Donnerstag, 27. März 2025

Stummfilme - Das Cabinet des Dr. Caligari

Nach zwei ziemlich langen Filmen brauchte ich diesmal etwas ein wenig Kürzeres für meine Stummfilm"projekt".
Wir hatten ein Märchen und einen Abenteuerfilm, beide mit Happy End. Wie wäre es damit, etwas ganz anderes zu versuchen? Ich habe euch heute einen Horrorfilm mitgebracht und zwar, was als der erste echte Horrorfilm bezeichnet wurde - "Das Cabinet des Dr. Caligari" von 1920, den ihr hier auf YouTube anschauen könnt.
Ich bin kein großer Fan von Horrorfilmen, weil ich ein Feigling bin. Ich bekomme Alpträume, was den Dekan schreckhaft macht und Gundel dazu bringt, den Kopf über mich zu schütteln. Wenn ich also einen anschaue, mache ich das nicht, bevor ich schlafen gehe. Wird mir Dr. Caligari aber in meinen Schlaf folgen? Soll heißen, ist er auch heute noch gruselig?

Fangen wir wie üblich mit der Handlung an.
Zwei Männer sitzen in einem Garten. Eine Dame in Weiß geht vorbei, sie sieht aus, als wäre sie in Trance. Der jüngere Mann sagt "Das ist meine Braut." und fängt an, eine Geschichte zu erzählen.

Wir sind in der deutschen Stadt Holstenwall und es gibt einen Jahrmarkt. Ein junger Mann, Alan, überredet seinen Freund Franzis (den Erzähler), mit ihm dorthin zu gehen.
Als nächstes sieht man einen älteren Herrn zum Stadtsekretär, der ihn äußerst rüde behandelt, gehen, um eine Genehmigung dafür zu beantragen, sein Schaustück auf dem Jahrmarkt zeigen zu dürfen - einen Somnambulen (Schlafwandler). Seine Karte weist ihn als Dr. Caligari aus.
In dieser Nacht wird der Stadtsekretär ermordet.
Auf dem Jahrmarkt stellt Dr. Caligari Cesare, den Somnambulen vor, der seiner Aussage nach, seit 23 Jahren Tag und Nacht in einem Kabinett schläft, das an einen Sarg erinnert. Er befiehlt ihm aufzuwachen und fordert das Publikum - darunter Alan und Franzis - auf, Cesare eine Frage zu stellen, da er "die Vergangenheit kennt und die Zukunft sieht".


Obwohl Franzis versucht, ihn zurückzuhalten, geht Alan zur Bühne und fragt, wie lang er leben wird. Cesare antwortet "Bis zum Morgengrauen ...".
Nachdem sie den Jahrmarkt verlassen haben, ist Alan verständlicherweise beunruhigt, sogar noch mehr, als sie ein Plakat über den Mord sehen. Dann treffen sie Jane auf der Straße, eine junge Dame, in die sie beide verliebt sind. Sie stimmen überein, sie wählen zu lassen und Freunde zu bleiben, egal was kommt.
Leider wird Alan in dieser Nacht brutal erstochen. Franzis geht zur Polizei und läßt eine Untersuchung einleiten. Danach geht er zu Jane, um ihr die schreckliche Nachricht zu überbringen, dann triff er Janes Vater, um ihm zu erzählen, daß er Cesare des Mordes verdächtigt.
Inzwischen versucht ein Krimineller eine Frau auf dieselbe Weise zu töten, als er aber gefaßt wird, behauptet er, er habe nur die Schuld abschieben wollen und habe nichts mit den beiden ersten Morden zu tun.
Jane, die nicht weiß, daß Franzis und ihr Vater bei der Polizei sind, fängt an sich Sorgen zu machen und geht zum Jahrmarkt. Sie fragt Caligari, ob er sie gesehen hat und er zerrt sie in das Zelt und zeigt ihr Cesare.
Nach Alans Begräbnis geht Franzis zu Caligaris Wagen und findet ihn und Cesare dort schlafend vor.
In diesem Moment geht Cesare jedoch durch die Stadt (meine Lieblingsszene wegen der Art, wie er an der Wand entlangzutanzen scheint).


Er dringt in Janes Zimmer ein und versucht sie zu töten, kann es aber nicht über sich bringen. Stattdessen entführt er sie.


Er wird von einer Gruppe Männer verfolgt und läßt Jane fallen, er selber entkommt knapp und fällt tot um. Oder?
Franzis kann nicht glauben, was geschehen ist, weil er die ganze Nacht vor dem Wagen verbracht hat, aber als sie sich das Kabinett genauer anschauen, finden sie darin nur eine Puppe, die wie Cesare aussieht.

Caligari entkommt in die Irrenanstalt. Franzis folgt ihm und entdeckt, daß er in Wirklichkeit der Direktor der Anstalt ist. Franzis gelingt es, mehrere Ärzte zu überzeugen, Caligaris Büro zu durchsuchen, während er schläft, und sie finden ein Buch über Somnambulismus mit einer Geschichte, die "Das Cabinet des Dr. Caligari" heißt und von einem Mystiker handelt, der mit einem Somnambulen namens Cesare auf Jahrmärkten herumgezogen ist, den er durch Hypnose Verbrechen begehen ließ.
Als ein Somnambuler in die Anstalt eingeliefert wird, wird der Direktor von der Vorstellung besessen, selber zu Caligari zu werden und herauszufinden, ob so etwas wirklich möglich ist.
Nachdem die Ärzte das gelesen haben, wird Cesare zum Direktor gebracht, der einen Zusammenbruch bekommt, als er ihn sieht. Er wird in eine Zwangsjacke gesteckt "und seit diesem Tage hat der Wahnsinnige die Zelle nicht mehr verlassen".

Der Film geht jetzt zurück in den Garten, man sieht, wie Franzis und der andere Mann aufstehen und den Saal der Anstalt betreten, wo man verschiedene Leute sieht.
Jane ist dort, sie sitzt auf etwas, das wie ein Thron aussieht, sie lehnt Franzis' Bitte, ihn zu heiraten ab. Cesare ist dort, wach, lächelnd, mit Blumen in der Hand.
Als der Direktor in den Saal kommt, völlig normal aussehend im Vergleich zu seinem Aussehen in der Geschichte, hat Franzis einen Wutausbruch und behauptet, daß nicht er wahnsinnig sei, sondern der Direktor, der Caligari sei. Franzis wird in eine Zwangsjacke gesteckt und der Direktor sagt, daß er jetzt die Quelle seines Wahnsinns kennt und weiß, wie er ihn heilen kann.
Was ist wirklich? Was nicht?

Nach dem, was ich gelesen habe, gibt es unterschiedliche Theorien über unterschiedliche Komponenten des Films - die Handlung, die tiefere Bedeutung, die Rahmenhandlung, das Set, die Beleuchtung.
Ein paar Interpretationen wurden Jahre später entwickelt, Leute haben verschiedene Versionen von Geschichten erzählt, vielleicht auch Erinnerungen daran angepaßt, was so schön paßte.
Es gibt genug Quellen da draußen, in denen ihr über all das lesen könnt und ich werde ein paar am Ende des Posts anfügen, aber ich bin weder Filmhistorikerin noch -kritikerin, und obwohl ich die Artikel gelesen habe, finde ich nicht, daß es Sinn machen würde, wenn ich meinen Senf zu Theorien über Autorität, Schizophrenie oder wie sich Deutsche nach dem 1. Weltkrieg gefühlt haben dazugeben würde.

Stattdessen werde ich einfach darüber sprechen, wie ich den Film gesehen und gemocht habe.
Was offensichtlich als erstes den Blick einfängt, ist das Set. Fast von Anfang an, als man das gemalte Bild der Stadt als Hintergrund sieht, weiß man, daß in diesem Film nichts gerade oder gewöhnlich sein wird. Fenster, Wände und Straßen sind krumm und haben seltsame Winkel, Hocker sind lächerlich hoch (und sehen sehr unbequem aus), Schatten sind aufgemalt, alles scheint Teil eines bizarren und verdrehten Traums zu sein, in dem sich die Charaktere bewegen.

Sogar die Zwischentitel sind künstlerisch gemacht mit ihren stilisierten Buchstaben und geometrischen Formen und Kritzeleien.
Die Kostüme sind eine merkwürdige Mischung aus Zeitperioden, manche scheinen abstrakt (ich bin vor allem von dem Hut des Polizisten fasziniert). All das trägt zum expressionistischen Gefühl des Films bei.


Selbst wenn ihr erwartet, daß die Charaktere für den Horror sorgen, werdet ihr vielleicht überrascht. Dies ist kein Film, der einen vom Sitz springen läßt, es gibt kein offensichtliches Blutvergießen, kaum Kämpfe - dies ist ein Film, der sich an dich anschleicht, dunkel und grotesk.
Er lebt durch die Charaktere, Franzis, der so entschlossen ist, dieses Rätsel zu lösen, Jane, die hauptsächlich durch den Film zu schweben scheint, Caligari, dessen Bewegungen noch durch seinen seltsamen Gang, aber auch seinen Gesichtsausdruck, unterstrichen werden, und natürlich Cesare, obwohl er den größten Teil des Films über kaum menschlich scheint. Ich liebe die Szene, wie er in Janes Zimmer eindringt und man kann sich leicht vorstellen, daß viele Vampire auf dieser Szene basieren.

Die verlinkte Version hat eine Filmmusik, die von der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung sowie ZDF und ARTE in Auftrag gegeben und von Studenten der Hochschule für Musik Freiburg komponiert wurde.
Sie is - anders. Ich gestehe, daß ich im Bezug auf zeitgenössische Musik nicht sehr abenteuerlich bin - die darauf abzielt, "das historische Filmgeschehen in die Gegenwart zu vermitteln" - und zunächst mußte ich die Lautstärke herunterdrehen, daß es wieder mal (wie bei "Die verlorene Welt") etwas zuviel war. Nach einer Weile hatte ich mich aber daran gewöhnt, schätze ich, oder vielleicht nahm mich der Film so gefangen, daß sie in den Hintergrund trat.

Nun zurück zu meiner Frage - schafft Caligari es, mich zu erschrecken?
Könnte sein, daß erschrecken nicht das richtige Wort ist. Ich fühlte mich unbehaglich und es war ein gruseliges Gefühl und das wird mich eine Weile begleiten. Vielleicht werde ich versuchen, mich zu entscheiden, was ich über das Ende denke oder welche Bedeutung ich dem Film zuschreibe oder vielleicht bleibt mir auch nur das allgemeine Gefühl.
Ich kann das im Moment echt nicht sagen, aber ich weiß, daß ich empfehle, ihn wenigstens einmal anzuschauen, und sei es nur wegen des Einflusses, den er auf Filme danach hatte.

Quellen:
1. Olaf Brill: Caligari und die Folgen - Rezeption und Interpretation eines berühmten Stummfilms. Auf: Kinofenster.de, 3. Februar 2014
2. Rouven Linnarz: Das Cabinet des Dr. Caligari. Auf: film-rezensionen.de, 4. September 2020
3. Stefan Volk: Stummfilmklassiker "Das Cabinet des Dr. Caligari". In: Spiegel, 26.2.2020
4. Lena Krull: Historische Filmkritik: Das Cabinet des Dr. Caligari (1920). Auf: beruf:geschichte, 28. April 2015
5. Roger Ebert: A world slanted at sharp angles. (auf Englisch) Auf: RogerEbert.com, Reviews, June 3, 2009
6. Filmmusik live zu "Das Cabinet des Dr. Caligari". Auf: Hochschule für Musik Freiburg, News, 3. November 2015

Mittwoch, 26. März 2025

Nostalgie - PEZ

Vor einigen Jahren, als ich noch die "Fundstücke der Woche"-Posts machte, hatte ich ein paar, "Ich bin eine Sammlerin" genannt, in denen ich Vintagestücke zeigte.
Im Laufe der Zeit sind meine Sammlungen zum größten Teil nicht mehr gewachsen, aus unterschiedlichen Gründen, aber sie sind noch da und immer noch geliebt. Ich habe auch Vintagestücke, manche geerbt, manche geschenkt, manche von Flohmärkten, manche interessanter als andere.
Ich dachte also, es könnte Spaß machen, immer mal wieder welche davon zu zeigen und ihre Geschichte zu erzählen.

Kürzlich hatte eine Freundin auf Facebook geteilt, daß PEZ als Alternative zum Rauchen erfunden wurde. Inzwischen habt ihr vielleicht gemerkt, daß ich einer guten Trivia-Geschichte nicht widerstehen kann, also mußte ich das natürlich sofort überprüfen. Es ist wahr.


Dachte Ponder, die PEZ-Lady zeigt zur Decke?

PEZ versetzt mich in meine Kindheit zurück - wieder einmal, tut mir leid, aber darum ist das ja auch ein Nostalgiepost und nicht einer für den "Einfach nur so Samstag" - um genau zu sein, zum "TOTO-Laden", den wir kurz Toto nannten.
Ich wuchs in einer Wohngegend auf, die dennoch (fast) alles hatte, was man so brauchte. Zwei Kneipen, einen Einkaufsladen, ein kleines Café, eine Bäckerei, zwei Metzgereien, ein Schuhmacher, eine Apotheke, zwei verschiedene Banken, einen kleinen Laden mit Büroartikeln, eine Reinigung, zwei Läden mit Autozubehör (sie gehörten zusammen und hatten auch andere Sache wie zum Beispiel Zierklebeband), ein Spielplatz und der "Totoladen", so genannt, weil man dort nicht nur lose Süßigkeiten und Wundertüten (Überraschungstüten mit Kaugummi und kleinen Figürchen), Zeitungen, Zeitschriften, Zigaretten und Büroartikel bekam, es war auch eine Toto-Lotto-Agentur. Draußen an der Wand hingen ein Kaugummi- und ein PEZ-Automat.
Ich liebte Automaten, aber auch Kaugummiautomaten, in denen eine Mischung aus Kaugumi (den ich nie mochte) und kleinen Spielzeugen war, und es war wahrscheinlich gut, daß ich nicht viel Geld zur Verfügung hatte. Dennoch war es eine schwere Wahl zwischen dem PEZ-Automaten oder dem Versuch, eines von den Minifeuerzeugen oder ein billiges Ringlein aus dem Kaugummiautomaten zu bekommen.

Also dann, PEZ.
Der Name PEZ ist eine Abkürzung des Wortes "PfeffErminZ", es handelt sich um eine österreichische Marke. Eduard Haas III. erfand das Pfefferminzbonbon als gesunde Alternative zum Rauchen. Ursprünglich waren die Bonbons rund, das änderte sich aber schnell zur gepreßten Ziegelform. Sie kamen in kleinen Döschen, aber Haas wollte die elegante Gesellschaft ansprechen und suchte darum nach einem ebenso eleganten Weg, an die Bonbons zu kommen.
Also erfand der Ingenier Oskar Uxa den ersten PEZ-Spender, der einem schlanken goldenen Feuerzeug ähnelte, dann folgten die regulären Spender in bunten Farben. Ab 1955 erschienen die ersten Sonderformen - wie zum Beispiel Raumpistolen - und die ersten Spender bekamen einen Kopf.
Man kann Designs nach dem Jahr sortiert im "PEZ dispenser archive" anschauen.

In den späten 50ern kam Haas auf die Idee der PEZ Ladies
als Marketingstrategie, junge Damen, die in PEZ-Uniformen mit einem Pillboxhütchen gekleidet waren, in PEZ-Autos herumfuhren und kostenlose Proben verteilten.
Der Graphiker Gerhard Brause entwarf die Werbefigur, in Anlehnung an den Stil der US Pin-ups und in ein Pagenkostüm gekleidet, für die Nutzung auf Schildern, Verkaufsautomaten, Plakaten usw. wie auch den folgenden Replikastücken.






Der PEZ-Seite zufolge gab es in Deutschland und Österreich von den 50ern bis zu den 80ern 36000 Automaten - einer davon in unserer Gegend.
Nun muß ich ein Geständnis ablegen. Ich war nie eine große Freundin von PEZ, es gab Süßigkeiten, die ich wesentlich lieber mochte, aber ich war ein Riesenfan der Automaten oder vintage Verkaufsautomaten im Allgemeinen.
Ich habe zwar nur drei Spender, von denen ich zwei in einem amerikanischen Trödelladen gekauft habe (und von denen einer verschwunden ist, ihr könnt euch denken, wenn ich deshalb beschuldige, er ist klein und haarig), der andere war ein Geschenk, aber ich habe außerdem - diese abgenutzte kleine Schönheit mit einer moderneren PEZ-Lady, wahrscheinlich aus den 70ern oder 80ern.


An den Automaten mußten Änderungen vorgenommen werden, als die Preise erhöht wurden und man drei statt zwei Münzen einwerfen mußte, weil der Auffangteil, wo die Münzen gesammelt wurden, größer sein mußte.
Wie ihr sehen könnt wurden die "2x10pf" weggekratzt und ein neuer Einwurf angebracht, auf dem "3x10 PF" eingeprägt war.


Nicht alle Automaten enthielten auch die gleichen Süßigkeiten.
Zum Beispiel sieht man auf dem Bild oben fünf Sorten, "Orange" und "Citron" (warum eigentlich nicht "Zitrone"?), das Pfefferminz, den Kaugummi, den Traubenzucker und die Tomby Sahnekaramellen.
Ich habe den gleichen Automaten mit fünf Sorten gesehen, wenn ihr euch aber die Auswahl bei meinem anschaut, seht ihr, daß man das Doppelpack "Orange/Citron", den Traubenzucker, ein Doppelpack Kaugummi und Spearmint-Kaugummi und das Tomby aussuchen kann. Kein Pfefferminz.
Dadurch sieht der Automat auch irgendwie asymmetrisch aus. Ich frage mich, wie das entschieden wurde. Oder hatte es mit dem größeren Auffangteil zu tun?


PEZ-Automaten verschwanden mit der Einführung des Euro.
Dieser hier waren mindestens bis 1991 in der freien Wildbahn. Ich weiß das, weil "Jürgen" und "Siggi" aus dem Städtchen Beselich beschlossen, das Datum von, tja, was auch immer zu markieren - ist Siggi ein Mädchen und sie fanden keinen Baum, in den sie ihre Namen hätten ritzen können oder war es einfach eine spontane Idee - vor fast exakt 34 Jahren!


Quellen:
1. Theresa Machemer: How PEZ Evolved From an Anti-Smoking Tool to a Beloved Collector's Item. Auf: Smithsonian Magazine - Innovation, December 15, 2020 (englisch)
2. PEZ internationale Seite - Kultiges
3. PEZ internationale Seite - Geschichte
4. PEZ internationale Seite - Presse

Montag, 24. März 2025

Die drei ???

Die was??? (Seht ihr, was ich da gemacht habe? 😁)
Um ehrlich zu sein, denke ich, daß ich den Satz in Deutschland gar nicht brauche, wenn man an den Kult um die drei Fragezeichen denkt. Gibt es hier wohl jemanden, der echt noch nie davon gehört hat?
"Die drei 
???" = "Die drei Fragezeichen" sind bis zu meinem Auszug von daheim ein großer Teil meines Lebens gewesen.
Zuerst holte ich mir die Bücher als Kind aus der Stadtbibliothek, aber schon kurz danach zog die Geißel meines Lebens in mein Zimmer. Wißt ihr, ich teilte mir nämlich ein Zimmer mit meinem großen Bruder und als er auszog, mußte ich es mit meinem kleinen Bruder teilen.
Warum ich ihn die Geißel meines Lebens nenne, möchtet ihr wissen?
Versucht mal, dasselbe Hörspiel mehrere Male hintereinander anzuhören und dann wiederholt das einen Abend nach dem anderen ... und dann wärt vielleicht auch ihr soweit, euren kleinen Bruder verkaufen zu wollen
🤣
Ich muß das erklären.

Die Buchreihe um
"Die drei ???" wurde von Robert Arthur Jr. entworfen, der die ersten neun und das elfte Buch schrieb. Nach seinem Tod 1969 übernahmen andere Autoren.
Arthur hatte zuvor schon mit Alfred Hitchcock gearbeitet und erwarb eine Lizenz über die Nutzung seines Namens für die Serie vor seinem Tod 1980. Hitchcock arbeitete selber an keinem der Bücher mit, auch nicht an "seinen" Einleitungen, obwohl er auf den Covers älterer Ausgaben steht.
Die Originalreihe lief von 1964 bis 1987, mit einem kurzen Comeback 1989/90 unter dem Namen "Crimebuster Series". Legale Dispute verhinderten die Veröffentlichung von weiteren Büchern.
Mir war das bisher gar nicht bewußt gewesen, weil es kein Problem ist, das wir in Deutschland haben, wo der Franckh-KOSMOS Verlag, seit 1997 nur noch KOSMOS Verlag, Lizenzrecht an der Reihe hält. Als also die Originalreihe eingestellt wurde, übernahm ein Team von österreichischen und deutschen Autorinnen und Autoren und es ist kein Ende in Sicht (obwohl es ein paar holprige Zeiten gab, ebenfalls wegen der Rechte).

Wer sind
"Die drei ???"?
Im Original ist das einmal Jupiter Jones, der bei seinem Onkel und seiner Tante lebt, die einen Gebrauchtwarenhandel besitzen und zwei Helfer haben, Kenneth und Patrick. Er ist schlau und sehr logisch.
Peter Crenshaw ist der Sportler unter den drei und kein Fan der gefährlichen Situationen, in die sie Jupiter bringt.
Bob Andrews ist für Aufzeichnungen und Recherche zuständig, einmal weil er in den frühen Abenteuern durch eine Beinschiene behindert wird (im Deutschen ist es ein Gips), aber auch weil er zeitweise in einer Bücherei arbeitet (die Teile habe ich schon als Kind geliebt, warum Bob auch immer mein Liebling war).
Ihr Alter wird nie erwähnt, dem Kontext nach zu urteilen müßten sie aber so 13 oder 14 sein.

Sie haben ihr Detektivbüro mit Werkstatt, Dunkelraum, Telefon und mehr in einem Mobilheim (im Deutschen einem Wohnwagen) eingerichtet, sorgfältig hinter Schrott versteckt und durch mehrere Geheimeingänge zugänglich.
Ihre Fälle - der erste ist die Suche nach einem Spukhaus für  Alfred Hitchcock - werden mit Logik und Recherche aufgeklärt, egal wie mysteriös oder sogar übernatürlich sie zunächst zu sein scheinen.
Ich habe selber noch ein paar Bücher, darunter das erste "Das Gespensterschloß", mein liebstes, weil es die Anfänge des Detektivbüros erklärt.


Kommen wir nun zurück zur "Geißel".
Deutschland hatte nämlich nicht nur seit 1968 die Bücher. 1979 begann das Label EUROPA mit einer Hörspielreihe, die auf den Büchern basierte. Mein kleiner Bruder liebte sie. Deutschland liebte sie. Tatsächlich liebte Deutschland sie so sehr, daß die Beliebtheit der Hörspiele die der Bücher überholt hat - außer in einem Zeitraum, als es, ihr vermutet es wohl schon, legale Streitigkeiten gab.
Es gab Live-Auftritte vor Tausenden von Leuten mit denselben Sprechern, die auch jetzt noch die Hörspiele sprechen, nach mehr als 40 Jahren!
Die Hörspiele werden als Kassetten (!), CDs, MP3 veröffentlich, sie können auch gestreamt werden, aber nichts fühlt sich so an wie die alten Schallplatten, die mein kleiner Bruder gespielt hat, bis sie beinahe auseinandergefallen sind.
Außerdem gibt es jetzt noch soviel mehr, Ableger wie
"Die drei ???" Kids für ein jüngeres Publikum oder "Die drei !!!" mit Detektivinnen, Dinge wie Experimentboxen für Fingerabdrücke usw., Graphic Novels, Computerspiele, Hörbücher mit dem vollständigen Text, Filme, sogar ein paar Bücher, die für die, die üben wollen, ins Englische übersetzt wurden.
Ich habe selber mit den "Klassikern" aufgehört und hatte auch schon eine Weile gar keine mehr gelesen. Nur dank Liz, die auf ihrem englischen Blog ein paar Rezensionen von älteren Büchern hat
, dachte ich mir, ich könnte mal wieder zu etwas Altem greifen, und so fand ich dann zum ersten Mal das über die Unterschiede zwischen den amerikanischen und deutschen Versionen heraus.

Fangen wir mit den Namen an.
Ich weiß nicht, was in diesem Fall der Grund war, aber es ist ja nicht ungewöhnlich für Charaktere in Büchern, Filmen oder Comics, daß sie in verschiedenen Ländern auch verschiedene Namen haben. Dasselbe gilt für
"Die drei ???", nicht nur in Deutschland, sondern auch anderen Ländern, wo die Reihe herausgegeben wurde.
Hier wurde aus
Jupiter "Jupe" Jones also Justus "Just" Jonas, Peter "Pete" Crenshaw war Peter Shaw, und Bob Andrews durfte seinen Namen behalten.
Der Chauffeur Worthington, der die Jungs im Rolls-Royce herumkutschiert (vorübergehend nach einem Wettbewerbsgewinn, dann dauerhaft dank eines dankbaren Klienten), wenn sie nicht ihre Fahrräder nehmen können, heißt im Deutschen Morton.
Die Nemesis der Jungen E. Skinner "Skinny" Norris ist bei uns einfach nur Skinny Norris.
Seltsam ist, daß die irischen Helfer Kenneth und Patrick in den deutschen Büchern zu Hans und Konrad aus Bayern geworden sind, wie es scheint, Namen, die ich auch auf einer amerikanischen Fanseite gefunden habe, in meiner alten Ausgabe steht allerdings immer noch Kenneth und Patrick.

Nicht nur Namen haben sich geändert, die deutsche Übersetzerin hat auch andere Dinge verändert, wie zum Beispiel das Einfügen kleiner Anmerkungen "von Alfred Hitchcock", die es in den amerikanischen Büchern nicht gibt, hier und da läßt sie etwas aus oder übersetzt es recht frei - ich habe das am ersten Buch auf Deutsch und Englisch überprüft und aus irgendeinem Grund wird im deutschen Buch nie erwähnt, wenn jemand aus England kommt, zum Beispiel Worthington/Morton (obwohl er erwähnt, daß er mal in einem englischen Schloß gearbeitet hat). Das ist nur ein Beispiel.
Außerdem ist Bobs Fragezeichen in Deutschland die Farbe rot, nicht blau wie in den USA zugeteilt, und das Fragezeichen ist auch noch an der falschen Stelle.

Ebenfalls anders sind die Umschläge.
Auf einer Fanseite heißt es, sie fänden, das Weglassen der Illustrationen in den Büchern sei ein Grund dafür gewesen, daß die Leute das Interesse verloren. In Deutschland hatten wir gar nie Illustrationen im Text, außer Hitchcocks Gesicht bei den Anmerkungen, die ich oben erwähnt habe, also bin ich mir nicht so sicher, ob ich da zustimmen möchte. Ich denke, die Geschichten sind einfach wie so oft in lang laufenden Reihen nicht besser geworden.
Außerdem sind die deutschen Umschläge völlig anders. In jedem Land, in dem
"Die drei ???" veröffentlicht wurden, waren die drei Jungen auf dem Umschlag. Hier nicht.
Die beiden ersten Umschlagbilder wurden von Jochen Bartsch entworfen und die Bücher waren nicht sehr erfolgreich. Daraufhin reichte die Graphikerin Aiga Rasch ein eigenes Design ein und sagte, sie würde auf ein Honorar verzichten, falls das Layout nicht ankäme. Es kam an.
Vor ihrem Tod entwarf Rasch 88 Cover für die regulären Bücher und außerdem Cover für Sonderbände. Schwarze Umschläge für Jugendbücher waren an sich schon ungewöhnlich, aber der größte Unterschied ist, daß die oft stilisierten Bilder die Jungen überhaupt nicht zeigten. Rasch wollte, daß alle ihre eigene Vorstellung unserer Hauptakteure entwickelten. Stattdessen geben die Umschläge Hinweise auf die Handlung, ohne sie zu verraten.
Raschs Cover sind großartig und ikonisch, und ich bin mir sicher, daß ich nicht die einzige bin, die sich
"Die drei ???" nicht ohne ihren Stil vorstellen kann, warum ich auch keine anderen Ausgaben haben wollen würde. Bei so etwas kann ich stur sein.
Auf jeden Fall hat der Verlag versucht, ihrem Stil treu zu bleiben.

Während die Fanbasis in Deutschland immer stark war, scheint es, daß das Interesse in den USA in den 200ern wieder angefangen hat zu wachsen.
Tatsächlich hat
Robert Arthurs Tochter Elizabeth 26 neue Bücher angekündigt, die sie zusammen mit ihrem Mann geschrieben hat und von denen die ersten bald erscheinen sollen!

Es gäbe noch soviel mehr zu erzählen, aber die Fanseiten haben das schon viel besser erledigt, da bin ich mir sicher.

Ich denke, ich werde mich an die Klassiker halten und ab und zu einen davon lesen. Vielleicht besorge ich mir sogar eins von den Hörspielen und durchlebe alte Zeiten. Ich bezweifle aber, daß das Gefühl dasselbe sein wird, wenn mein kleiner Bruder nicht dabei ist
😉

Quellen:
1. www.3fragezeichen.de - Die Seite für Fans von Fans
2. Dreifragezeichen-Fan
3. Aiga Rasch
4. Die drei ??? auf Wikipedia
5. The Three Investigators ??? U.S. Editions Collector site (englisch)
6. The Salvage Yard - Elizabeth Arthur's Substack (englisch)

Samstag, 22. März 2025

Einfach nur so Samstag - Was steckt in einem Namen?

Ich war eins von "diesen" Kindern ... die Kinder, die ihren Namen nie auf einer Tasse, einem Schlüsselanhänger oder einem Aufkleber fanden.
Die Geschichte meines Namens - Catrin - geht so. Die Namen meiner Schwestern beginnen mit A und B, was Zufall war, aber als das dritte Mädchen ankam, hörte sich ein Name mit C praktisch nach einer Verpflichtung an. Meine Mutter sagte, daß sie aber keinen der üblichen Namen mit C wollte, die zu dieser Zeit beliebt waren.
Eine naheliegende Annahme wäre, daß sie von Caterina Valente beeinflußt war, die ein ganz schöner Star in Deutschland war und manchmal auch Catrin oder Kathrin genannt wurde, wobei die zweite Form, zusammen mit Katrin, die gewöhnliche Schreibweise war, aber sie sagte, das sei sie nicht gewesen. Vielleicht war es ja unterbewußt.

Jedenfalls mochte ich meinen Namen immer. Von all den Catrins, die ich im Laufe der Jahre kennenlernte, war ich die älteste und es fühlte sich immer etwas besonders an, obwohl das natürlich nicht heißt, daß ich die erste war.
Ja gut, dann mußte ich die Leute halt dauernd korrigieren und meinen Namen ständig buchstabieren (kein Problem, mein Nachname läßt sich auch unterschiedlich schreiben, also mußte ich das eh tun). Es war mir echt egal.

Alle Formen des Namens mit C oder K, mit h oder ohne, kommen von Katharina, was "Die Reine" bedeuten soll, vom altgriechischen "katharos" = "rein". Nun habe ich Seiten gesehen, auf denen es heißt, die Römer hätten das fehlinterpretiert, daß der Name von diesem Wort herstammt. Mir ist es so oder so egal.
Es war witzig, Kommentare von Frauen oder Mädchen zu lesen, mit allen Varianten des Namens, von denen ein paar ältere sagten, " er hätte sich wie ein Sammelbegriff für Mädchen angehört, weil es so viele gab" - nichts, daß ich selber so erlebt hätte - und andere, daß er zu hart klinge oder daß ihn Leute falsch als Katren ausgesprochen hätten - auch diese Erfahrung habe ich selber nicht gemacht. Manche sind sehr glücklich damit, andere mögen ihn nicht.

Eine amerikanische Seite informiert mich, daß Catrin mit C häufig in Deutschland und Wales vergeben wird und eine Verbindung zur alten Göttin Hekate hat (die einzige Seite übrigens, die das behauptet), während mir deutsche Seiten erklären, daß das C in Deutschland selten ist und der Name an sich viel in den 60ern und 70ern viel populäre als heute war.

Aber wartet mal, Wales? Tatsächlich wußte ich das und habe es durch eine Katalogfortbildung bei der Arbeit vor vielen Jahren herausgefunden. Meine Kurspartnerin, mit der ich den Computer teilte, gab den Namen im Scherz ein und wir waren beide sehr überrascht, das englische Buch "Catrin in Wales" zu finden.
Als das Kind, das seinen Namen nie irgendwo sah, außer es handelte sich um ein extra angefertigtes Teil wie der gravierte Füller, den mein Vater mir zum Schulanfang schenkte, oder das Glas, das meine Freundin gravieren ließ, als sie Zwiesel und seine Glasmacher besuchte, war es echt seltsam, meinen Namen so gedruckt zu sehen, also kaufte ich mir das Buch dann irgendwann. Es gibt übrigens ein Happy End.


Ja, Catrin ist ein Name, der 2010 in Wales sogar in den Top 100 war, und wißt ihr was, Ancestry sagt mir, daß das aus der walisischen Sprache kommt und "rein" bedeutet. Was ist auf einmal aus den Griechen geworden? Außerdem steht auf den meisten Seiten, es sei ursprünglich ein deutscher Name gewesen. Im Fall von Ancestry könnte es allerdings auch damit zu tun haben, daß "einige Inhalte ... von einem KI-Modell generiert werden ...".
Wollt ihr noch was wissen? Catrin gibt es auch in Schweden seit den 60ern, obwohl sie es anscheinend anders aussprechen.

Nun, als ich das erste Mal mit Amerikanern in Kontakt kam - ganz wörtlich, der Deutsch-Amerikanische Freundschaftsclub in der Stadt hieß Kontakt - wurde ich schnell zu einer Cat, einem Spitznamen, der für mich bis heute offensichtlich in Ordnung ist
😉
Deutsche nennen mich jedoch gewöhnlich nicht so und geben mir auch keinen Spitznamen (meine Familie tut es ab und zu).
Es gab ein paar in alter Zeit, lang lang her, aber sogar die wurden eher selten benutzt.
Mein Vater nannte mich Caeterle, die schwäbische Verkleinerungsform, ein paar sehr Mutige nannten mich Catrinchen, gewöhnlich um mich zu ärgern. Nur zwei nannte mich jemals Catinka und ich vergab ihn, weil ich sie mochte, aber ich war doch froh, daß es niemand sonst tat, weil ich nicht finde, daß es zu mir paßt.

Wie ist es mit euch?
Habt ihr eine Geschichte darüber, wie ihr euren Namen bekommen habt, wie ihr ihn mögt, schreibt, woher er kommt? Ich würde mich freuen, von euch zu hören!

Freitag, 21. März 2025

Pack die Vorräte an - Tränen des Juwelendrachen

Manchmal bin ich selber überrascht, wenn ich das Alter von Dingen in meinen Vorräten nachschlage.
Ich erinnere mich noch sehr lebhaft daran, wie ich zwei große Drachenaugen bestellte, weil es so schwierig war, mich für eine Größe und Farbe zu entscheiden. Damals hatte ich dem Perlenfädeln oder -sticken nicht mal das leiseste Interesse geschenkt und wußte nicht so recht, was ich damit tun sollte, vor allem auch weil sie so groß waren, aber sie sahen so hübsch aus, daß ich nicht widerstehen konnte.
Eins davon landete in einer Kette für mich, der ersten meiner wenigen "Split Loom"-Ketten, noch ziemlich früh auf meiner Perlenwebreise. Ich würde das so jetzt nicht mehr machen, aber bis jetzt hat die Kette meine regelmäßigen "Sitzungen der Zerstörung" überlebt, stattdessen hängt sie jetzt als Erinnerung an mein erstes SLN-Experiment, das ich wohl nicht wiederholen könnte, an meiner Wand.
Was mich aber wirklich überraschte, als ich in meiner Kaufhistorie nachschaute, war, daß ich die Augen am 2. Juni 2013 gekauft hatte - übrigens ist der Shop noch aktiv, der Preis ist nicht mal so sehr gestiegen, das Porto aber schon, nicht überraschend - und die fertige Kette am 28. Juni auf meinem Blog zeigte. Das war recht schnell, wenn man die Zeit bedenkt, die die Augen noch im Versand zwischen den USA und Deutschland verbracht haben.



Wie ihr seht, war ich mit dem zweiten Auge nicht ganz so schnell, es mußte mehr als 11 1/" Jahre in meiner Vorratsschublade verbringen!

Für einen Crafternoon - ein virtuelles Treffen mit ein paar Bloggerfreundinnen zum Quatschen und Basteln - brauchte ich ein Projekt und wählte spontan das Drachenauge für eine Perlenstickerei aus.
Um sicherzugehen, fädle ich gewöhnlich eine Fassung für meine Cabochons, der Anfang war also leicht.
Natürlich war ich nicht die einzige, die sich an Saurons Auge erinnert fühlte. Das Gelb fehlte, aber das war sowieso nicht die Richtung, die ich verfolgen wollte. Nur welche Richtung es stattdessen sein sollte, wußte ich absolut nicht.

Zum nächsten Treffen zwei Wochen später holte ich es wieder heraus, die Fassung war inzwischen fertig.
Um auf eine Idee zu kommen, halte ich einen Cabochon ab und zu einfach gern hoch und starre ihn an, manchmal geht das ein paar Tage lang so, dann krame ich in meinem Vorratsschubladen, um zu sehen, ob mich irgendetwas anschreit - Texturen, Formen, als erstes aber vor allem Farben.
Diesmal stieß ich auf meine geliebten Hexagonperlen und mein erster Gedanke war "Juwelendrachen". Hexperlen in einem dunklen Rot, einem Rot und einem Gold mit Silbereinzug, und Schwarz mit AB für Tiefe und Kontrast. Rocailles in ähnlichen Farben für extra Struktur.
Das würde so funkeln und glänzen, ganz und gar nicht wie Sauron.

Nachdem ich die Hälfte der Fläche mit Perlen bedeckt hatte, verlangte das Stück nach freier Form. Ich habe keine Ahnung, warum Perlensticken die Technik ist, bei der ich eine freie Form am liebsten mag. Vielleicht kommt es darauf an, wie ich die Perlen aufsticke. Wenn ich sie einfach in alle Richtungen fließen lasse, ohne daß ich zuerst über ein Muster nachdenke, scheint das die strengen Grenzen der Eigenform des Cabochons aufzubrechen und es fühlt sich falsch an, diesen Fluß dann einzuschränken, indem man ihn in die gleiche Form wie die des Cabochons zwängt. Keine Regeln, nur Vibes. Macht das Sinn oder ist das nur in meinem Kopf?
In dem Fall nähe ich nicht die Perlen auf, beschneide dann die Ränder der Stickunterlage, füge die Rückseite hinzu und schneide um deren Rand herum.
Stattdessen fange ich mit dem Sticken an, schneide dann irgendwann den Untergrund in eine Form, die mich anspricht, und sticke dann weiter. Manchmal schneide ich sogar noch während des Prozesses weiter, wenn es sich richtig anfühlt. Keine Regeln, nur Vibes.

Ich brauchte ein paar Tage, um alle Perlen aufzunähen, auch weil ich mich nicht zurückhalten konnte, das Stück ständig ins Licht zu halten, um das Funkeln zu bewundern, das sogar noch schöner war, als ich es mir vorgestellt hatte.
Für Anhänger, die so groß sind, bevorzuge ich normal eine gefädelte Schlauchkette, aber nachdem ich ein paar Sachen ausprobiert hatte, schienen mir Bänder in diesem Fall besser zu passen.

Die Kette war fertig, oder? Ah, aber die, die mich schon eine Weile kennen, wissen, daß es für mich sehr schwierig ist, etwas Baumelndem oder Fransen zu wiederstehen, und eine Idee schlich sich in meinen Kopf.

Nun ist die einzige Frage, warum der Juwelendrache weint ...


Donnerstag, 20. März 2025

Stummfilme - Die verlorene Welt

In meiner Kindheit waren wir genauso verrückt nach Dinosauriern wie es Kinder heute sind. Wir hatten aber keine Dinosaurier-Spielzeuge, die sich in Gefährte verwandelten oder von einem Dino zum anderen. Wir hatten Bilder in Enzyklopädien und mußten 30 Kilometer bergauf durch hüfthofen Schnee zur Schule laufen ... sorry, falsche Platte 🙃
Im Ernst aber, ich erinnere mich hauptsächlich daran, in Büchereibüchern Dinosaurier angeschaut oder über sie gelesen zu haben, und eins davon war ein Roman von Sir Arthur Conan Doyle.
Wußtet ihr, daß Doyle viel mehr als nur Sherlock-Holmes-Geschichten geschrieben hat, in allen Arten von Genres? Essays, Geschichten, Gedichte aus Genres von Geschichte über Science-Fiction zu Abenteuer, Fantasy und natürlich Krimis. Außerdem zeichnete und malte er.
Ich habe die Sherlock-Holmes-Geschichte als Kind mehr als einmal aus der Bücherei ausgeliehen (und sie schließlich auf Deutsch und Englisch gekauft), und so griff ich mir eben auch das andere Buch, das da noch stand - Die verlorene Welt, das erste aus der
Professor Challenger-Serie von 1912, deutsche Erstausgabe 1926.

Wallace Beery als Professor Challenger
Von Unbekannt - J. Willis Sayre
Collection of Theatrical Photographs,
Public Domain


Ich liebte dieses Buch so und kann gar nicht sagen, wie oft ich es gelesen habe.
Obwohl ich es genoß, das Buch für diesen Post noch einmal zu lesen, ist das Thema heute nicht das Buch, sondern der Stummfilm von 1925.
Sprechen wir erstmal über die unterschiedlichen Versionen.
Frühe Filme haben oft das Problem, daß die Kopien voneinander abweichen, weil Teile des Films herausgeschnitten wurden oder verlorengingen, was es schwierig machen kann, sie originalgetreu zu restaurieren. Dasselbe geschah mit "Die verlorene Welt", die lange nur in einer 60 Minuten-Version gesehen werden konnte.
Zur Zeit gibt es unterschiedliche Fassungen von Eastman House, von der gesagt wird, daß sie einen besseren Fluß hat, von David Shephard, die alles aneinanderreiht, was auffindbar war, was manchmal zu Lasten des Flusses geht.
Es gibt auch hier eine synchronisierte deutsche Version, die ignorieren wir jetzt mal, weil ich sie nicht selber sehen konnte, was ich aber auch gar nicht gewollt hätte.
Ich habe die 104-Minuten-Version angeschaut, die auch auf Blu-Ray verfügbar ist (das ist die von Lobster Films/Flicker Alley restaurierte Fassung) und ich denke, das ist auch die, die ich schon mal auf ARTE gesehen habe.
Die 92-Minuten-Version könnt ihr auf YouTube finden.

Die Handlung des Films - wenn interessiert die Handlung? Es gibt Dinosaurier, ist das nicht das einzige, was zählt? Nein? Okay dann, wenn ihr darauf besteht.
Ed Malone, Reporter beim "London Record-Journal", möchte heiraten, aber Gladys, seine Auserwählte, will nur einen Mann heiraten, der der Gefahr ins Auge geblickt hat.
Eds Chance kommt, als er an einem Vortrag der Zoological Society teilnimmt, wo Professor Summerlee den exzentrischen Professor Challenger wegen seiner "Lügen" über eine verlorene Welt zur Rede stellt, in der uralte Bestien überlebt haben sollen. Challenger fordert das Publikum auf, an einer Expedition zu dieser verlorenen Welt teilzunehmen. Drei Männer erklären sich bereit mitzukommen - Summerlee, Malone und Sir John Roxton, ein Jäger und Sportler.

Bei einem Treffen in Challengers Haus wird Malone Paula White vorgestellt, Tochter und Assistentin von Maple White (!), der die verlorene Welt gefunden hat, ein Plateau in Brasilien, aber dort zurückgelassen wurde, als seine Helfer Angst bekamen und seine kranke Tochter mit sich in die Zivilisation zurücknahmen. Die Expedition soll nicht nur Challengers Aussagen beweisen, sondern auch einen Suchtrupp für White darstellen.
Die Gruppe reist nach Brasilien, dabei sind auch Challengers Butler Austin, ein schwarzer Helfer namens Zambo (Warnung: Blackface, was wohl zu erwarten war, aber zumindest ist es ein positiver Charakter und wichtig für ... davon hört ihr später), und ein Affe mit dem Namen Jocko, und erreichen den Fuß des Plateaus, das sie auf dieselbe Weise wie White erreichen wollen, indem sie nämlich einen Baum auf der Zinne daneben fällen, um ihn als Brücke zu benutzen.

Als sie einmal auf dem Plateau sind, werden sie von all den prähistorischen Tieren fasziniert, Brontosaurus, Allosaurus, Triceratops, Pterodactylus und mehr. Sie erleben ihre Leben, Kämpfe und Tode mit.


Sie stellen außerdem fest, daß sie von einem Affenmenschen beobachtet werden, von dem sie glauben, er könnte das "fehlende Bindeglied" sein, und der schon zuvor versucht hat, sie mit einem Felsbrocken zu töten. Aus irgendeinem Grund ist er immer in Gesellschaft eines Schimpansen.


Leider stößt ein Brontosaurus beim Fressen die Baumbrücke hinunter, sodaß die Abenteurer auf dem Plateau gefangen sind und sich darauf vorzubereiten, sich dort einzurichten.

Während all das passiert sieht Paula übrigens sehr oft so aus. Für eine Frau, die ihrem Vater als Assistentin in den Dschungel gefolgt ist und sich dem Suchtrupp angeschlossen hat, haben sie sie als ziemliche Dramaqueen dargestellt, was ich recht unfair finde, wenn auch nicht ungewöhnlich für die Zeit. Zumindest sind ihre Expeditionskollegen nicht herablassend ihr gegenüber.  Ich werde euch aber später noch etwas über sie erzählen.


Ed und Paula entdecken ihre Liebe füreinander und wollen Summerlee, der früher mal Pastor war, darum bitten, sie zu verheiraten (auch in der Wildnis muß man anständig bleiben, wißt ihr).
Während er auf Entdeckung geht, findet Roxton die Überreste von Paulas Vater und bringt ihr dessen Uhr. Als er von der geplanten Heirat hört, versteckt er seine eigene Liebe für Paula.

Dann bricht der Vulkan auf dem Plateau aus und all die Tiere und Menschen versuchen, vor dem Feuer und der Lava zu entkommen.
Inzwischen haben Austin und Zambo aber einen Plan geschmiedet, wie sie die anderen vom Plateau herunterkriegen. Sie haben eine Strickleiter angefertigt und lassen Paula nach Jocko rufen, damit er hinaufklettern und ihnen das Seil bringen kann, mit dem sie die Leiter heraufziehen. Ich finde ja, er ist der Held des Films.



Ed ist als letzter am Absteigen, aber der Affenmensch fängt an, die Leiter wieder heraufzuziehen. Nur ein Schuß von Roxton kann Ed retten.
Nun da sie wieder in ihrer Welt zurück sind, sagt Paula die Hochzeit wegen des Versprechens ab, das Ed Gladys gegeben hat.

Während eines der Dinosaurierkämpfe ist ein Brontosaurus vom Plateau in den Flußschlamm gefallen. Er steckt fest, ist aber am Leben, und mit der Hilfe einer geodätischen Vermessungstruppe, die am Plateau aufgetaucht ist, nachdem sie den Ausbruch gesehen haben, schaffen sie, ihn auf ein Schiff zu bringen und damit heim nach London.
Während des Entladens geht etwas schief, der Brontosaurus entkommt und streift durch die Straßen Londons, bis er zur Tower Bridge kommt, die unter seinem Gewicht zusammenbricht (bin ich übrigens die einzige, die sich fragt, was sie ihm auf dem Schiff wohl als Futter gegeben haben?).



Ed spricht Gladys an, die ihn informiert, daß sie nicht auf ihn gewartet, sondern einen Ladenangestellten geheiratet hat, was bedeutet, daß der Weg für seine und Paulas Liebe frei ist. Roxton gratuliert ihnen und nimmt den Verlust als der Sportsmann hin, der er nun einmal ist.
Challenger allerdings bricht zusammen, als er seinen Brontosaurus in den Ozean hinausschwimmen sieht.

Ich glaube, es ist einfach, darin übereinzustimmen, daß die Dinosaurier die echten Stars des Films sind (obwohl ich sagen muß, daß sowohl die Dinosaurier und die Menschen eine gute schauspielerische Leistung abgeliefert haben).
Ohne sie wären es nur ein paar harte Männer gewesen, die sich aufmachen, harte Dinge zu tun, sich einen Weg durch den Dschungel hacken, die Welt beeindrucken (da hängt definitiv Kolonialismus in der Luft, auch im Verhalten gegenüber dem "minderwertigen" Affenmenschen, der eigentlich nur sein Territorium verteidigt) - und Frauen (das ist für dich, Ed, war das nicht eine etwas überstürzte Entscheidung?).
Wie eindrucksvoll wären sie aber ohne die Dinosaurier noch gewesen? Nicht mehr als die Geodäten, die ja offensichtlich auch kein Problem damit hatten, das Plateau zu finden.

Ed hatte Glück, Paula statt Gladys zu haben, die nicht mal ein Jahr warten konnte, um einen sehr un-abenteuerlichen Mann zu heiraten (ich weiß, daß das kein Wort ist), aber wißt ihr ... Spoileralarm, hier kommt ein schneller Blick auf die Unterschiede im Buch, also lest jetzt nicht weiter, wenn ihr das Buch lesen wollt!

Maple White starb nicht auf dem Plateau, sondern in einem Dorf der Einheimischen, wo Challenger ihn und sein Tagebuch fand. Später finden sie die Überreste eines Kumpans von White. Dafür gibt es aber keine Paula. Ich schätze, sie haben sie eingeführt, weil Filme zu der Zeit eine Liebesgeschichte mit Happy End brauchten.

Auf dem Plateau lebt nicht ein Affenmensch, sondern zwei Stämme - die großen Affenmenschen und ein indigener Stamm kleinerer Menschen, die die anderen wegen ihrer Grausamkeit fürchten. Die Entdecker retten ein paar der Menschen vor ihren Feinden, darunter den Sohn des Häuptlings, der ihnen dann später hilft, dem Plateau über einen Höhlentunnel zu entkommen.

Challenger bringt keinen Brontosaurus heim, sondern läßt sich von Roxton einen jungen Pterodactylus fangen, der dann entkommt und durch London fliegt.

Ed kommt tatsächlich zu einer verheirateten Gladys nach Haus, ihr Mann ist ein Rechtsanwaltsgehilfe.

Roxton eröffnet seinen Freunden, daß er in der verlorenen Welt Diamanten gefunden hat und sie natürlich mit ihnen teilen wird. Challenger will sich ein Privatmuseum bauen, Summerlee in Ruhestand von der Lehre gehen und Kreidefossilien klassifizieren.
Roxton nimmt an, daß Ed heiraten wird, aber als er ankündigt, selber eine Expedition zusammenstellen zu wollen, um zur verlorenen Welt zurückzukehren, sagt Ed, dem das Herz gebrochen wurde, daß er ihn begleiten wird.

Es ist eine Schade, aber Zambo wird nicht mehr erwähnt, nachdem die Gruppe nach England zurückgekehrt ist, eine Schande, weil er derjenige war, der am Fuße des Plateaus ausgehalten hat, nachdem die restliche Crew (kein Austin übrigens) geflüchtet ist, und der die Zinne mehr als einmal als Kontakt zur Außenwelt bestiegen hat. Ich fand, er war ein wichtiger Teil der Expedition.

Im Buch gibt es auf jeden Fall mehr Action als im Film, aber das ist schon okay, denn, ähm, habe ich schon erwähnt, daß wir im Film coole Dinosaurier haben?
Dafür haben wir Willis "Obie" O'Brien zu danken, dessen Boss die Filmrechte zu Doyles Werk hielt. Obie war ein Pionier in Spezialeffekten und des Stop-Motion-Trickfilms (sein Schützling war übrigens Ray Harryhausen) und "Die verlorene Welt" war nach mehreren Kurzfilmen sein erster Langfilm.
Während seine ersten Modelle noch aus Ton gemacht waren, waren diese Dinosaurier mit einer Gummihaut über Metalarmaturen hergestellt und hatten eine Blase im Inneren, durch die man Atembewegungen simulieren konnte - einer meiner Lieblingseffekte.

In den Quellen (leider habe ich wieder kaum etwas Ausführliches auf Deutsch gefunden) habe ich nur ein paar der Blogposts und Artikel aufgeführt, die ich gelesen habe, damit ihr Extrabilder aus dem Film sehen könnt, falls ihr vielleicht noch einen kleinen Anstoß braucht, um ihn anzuschauen. Es gibt zum Beispiel noch mehr Informationen über die Fassungen oder die neue Musik von 2016 (die ich in der Lautstärke herunterdrehen mußte, weil ich sie etwas
Nochmal, wenn ihr den Film anschaut, denkt daran, daß das 100 Jahre her ist.

So beginnen der Roman (in der englischen Fassung, nicht der deutschen Übersetzung) und der Film und ich finde, das sagt schon alles.
"Ich habe meinen einfachen Plan verwirklicht
   Wenn ich eine Stunde Freude schenke
Dem Jungen, der ein halber Mann ist,
   Oder dem Mann, der ein halber Junge ist."
Doyle schrieb gern Abenteuerromane und der Film ist ein Abenteuer. Für Jungs.
Und dennoch hatte ich ebenfalls Spaß damit. Dinosaurier!


Quellen (3. bis 7. englischsprachig):
1. Michael Haul: Die verlorene Welt - The Lost World (1925). Auf "Astron Alpha", 29. Dezember 2017
2. Arthur Conan Doyle: Die verlorene Welt. 1926. Auf "Project Gutenberg" (Original von 1912)
3. Sir Arthur Conan Doyle's "The Lost World" - eine Seite mit viel Information über den Roman und die Filme und Serien und Merchandise und mehr
4. Lea Stans: Thoughts On: "The Lost World" (1925). Auf "Silent-ology", 9. September 2019
5. Kristin Hunt: The 1925 Movie That Paved the Way for King Kong. Auf "JSTOR Daily", 10. Oktober 2019
6. Kristin Thompson und David Bordwell: THE LOST WORLD refound, piece by piece. Auf "David Bordwell's website on cinema. Observations on film art", 2. Oktober 2017
7. Leonard Maltin: Before King Kong: A lost world found. Auf "Leonard Maltin", 1. Oktober 2017

Montag, 17. März 2025

Nostalgie - Kassetten

Vor einigen Jahren, als ich noch die "Fundstücke der Woche"-Posts machte, hatte ich ein paar, "Ich bin eine Sammlerin" genannt, in denen ich Vintagestücke zeigte.
Im Laufe der Zeit sind meine Sammlungen ... nein, wartet.
Ich spreche heute nicht über eine Sammlung, es ist einfach etwas, das ich noch habe.

Ich bin in den 60ern geboren
. Ich wuchs mit Vinyl-Schallplatten auf, der Singlesammlung meines Vaters - wir hatten sogar eine einsame 78er-Platte, was bis in die 40er Standard war, ich erinnere mich aber nicht, ob sie aus Schellack war.
Kompaktkassetten - üblicherweise einfach Kassetten genannt - waren 1963 das erste Mal herausgekommen, nicht lang bevor
ich geboren wurde, und sie brauchten ein wenig, bevor sie in unserem Haushalt ankamen. Mein Bruder war der erste, der einen Kassettenrekorder mit Mikrofon hatte, ich schätze mal, das muß so ungefähr in den frühen 70ern gewesen sein.
Ich bekam meinen eigenen Rekorder Jahre später, als mir eine Schulfreundin ihren alten schenkte, zusammen mit einem Stapel selber aufgenommener Beatles-Kassetten. Ich werde nie vergessen, wie verrückt es meine Mutter machte, daß ich eine Stunde dafür brauchte, Geschirr abzutrocknen, weil ich hauptsächlich in der Küche herumtanzte und bei den Beatles mitsang.
Es gab auch vorbespielte Musikkassetten, hier auch MC genannt - aber davon hatte ich nie eine, weil ich Schallplatten vorzog.
Kassetten wurden außerdem äußerst beliebt für Kinderhörspiele, und obwohl die Kassette mehr oder von CDs und später MP3 verdrängt wurde, war sie doch nie ganz weg und hat in den letzten paar Jahren sogar ein kleines Comeback gemacht.
Man kann Rekorder kaufen, Leerkassetten, ja, und sogar Musikkassetten. Lang lebe Retro!
😜

Bei "alten" Leute wie mich können Kassetten natürlich eine Menge emotionaler Erinnerungen hervorrufen. Sie waren magisch, weil wir mit ihnen so vieles so einfach machen konnten. Man konnte sie einfach mitnehmen und Musik mit Freunden teilen. Man konnte Musik von einem Gerät auf ein anderes überspielen. Sie waren sogar für kleine Kinder einfach zu benutzen (was ein Nachteil sein konnte, wenn man eine Freundin besuchte, und dann so ein kleiner Zwerg hereinmarschierte, mit ihrem klobigen gelb/orangefarbenen Rekorder, und dich stolz dazu zwang, ihre neueste "Benjamin Blümchen"-Geschichte dreimal anzuhören, ja, das ist wirklich so passiert).

Ich wette, eine Menge Leute erinnern sich daran, wie man versuchte, die perfekte Aufname von der Radiohitparade zu bekommen, und wie man sich ärgerter, wenn der Moderator wieder mal in den Song reinquatschte, auf den man so verzweifelt gewartet hatte. Die Musikindustrie war allerdings nicht so glücklich über das Mitschneiden.
Dann gab es da noch die Mix-Kassetten, die Leute für die Freundin oder den Freund oder in meinem Fall Geschwister machten. Tatsächlich habe ich so eine noch.
Ich bin mir sicher, daß ich nicht die einzige war, die vor dem Fernseher saß und alle auf absolutes Schweigen eingeschworen hatte (haha, das funktionierte echt klasse), damit ich einen Film aufnehmen konnte. Wir hatten definitiv "Das zauberhafte Land" und "Moby Dick" auf Kassette.
Natürlich mußte man immer aufpassen, daß man nicht etwas überspielte, an das man vielleicht nicht so schnell wieder herankam. Oder daß ein anderer etwas darüber aufnahm. Unfälle dieser Art waren nicht ungewöhnlich.
Außerdem gab es noch den Fluch des bandfressenden Rekorders. Wenn man Glück hatte und das Band nicht zu verwickelt und zerknittert war, konnte man es mit Hilfe eines Bleistifts wieder aufwickeln, aber falls doch, waren die Chancen hoch, daß das Band erneut gefressen wurde. Ich hatte einmal eine Kassette, deren zerknittertes Ende ich komplett abschneiden mußte, und weil der kleine Plastikstift, der dieses Ende hielt, davongeflogen war, benutzte ich ein Stückchen eines Zahnstochers, um ihn zu ersetzen. Es war solch eine Erleichterung, als das klappte!

Das ist meine eigene Boombox - die niemals draußen war, weil das Teil höllenschwer ist! - und ein Teil meiner Kassetten. Ich habe ein paar davon ausprobiert und obwohl sie bis zu 40 Jahre alt sind, ein oder die andere sogar noch älter, haben sie immer noch funktioniert, auch wenn alles ein bißchen eingestaubt ist.
Wenn ihr genau hinschaut, könnt ihr sehen, daß der Abspielknopf gedrückt ist, ich habe gelauscht, während ich das Bild gemacht habe.


Es sind ein paar Kassetten dabei, an die ich mich gar nicht erinnern kann, zum Beispiel die mit der Aufschrift "Grusel!". Ich habe mal reingehört und genau das ist, gruselige Musik wie für einen Film. Ich habe selber nie eine Halloweenparty organisiert, keine Ahnung, wie dieses Band bei mir gelandet ist, und die Handschrift erkenne ich auch nicht.
Die auf der linken Seite weckte allerdings eine Erinnerung in mir. Sie ist mit "Beatles (AFN)" beschriftet, das war eine Dokumentation über die Beatles im AFN (Armed Forces Network)-Radio, wahrscheinlich in den frühen 80ern, nachdem John Lennon starb. Ich nahm nur die Lieder auf, weil die Kassette nicht lang genug für die ganze Dokumentation gewesen wäre. Ja, seltsam, ich weiß.

Habt ihr selber irgendwelche Kassettengeschichten zu erzählen?