Der heutige Film ist 100 Jahre alt! Ich werde nie aufhören, darüber zu staunen, daß diese Filme nicht nur überhaupt noch existieren, sondern daß manche davon als verschollen galten - wie dieser hier - und dann taucht auf einmal doch irgendwo ein Abzug auf. Durchsucht eure Dachböden, Leute! 😉
Ich biete euch hiermit "Das Rätsel der Fledermaus" von 1926 an.
Zuerst bekommt ihr die Handlung, aber es wird anders sein, als ich es sonst mache.
Einmal wird es zwar Spoiler geben, aber nicht den Hauptspoiler für das Ende, denn "Könnt ihr ein Geheimnis bewahren? Enthüllt nicht die Identität der "Fledermaus". Zukünftige Zuschauer werden diesen Mysteryfilm voll genießen, wenn man sie sie selber herausfinden läßt." Das ist der erste Zwischentitel für den Film. Das Stück, auf dem er basiert, riet ebenfalls dazu, das Geheimnis nicht zu verraten. Na gut, wenn sie darauf bestehen.
Zweitens ist die Handlung etwas verwirrend. Es gibt mehrere Stockwerke im Haus, lange Treppen und eine Menge Türen, sichtbare und geheime. Also fange ich damit an, indem ich ein paar Charaktere aufzähle.
Wir haben:
Courtleigh Fleming - (verstorbener) Bankpräsident und ehemaliger Besitzer von Fleming Mansion
Richard Fleming - Courtleighs Neffe und Erbeheir
Dr. Wells - Courtleigh's Arzt
Cornelia Van Gorder - derzeitige Mieterin von Fleming Mansion
Lizzie Allen - Cornelias Mädchen (seit 20 Jahren)
Dale Ogden - Cornelias Nichte
Brooks Bailey - Bankkassierer, des Bankraubs verdächtigt
Detective Moletti - Detective Sergeant
Detective Anderson - Privatdetektiv, den Cornelia angeheuert hat
Billy - der (japanische, und ja, sie schaffen es, das peinlich zu machen) Butler
*** - ein unbekannter Verletzter
*** - ein Mann, der sein Gesicht versteckt
*** - Woll-Rindeneule (eine Motte)
*** - DIE FLEDERMAUS
Die Fledermaus ist ein Krimineller, der sich, ihr habt's erraten, als Fledermaus verkleidet. Er terrorisiert die Stadt und schreckt nicht mal vor Mord zurück. Er hat bereits die Favre-Smaragde gestohlen und ihren Besitzer Gideon Bell umgebracht. Nun möchte er die Oakland Bank ausrauben, aber ein Mann, der sein Gesicht hinter einem Schal verbirgt, ist ihm zuvorgekommen. Da Brooks, der Kassierer, verschwunden ist, ist er der Hauptverdächtige.
Nun kommen wir zur einsamen Fleming Mansion, die Cornelia Van Gorder auf der Suche nach Frieden und Ruhe gemietet hat. Was könnte mehr Bequemlichkeit bieten als ein Haus mit Wänden, Türen und Fenstern, die mindestens fünf Meter hoch sind?
Sie wohnt dort mit ihrem Mädchen Lizzie, das sehr nervös wegen der Fledermaus ist, und ihrer Nichte Dale, die einen neuen Gärtner vorstellt, der tatsächlich aber Brooks ist, der sich vor der Polizei versteckt. Zufällig ist Brooks außerdem Dales (bis jetzt noch geheimer) Verlobter.
Ihr müßt außerdem wissen, daß Dr. Wells und Richard Fleming sie alle aus unbekannten Gründen vergraulen wollen.
Jetzt besuchen eine Menge Leute Cornelia, Dr. Wells, Richard Fleming, Detective Moletti ... soviel zu Frieden und Ruhe.
Richard schnüffelt wegen eines Bauplans herum, läßt sich dann aber auf der Treppe erschießen. Dr. Wells versucht an den Plan zu kommen, Moletti verdächtigt Dale, Richard erschossen zu haben (den sie, wenn ich das richtig gesehen habe, den ganzen Film über auf der Treppe liegen lassen). Detective Anderson kommt dazu. Brooks sucht. Lichter gehen aus. Fenster werden ver- und entriegelt.
Jeder rennt jedem hinterher, es gibt versteckte Zimmer, versteckte Türen, verstecktes Geld ... ah, jetzt wissen wir es. Das Geld ist irgendwo im Haus versteckt und jeder sucht danach.
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| Und wenn sie nicht gestorben sind, dann rennen sie noch heute? |
Es sind auch eine Menge Pistolen im Umlauf, damit jeder die anderen mit einer bedrohen kann. Sie landen auf dem Boden, bleiben unbewacht auf Tischen liegen, und um ehrlich zu sein, es ist ein Wunder, daß nicht noch mehr Leute umgebracht werden - vergeßt nicht, daß das eine "Horrorkomödie" ist (nicht sehr viel Horror, würde ich sagen, selbst für ein Publikum von 1926, also trifft "Krimikomödie" es wahrscheinlich besser).
Und wer zum Geier ist der verletzte Man, der herein - und hinauskriecht und aus der Garage um Hilfe gerufen hat (die für den Extrakick später noch abgefackelt wird) und vorgibt, bewußtlos zu sein, ist es aber nicht? Sind wir nicht verwirrt genug?
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| Sind wir verwirrt? Wir sind verwirrt. Ich bin es. So verwirrt. |
Hören wir hier auf, da ich diesmal Schweigen gelobt habe. Es war nach einer Weile nicht besonders schwierig herauszufinden, aber ich werde nicht diejenige sein, die euch verrät, wer Die Fledermaus ist (und was für eine Schande, daß Wikipedia es ausplaudert).
Was kann ich sagen?
Es gibt nicht nur eine Menge Pistolen, sondern auch eine Menge Leute, zuviele Leute für meinen Geschmack. Brooks und Dale haben weder mich noch den Film weitergebracht, auch Detective Anderson nicht.
Ich finde, es hätte wirklich geholfen, ein paar der Charaktere und ein paar der Laufszenen herauszuschneiden.
Und trotzdem fand ich den Film seltsam unterhaltend, was definitiv Cornelia und Lizzie zuzuschreiben ist.
Cornelia ist in all diesem Wahnsinn der Fels in der Brandung.
Sie verliert bis zum Schluß nie die Ruhe, sie ist schlau und schlagfertig und sie ist das perfekte Gegenstück zu ...
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| Eine echte Strickerin läßt sich nicht durch eine kleine Fledermaus stören. |
... ihrem Mädchen Lizzie, das auf die köstlichste Weise in Panik gerät, aber am Ende auch zusammen mit ihrer Herrin die Situation rettet.
Die zwei waren es wert, den Film anzuschauen. Es sieht aus, als hätten sie eine wundervolle Beziehung, schließlich stand Lizze Cornelia "durch Sozialismus, Theosophismus und Rheumatismus bei", selbst wenn sie beim "Spukismus" die Grenze zieht. Sie hätten ihre eigene Mysteryserie bekommen sollen - wie hört sich "Van Gorder & Allen" an? Ich meine, schaut die zwei doch nur an da auf dem Dach!
Kommen wir nun zur Fledermaus.
Habt ihr euch schon gefragt, ob ...? Ja, es stimmt. Nicht dieser Film, aber einer seiner Tonfilmnachfolger, "The Bat Whispers" vonn 1930 (ebenfalls unter Regie von Roland West), war eine der Inspirationen für Bob Kane bei der Schöpfung von Batman. Vielleicht könnt ihr diese Information ja beim nächsten Tablequiz gebrauchen.
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| Diese Maske ist Horror - zu tragen? |
Das hier ist jedoch kein frühes Bat-Signal, sondern stellt sich als "Wollrinden-Eule" auf einem Scheinwerfer heraus. Da hätte ich drauf reinfallen können.
Es gab ein paar großartige Aufnahmen, die an deutschen Expressionismus erinnerten, aber es ist schade, daß sie nicht den ganzen Film tragen konnten.
Wie gesagt, ich fand ihn seltsam unterhaltend, denke aber, er hätte mehr sein können - oder tatsächlich weniger. Ihr wißt, was ich meine.
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| Ein sehr cooler Mantel. Zu schade, daß Gideon nicht mehr viel länger leben wird, um ihn zu tragen. |
Weitere Lektüre:
1. Fritzi Kramer: The Bat (1926) - A Silent Movie Review. On: Movies Silently, March 18, 2015
2. Lea Stans: Thoughts On: "The Bat" (1926). On Silent-ology, October 7, 2021
Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.











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