Ich weiß, daß das kein Halloweenfilm ist, aber ich mußte eine Änderung in letzter Minute machen. Zumindest haben wir einen Bösewicht!
Gloria Swanson kennt ihr vielleicht nicht so sehr als den Stummfilmstar, der sie früher war, sondern aus dem Film "Boulevard der Dämmerung", in dem sie einen früheren Stummfilmstar spielt.
Heute werde ich jedenfalls über "Teddy at the Throttle" von 1917 sprechen.
Zunächst die Handlung (mit Spoilern).
Gloria Dawn, ihr vertrauenswürdiger vierbeiniger Freund Teddy, und ihr Schatz Bobbie Knight wohnen im selben Gebäude.
Das tut auch der böse Henry Black. Er ist Glorias Vormund und Bobbies Vermögensverwalter (bis dieser verheiratet ist), der Geld auf sein eigenes Konto umleitet. Um das zu verbergen möchte er, daß seine Schwester Bobbie heiratet, ws Bobbies Tante gefallen würde, die Gloria nicht gutheißt, aber denkt, daß ihr Blacks Schwester beim sozialen Aufstieg behilflich sein wird.
Und tatsächlich verknallt sich Bobbie direkt in sie - er ist nicht der Schlaueste -, obwohl er Gloria gerade noch einen Ring gegeben hat.
Auch wenn ihn Gloria daran erinnert, kann Bobbie "seinem neuen Mädchen" nicht widerstehen und vernachlässigt sie deswegen, ja, er schreckt nicht mal davor zurück, den Ring von Gloria zurückzuverlangen, als die Schwester das verlangt.
Dann erfährt Black von Bobbies Anwalt, daß ein neues Testament aufgetaucht ist, in dem es heißt, daß Bobbie das Geld nur bekommt, wenn er Gloria heiratet. Tut er das nicht, geht das Geld an Gloria.
Black ist erfreut, Bobbie und seine Schwester zusammen zu sehen, und beschließt, Gloria selber zu heiraten, um an das Geld zu kommen.
Es gibt da nur ein Problem. Gloria will ihn nicht.
Bei einem Ball läßt Bobbie jedoch seine Liebste auf der Tanzfläche zurück (nach einem urkomischen Tanz), weil er Gloria einfach nicht fernbleiben kann.
Damit der Plan nicht schiefgeht, trennen die Blacks die Turteltauben schnell wieder, aber Gloria erfährt von dem neuen Testament und ruft den Anwalt an, damit er ihr hilft.
Trotz eines heftigen Sturms reißen Ms. Black und Bobbie inzwischen mit dem Auto aus, gefolgt von Gloria, die wiederum von Mr. Black verfolgt wird. Da das Auto im Matsch steckenbleibt, gelingt es Gloria, sie einzuholen, und sie zeigt Bobbie den Brief. Natürlich ändert er prompt wieder seine Meinung, aber Gloria hat genug und sagt ihm, er solle doch die Schwester heiraten.
Leider erwischt Black sie, und um sich selber vor dem Gefängnis zu retten, kettet er sie an die Gleise, damit sie von dem Zug überfahren wird, in dem der Anwalt sitzt (was sie beide natürlich nicht wissen).
Nochmal, das ist eine Komödie, und wenn ihr mehr über eine der am meisten vorherrschenden Meinung über Stummfilme lesen möchtet - der Bösewicht, der eine Jungfer an die Eisenbahngleise fesselt - habe ich für euch drei Posts zu diesem Klischee unten in den Quellen.
Gloria kann sich nicht allein befreien und pfeift nach dem wahren Helden dieses Films - Teddy!
Als Teddy eintrifft, gibt ihm Gloria eine Notiz, die er zu Bobbie bringen soll. Beide kommen, um sie zu retten, aber die Ketten sind zu stark.
Teddy springt mit der Notiz in den Zug und die Lokführer stoppen den Zug, aber nicht rechtzeitig. Bobbie springt aus dem Weg, aber Gloria ist direkt unter dem Zug, der die Ketten unter seinen Rädern zerbricht.
Bobbie zieht Gloria unter dem Zug hervor.
Black versucht zu entkommen, als er sieht, daß sein Plan fehlgeschlagen ist, aber wieder können wir Teddy vertrauen, genau das Richtige zu tun.
Black wird verhaftet und Gloria und Bobbie bekommen ihr Happy End!
Ok, ok, ich geb's ja zu. Natürlich habe ich diesen Film hauptsächlich wegen Teddy ausgesucht.
Das heißt nicht, daß er nicht auch anderweitig interessant ist, ja sogar düster, wenn man den Hintergrund zu einigen Szenen kennt.
Erstens haben wir die Parodie der Jungfer auf den Gleisen. Wie der Gedanke, daß an Stummfilmen nichts subtil war - Stichwort "übertriebenes Spiel" - haben viele von uns dieses Klischee wahrscheinlich im Kopf. Ich mochte die Posts wirklich gern, die mir mehr darüber erzählten.
Zweitens gab es, nicht ungewöhnlich für frühe Stummfilme, ein paar rauhe Szenen, aber bei denen mit Swanson und Wallace Beery als Mr. Black ist das nicht alles nur Spiel. Sie waren zu der Zeit verheiratet, aber Beery war gewalttätig, daher war die Ehe bereits am Zerbrechen. Es macht es schwieriger, diese Szenen anzuschauen, wenn man weiß, daß Swansons Furcht und Beerys Rohheit tatsächlich echt sind.
Trotzdem ist dies eine charmante Komödie und nicht so chaotisch, wie die Handlung vermuten läßt. Ich mag am liebsten die verrückte Tanzszene.
Ehrlich, ich bin mir nicht sicher, ob ich den "wankelmütigen" Bobbie am Ende noch haben wollen würde, aber vielleicht wird er ja unter Glorias starker Hand erwachsen - sie weiß wirklich, was sie will und was nicht!
Kommen wir nun zum wirklich wichtigen Teil.
Teddy the Dog oder Keystone Teddy (nach Mack Sennetts "Keystone Film Company") war eine Dogge - 107 cm hoch und 66 Kilo schwer - und spielte von 1916 bis 1924 in mindestens 60 Filmen, meistens Kurzfilmen mit. Er starb 1925 im Alter von 14.
War er nicht toll?
Quellen und weitere Lektüre (englischsprachig):
Artikel über Teddy:
Larry Harnisch: Mary Mallory / Hollywood Heights: Teddy the Dog, Mack Sennett's Best Friend. Auf: The Daily Mirror, 6. Juli 2015
Artikel zum Klischee der "Jungfer auf den Eisenbahngleisen":
1. Fritzi Kramer: Teddy at the Throttle (1917) - A Silent Film Review. Auf: Movies Silently, 12. Dezember 2021
2. Fritzi Kramer: Silent Movie Myth: Tied to the Railroad Tracks. Auf: Movies Silently, 12. März 2013
3. Lea Stans: The “Damsel Tied To The Railroad Tracks” Trope Revisited. Auf: Silent-ology, 29. September 2026
Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.
Gloria Swanson kennt ihr vielleicht nicht so sehr als den Stummfilmstar, der sie früher war, sondern aus dem Film "Boulevard der Dämmerung", in dem sie einen früheren Stummfilmstar spielt.
Heute werde ich jedenfalls über "Teddy at the Throttle" von 1917 sprechen.
Zunächst die Handlung (mit Spoilern).
Gloria Dawn, ihr vertrauenswürdiger vierbeiniger Freund Teddy, und ihr Schatz Bobbie Knight wohnen im selben Gebäude.
Das tut auch der böse Henry Black. Er ist Glorias Vormund und Bobbies Vermögensverwalter (bis dieser verheiratet ist), der Geld auf sein eigenes Konto umleitet. Um das zu verbergen möchte er, daß seine Schwester Bobbie heiratet, ws Bobbies Tante gefallen würde, die Gloria nicht gutheißt, aber denkt, daß ihr Blacks Schwester beim sozialen Aufstieg behilflich sein wird.
Und tatsächlich verknallt sich Bobbie direkt in sie - er ist nicht der Schlaueste -, obwohl er Gloria gerade noch einen Ring gegeben hat.
Auch wenn ihn Gloria daran erinnert, kann Bobbie "seinem neuen Mädchen" nicht widerstehen und vernachlässigt sie deswegen, ja, er schreckt nicht mal davor zurück, den Ring von Gloria zurückzuverlangen, als die Schwester das verlangt.
Dann erfährt Black von Bobbies Anwalt, daß ein neues Testament aufgetaucht ist, in dem es heißt, daß Bobbie das Geld nur bekommt, wenn er Gloria heiratet. Tut er das nicht, geht das Geld an Gloria.
Black ist erfreut, Bobbie und seine Schwester zusammen zu sehen, und beschließt, Gloria selber zu heiraten, um an das Geld zu kommen.
Es gibt da nur ein Problem. Gloria will ihn nicht.
Bei einem Ball läßt Bobbie jedoch seine Liebste auf der Tanzfläche zurück (nach einem urkomischen Tanz), weil er Gloria einfach nicht fernbleiben kann.
Damit der Plan nicht schiefgeht, trennen die Blacks die Turteltauben schnell wieder, aber Gloria erfährt von dem neuen Testament und ruft den Anwalt an, damit er ihr hilft.
Trotz eines heftigen Sturms reißen Ms. Black und Bobbie inzwischen mit dem Auto aus, gefolgt von Gloria, die wiederum von Mr. Black verfolgt wird. Da das Auto im Matsch steckenbleibt, gelingt es Gloria, sie einzuholen, und sie zeigt Bobbie den Brief. Natürlich ändert er prompt wieder seine Meinung, aber Gloria hat genug und sagt ihm, er solle doch die Schwester heiraten.
Leider erwischt Black sie, und um sich selber vor dem Gefängnis zu retten, kettet er sie an die Gleise, damit sie von dem Zug überfahren wird, in dem der Anwalt sitzt (was sie beide natürlich nicht wissen).
Nochmal, das ist eine Komödie, und wenn ihr mehr über eine der am meisten vorherrschenden Meinung über Stummfilme lesen möchtet - der Bösewicht, der eine Jungfer an die Eisenbahngleise fesselt - habe ich für euch drei Posts zu diesem Klischee unten in den Quellen.
Gloria kann sich nicht allein befreien und pfeift nach dem wahren Helden dieses Films - Teddy!
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| Das muß eine kräftige Hundepfeife sein. |
Als Teddy eintrifft, gibt ihm Gloria eine Notiz, die er zu Bobbie bringen soll. Beide kommen, um sie zu retten, aber die Ketten sind zu stark.
Teddy springt mit der Notiz in den Zug und die Lokführer stoppen den Zug, aber nicht rechtzeitig. Bobbie springt aus dem Weg, aber Gloria ist direkt unter dem Zug, der die Ketten unter seinen Rädern zerbricht.
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| Gloria Swanson bestand darauf, diesen gefährlichen Stunt, gerade noch rechtzeitig in einem Loch zu verschwinden, selber durchzuführen! |
Bobbie zieht Gloria unter dem Zug hervor.
Black versucht zu entkommen, als er sieht, daß sein Plan fehlgeschlagen ist, aber wieder können wir Teddy vertrauen, genau das Richtige zu tun.
Black wird verhaftet und Gloria und Bobbie bekommen ihr Happy End!
Ok, ok, ich geb's ja zu. Natürlich habe ich diesen Film hauptsächlich wegen Teddy ausgesucht.
Das heißt nicht, daß er nicht auch anderweitig interessant ist, ja sogar düster, wenn man den Hintergrund zu einigen Szenen kennt.
Erstens haben wir die Parodie der Jungfer auf den Gleisen. Wie der Gedanke, daß an Stummfilmen nichts subtil war - Stichwort "übertriebenes Spiel" - haben viele von uns dieses Klischee wahrscheinlich im Kopf. Ich mochte die Posts wirklich gern, die mir mehr darüber erzählten.
Zweitens gab es, nicht ungewöhnlich für frühe Stummfilme, ein paar rauhe Szenen, aber bei denen mit Swanson und Wallace Beery als Mr. Black ist das nicht alles nur Spiel. Sie waren zu der Zeit verheiratet, aber Beery war gewalttätig, daher war die Ehe bereits am Zerbrechen. Es macht es schwieriger, diese Szenen anzuschauen, wenn man weiß, daß Swansons Furcht und Beerys Rohheit tatsächlich echt sind.
Trotzdem ist dies eine charmante Komödie und nicht so chaotisch, wie die Handlung vermuten läßt. Ich mag am liebsten die verrückte Tanzszene.
Ehrlich, ich bin mir nicht sicher, ob ich den "wankelmütigen" Bobbie am Ende noch haben wollen würde, aber vielleicht wird er ja unter Glorias starker Hand erwachsen - sie weiß wirklich, was sie will und was nicht!
Kommen wir nun zum wirklich wichtigen Teil.
Teddy the Dog oder Keystone Teddy (nach Mack Sennetts "Keystone Film Company") war eine Dogge - 107 cm hoch und 66 Kilo schwer - und spielte von 1916 bis 1924 in mindestens 60 Filmen, meistens Kurzfilmen mit. Er starb 1925 im Alter von 14.
War er nicht toll?
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Quellen und weitere Lektüre (englischsprachig):
Artikel über Teddy:
Larry Harnisch: Mary Mallory / Hollywood Heights: Teddy the Dog, Mack Sennett's Best Friend. Auf: The Daily Mirror, 6. Juli 2015
Artikel zum Klischee der "Jungfer auf den Eisenbahngleisen":
1. Fritzi Kramer: Teddy at the Throttle (1917) - A Silent Film Review. Auf: Movies Silently, 12. Dezember 2021
2. Fritzi Kramer: Silent Movie Myth: Tied to the Railroad Tracks. Auf: Movies Silently, 12. März 2013
3. Lea Stans: The “Damsel Tied To The Railroad Tracks” Trope Revisited. Auf: Silent-ology, 29. September 2026
Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.











