Donnerstag, 21. Mai 2026

Stummfilme - Der Sportstudent

Vor zwei Wochen hatten wir einen College-Footballhelden, letzte Woche Harold Lloyd, wie wäre es heute mit Harold Lloyd im College?
Hier ist "Der Sportstudent" von 1925.

Gemeinfrei über Wikipedia

Heute haben wir eine ordentliche Handlung. Wie Lloyd in seiner Autobiographie sagt, sind Filme wie die mit "Lonesome Luke" Gagkomödien, Filme wie "Der Sportstudent" sind Charakterkomödien, die langsamer anfangen und sich entwickeln.

Harold Lamb ist ein junger Mann, der sich darauf freut, aufs College zu gehen. Er kopiert eine Begrüßung - ein Tänzchen mit Handschlag -, das Outfit und den Spitznamen "Speedy" aus seinem liebsten Collegefilm, er hat Geld gespart, er hat große Erwartungen, wie sein Filmidol ein "Collegeheld" zu werden.


Im Zug lernt er Peggy kennen, er interessiert sich für ihr Kreuzworträtsel und sie vertragen sich prächtig.


Als er in der Stadt ankommt, fällt Harold direkt dem Collegeschuft (keine Namen, es ist praktisch ein Typus) in die Hände, für den er dank seines Wunsches, beliebt zu sein, in Verbindung mit seiner unglaublichen Naivität das perfekte Opfer ist.


Der Schuft zeigt ihm das "Auto, das ihm zugeteilt ist", in Wirklichkeit der Wagen des Dekans, und lockt ihn auf die Bühne, auf der der Dekan die Eröffnungsrede halten soll, indem er ihn dazu bringt, ein Kätzchen von einem hohen Platz zu retten (wenn das nicht schon ausreichen würde, den Schuft zu hassen, wartet nur, es kommt noch mehr), dann sagt er ihm, er müsse eine Rede halten, während derer Harold von der gesamten Versammlung ausgelacht wird.

Harold hält das gerettete Kätzchen, steckt es aber unter seinen Pulli,
als er beide Hände frei haben muß. Die Katzenmama will dringend ihr Baby zurück.
Ihr versteht, daß ich gesetzlich verpflichtet war (von Gundel), diese Bilder mit
einzubinden (und es war schwer, es bei zweien zu belassen, das Kätzchen ist entzückend).

Der Schuft und seine Freunde und Freundinnen jubeln Harold zu, der denkt, auf dem besten Weg zur Popularität zu sein, und die Gruppe zum Eis einlädt, aber der Schuft lädt auf dem Weg zur Eisdiele immer mehr Leute ein.
Schaut, wer ihnen ebenfalls folgt!

Nochmal, gesetzlich verpflichtet.

Nachdem er so einen guten Teil seiner Ersparnisse ausgegeben hat, muß Harold sich in Bezug auf sein Wohnquartier einschränken.
Dort trifft er Peggy wieder, die zufällig die Tochter der Hauswirtin ist. Harolds Hemd ist zerrissen, als das Kätzchen unter seinem Pulli an ihm hochkletterte, und Peggy näht für ihn den Knopf an. Man sieht ihn, wie er heimlich noch mehr Knöpfe abschneidet.


Um sich noch mehr reinzuhängen, bemüht sich Harold um die Aufnahme ins Footballteam, aber der Coach ist nicht beeindruckt. Als aber ihre einzige Trainingspuppe beschädigt wird, benutzen sie Harold als lebendes Ziel, und sogar der Coach ist am Ende des Tages von seinem ungebrochenen Willen beeindruckt. Um ihn zu "belohnen", machen sie ihn zum Wasserträger und lassen ihn im Glauben, daß er einer der Ersatzleute ist.

Harold denkt, daß sein Bein abgebrochen ist, es ist
aber das Bein der Trainingspuppe.

Erinnert ihr euch an Pete von "Die kleinen Strolche"?
Das hier ist sein Dad, Pal the Wonder Dog, im
Alter von sechs Monaten. Er hatte tatsächlich
einen Dreiviertelring um sein Auge, während
Petes Ring nur Makeup war.
(Gundel war sich nicht sicher, ob ihr das echt
wissen mußtet. Immer diese Hunde.)


Harold ist Gastgeber beim Herbsttanz.
Er besorgt sich einen neuen Anzug für den Anlaß, aber sein Schneider hat Schwindelanfälle und schafft es daher nicht rechtzeitig, also wird der Anzug nur mit Heftstichen zusammengehalten und fällt schließlich auseinander.
Von der Telefonzelle aus, in der er sich versteckt hat, sieht Harold, wie sich der Schuft Peggy aufdrängt und erteilt ihm eine Lektion.


Der Schuft übt Vergeltung, indem er ihm erzählt, daß er niemals beliebt und alles nur ein großer Witz war.
Harold ist am Boden zerstört, aber Peggy tröstet ihn und sagt, er solle nicht mehr versuchen zu sein, was er nicht ist, und sie damit überzeugen, was er ist.
Harold sieht seine Chance im großen Footballspiel, denn er denkt immer noch, daß er im Team ist, weil Peggy, die die Wahrheit kennt, es nicht über sich bringt, sie ihm zu erzählen. Als dem Coach wegen Verletzungen die Ersatzleute ausgehen, muß er Harold einwechseln, um zu verhindern, daß sie das Spiel automatisch verlieren.
Natürlich schafft Harold in letzter Minute einen Touchdown - und das auch noch mit nur einem Schuh an!


Süßer für ihn als von allen gefeiert zu werden ist allerdings diese Notiz, die ihm Peggy zusteckt, während er in die Umkleidekabine getragen wird ...


Laßt mich erstmal gleich etwas aus dem Weg räumen.
Ich hasse Mobbing aller Art und ich habe echt mit Harold mitgefühlt. Natürlich soll man das auch, aber man soll auch noch lachen können. Daher ist die Szene von ihm als lebende Trainingspuppe recht kurz gehalten und eine Szene in der Eisdiele wurde Lloyds Autobiographie zufolge tatsächlich komplett herausgeschnitten, weil das Testpublikum zuviel Mitleid mit Harold hatte, als daß sie noch witzig war.

Wenn ihr meinen Post über "Brown of Harvard" gelesen habt, fragt ihr euch vielleicht, warum ich überhaupt noch einen Collegefilm angeschaut habe (übrigens heißt es, daß "Der Sportstudent" eine regelrechte Mode von Collegefilmen anstieß).
Der Unterschied ist, daß ich Stückchen aus "Der Sportstudent" schon aus den alten Zeiten kannte als ich noch ein unschuldiges, frischgesichtiges Kind war. Aber im Ernst, ich kannte Teile von den alten Zusammenstellungen her. Dies war Lloyds finanziell erfolgreichster Stummfilm und ich wußte, daß er witzig sein würde.
Tom Brown nervt mich, aber ich stehe hinter Harold, auch wenn sie beide am Ende in einem großen Footballspiel stehen, einem Sport, über den ich sogar noch weniger weiß als über andere.
Außerdem macht Harolds Footballspiel Spaß, weil er immer noch Harold ist. Er ist nicht athletisch, er hat Probleme, und es ist ein Wunder, daß er es schafft. Toms Spiel hat das nicht, weil er Sportler ist und wir wissen, daß er einfach nur die Schale des alten Possenreißers ablegen, ernsthaft werden und es tun muß. Ihr wißt, was ich meine.
Was ich allerdings lustig fand - Lea Stans von "Silent-ology" wies ebenfalls darauf hin - war, daß es absolut keine Erwähnung von tatsächlichem Studium gab. Sogar Tom hielt mal einen Bücherstapel in der Hand, wenn auch nicht lang 
😂
Aber einer der Zwischentitel hieß ja auch: "Tate University - ein großes Footballstadion mit einem College dran." Ich frage mich, ob die Deutschen dem Film deshalb den Titel "Der Sportstudent" gaben, obwohl das Original "The Freshman" einfach nur bedeutet, daß es sich um einen Studenten im ersten Jahr handelt.

Vor allem aber kann man sich mit Harold identifizieren. Er ist der gewöhnliche Typ, der beliebt sein möchte, der gemocht werden möchte, der zeigen möchte, was er kann. Wahrscheinlich ging uns das allen mal auf die eine oder andere Art so, oder (ich meine, ist Bloggen und die Hoffnung auf Reaktionen nicht ein ganz gutes Beispiel 
😉)?
Wir können seine Reaktion nachvollziehen, als ihm der Schuft die Wahrheit sagt, der Schock, der Versuch, es wegzulassen, als ob es nichts wäre, dann der Zusammenbruch. Und es ist so süß zu sehen, wie Peggy ihn tröstet und wieder aufbaut. Die Chemie zwischen Harold und Peggy (Jobyna Ralston) ist großartig.


Ja, und dann ist es einfach nur nett zu sehen, wie der Durchschnittstyp Erfolg hat, auch wenn es nicht sehr realistisch ist und wir das wissen. Es ist etwas, auf das wir in unserem eigenen Leben vielleicht manchmal hoffen.
"Aber warte mal einen Moment", höre ich euch sagen. "Was war es noch, was du über Sporthelden gesagt hast?"
Der Unterschied ist für mich, daß ihr Harold am Ende nicht dabei seht, wie er sich in einer Menge oder einer Parade feiern läßt. Ihr findet ihn allein in der Dusche - die er versehentlich anstellt, ohne es auch nur zu bemerken - mit dem, was für ihn wichtig ist. Peggys Notiz.
 

Ich liebe diesen Film und finde ihn äußerst witzig und nett.


Quellen und weitere Lektüre:

1. Stephen Winer: The Freshman: Speedy Saves the Day! A Harold Lamb Adventure! Auf: The Criterion Collection. Essays, 25. März 2014
2. Lea Stans: Thoughts On: "The Freshman". Auf: Silent-ology, 23. Mai 2016
3. Harold Lloyd (in Zusammenarbeit mit Wesley W. Stout): An American Comedy, New York, NY, Dover Publ., Wiederveröffentlichung der Ausgabe von 1928


Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.

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