenfarbene 15/0 Rocailles dazu gewählt, für die Rüschen um den Ausschnitt, die Spitze unten am Kleid und das Band, das direkt unter dem Busen sitzt und hinten in einer Schleife endet, die allerdings von der Stola versteckt wird, die ihr morgen sehen werdet.
Ich kann gar nicht fassen, wie lange ich für das Kleid gebraucht habe, aber Mattel-Puppen haben eben lange Beine, und hier kamen sie mir wegen der hohen Taille sogar noch länger vor!



Ein echtes Problem waren die Schuhe.
Normal hätte Francie sehr spitz zulaufende Schuhe getragen, mit Seitennaht und einem kleinen abgerundeten Absatz ... alles Dinge, die ich in Perlen nicht nachbilden konnte, oder Dinge, die nicht an Francies Füßen geblieben wären, und natürlich waren da auch noch ihre Fußprobleme.
Also gab ich mich mit Stiefeln zufrieden, zu Ehren der Szene in der berühmten Miniserie "Stolz und Vorurteil" von 1995, in der Lizzy Bennet über die Felder durch den Matsch läuft, um ihre kranke Schwester in Netherfield Park zu besuchen.
Ich war sogar etwas versucht, braune Perlen als Matsch an den Saum von Francies Kleid zu nähen *lol*
Natürlich sind diese Stiefel kein bißchen perfekt, aber es war das Beste, was ich hinbekam, und glaubt mir, ich habe es versucht. Ich glaube, ich habe wieder einmal mindestens sechs Schuhversionen gemacht und es wurde
massiv geflucht. Ich versuchte es mit 15er Perlen, um das "Leder" dünner aussehen zu lassen, ich probierte hochgeschnittene Slipper aus, um die Füße zu verstecken, es half alles nichts.
Wenn Francie braune Basketballstiefel tragen möchte, dann sei es so. Ich trage selber bequeme Schuhe. Vielleicht habe ich irgendwann ja eine tolle Idee, aber tatsächlich kann man sie unter dem Kleid sowieso kaum sehen. Für dieses Bild habe ich das Kleid hochgezogen.



Also gut, das wäre es für heute.
Morgen würde ich euch gerne die Accessoires zeigen, die ich gemacht habe - außer dem Pompadour, der sich schon mit dem zweiten Bild hier hereingeschmuggelt hat.
Ich hoffe, ich sehe euch dann!

Francie ist ein eingetragenes Warenzeichen von Mattel, Inc. Ich bin in keiner Weise mit Mattel verbunden.