Donnerstag, 15. Oktober 2026

Stummfilme - Unheimliche Geschichten

Der heutige Film ist ein biiiiißchen länger als die letzten beiden und somit auch der Post (sorry). Wir bleiben damit im Geiste von Halloween.
Ich wollte gerade sagen, daß ich bisher noch keinen in der Art auf meinem Blog hatte, aber dann fiel mir "Das Wachsfigurenkabinett" ein - es ist noch ein Anthologiefilm, Bonuspunkte dafür, daß er ebenfalls mit Conrad Veidt ist (und Anita Berber und Reinhold Schünzel)!
Willkommen zu "Unheimliche Geschichten" von 1919 (auch "Grausige Nächte" genannt).


Hier ist die Handlung oder eigentlich die Handlungen, denn wir haben eine Rahmengeschichte und darin Episoden.

Wir sind kurz vor der Schließung in einem Antiquariat.
An den Wänden hängen drei große Gemälde, "Der Teufel", "Die Dirne" und "Der Tod".


Als der Ladeneigentümer weg ist, steigen die drei aus ihren Rahmen und fangen an zu lesen.


1. "Die Erscheinung" von Anselma Heine

Dr. Riedhammer spaziert durch den Park und hilft einer jungen Frau, die von einem Mann belästigt wird - ihrem Ehemann, wie sie ihm später erzählt. Sie nehmen sich zwei Zimmer in einem Hotel. Obwohl sie sich zueinander hingezogen fühlen und sich küssen, läßt er sie dann allein, da sie sich nicht wohlfühlt.


Riedhammer verbringt den Abend mit Freunden, geht aber zum Zimmer der Frau, als er zurückkommt.
Er findet es völlig leer vor, sie ist weg, all die Möbel sind weg. Die Wand sieht aus wie Blut und als sei die Tapete abgerissen worden.


Als er am nächsten Tag nach ihr fragt, sagen ihm alle, daß er allein gekommen ist, und auch das Zimmer sieht wieder normal aus. Bei der Polizei, wo er auch von ihrem Mann angegriffen wird, wird ihm mitgeteilt, daß sie bereits informiert sind und daß er allein war.
Er beginnt an sich zu zweifeln, doch dann erzählt ihm ein Bestatter, daß sie heimlich weggebracht worden ist, weil sie in der Nacht an der Pest gestorben ist ...

2. "Die Hand" von Robert Liebmann

Zwei Männer sind in eine Frau verliebt.


Als sie mit einem anderen Mann tanzt, werden sie eifersüchtig, gehen nach Hause und beschließen, um das Recht zu würfeln, für sie werben zu dürfen.
Der Verlierer kann es jedoch nicht ertragen und erwürgt den Gewinner, dann entkommt er, nachdem er die Hand des Toten von seinem Ärmel losgerissen hat.


Jahre später begegnet er der Frau wieder, sie lädt ihn zu ihrer ersten Tanzaufführung ein, aber dort hat er Halluzinationen von seinem Gegner. Dann wird er zu einer Séance eingeladen und der Tote kehrt zurück ...


3. "Die schwarze Katze" von Edgar Allan Poe

Ein Mann ist an der Frau eines Trunkenbolds interessiert. Als der Ehemann das bemerkt, läßt er es an der geliebten schwarzen Katze seiner Frau aus, aber dabei tötet er stattdessen sie und mauert daraufhin ihre Leiche hinter einer Wand im Keller ein.


Der Mann hört Gerüchte über das Verschwinden der Ehefrau. Er holt die Polizei und sie durchsuchen das Haus. Als sie zum Keller kommen, hören sie ein seltsames jammerndes Geräusch ...


4. "Der Selbstmörderklub" von Robert Louis Stevenson

Ein Mann tritt einem besonderen Club bei. Man tritt auf reguläre Weise bei, aber man verläßt ihn nur den Tod. Wer immer das Pik As zieht, nun ja, ihr wißt schon ... und leider ist das neue Mitglied der "glückliche Gewinner".


Der Präsident hält ihn mit einem Knopfdruck in seinem Stuhl fest (fragt mich nicht, wie das funktioniert) und erklärt ihm, daß er um Mitternacht sterben wird. Dann entriegelt er den Stuhl und läßt den Mann, der in Panik gerät zurück, indem er durch einen Gang in der Uhr verschwindet.


Und dann stirbt der Mann, von der Furcht getötet. Oder doch nicht?

5. "Der Spuk" von Richard Oswald

Ein Kavalier hat einen Unfall mit seiner Kutsche und wird in ein Schloß gebracht, wo er umgehend anfängt, mit der vernachlässigten Frau des Schloßherrn zu flirten.


Dann hat der Ehemann einen Plan ...


Der Antiquar kommt zurück und ist geschockt, die drei vorzufinden. Er holt die Polizei und ist erleichtert, sie in ihren Gemälden zurück zu sehen. Als die Polizisten aber weg sind, erwachen sie erneut zum Leben und er läuft davon.

Schauen wir uns jetzt die Geschichten hinter den Geschichten an.

Anselma Heine war eine deutsche Schriftstellerin.
Ihre Novelle "Die Erscheinung" von 1912 hat eine Menge Atmosphäre und erforscht die Gefühle von Dr. Riedhammer, als er Johne Stevens das erste Mal wie eine Erscheinung in einer Staubwolke sieht, dann auf seinem Schiff kennenlernt und ihr langsam näher kommt und dann seinen Schock, als Johne plötzlich verschwindet. Ich habe mich gefreut, sie online zu finden, und sie hat mir wirklich gefallen.
Da wir drei Hauptdarsteller haben, fügt diese Episode den seltsamen Ehemann hinzu, der in der Novelle nur erwähnt wird, und läßt außerdem die Hintergrundgeschichte weg.
Meiner Meinung nach ist das die stärkste und unheimlichste Geschichte von den fünf.

Robert Liebmann war einer der erfolgreichsten Drehbuchautoren in der Weimarer Republik.
Die Geschichte ist ein Klassiker, ein von Schuldgefühlen geplagter Mann, der von seinem Opfer heimgesucht wird, aber erst als er die Frau wiedertrifft, die der Grund für sein Verbrechen war. Außerdem ist er nicht der einzige, der ihn sehen kann.
Ein Extraschmankerl ist, daß Berber in dieser Episode tatsächlich eine kurze Tanzszene hat. Ihr wißt vielleicht (oder auch nicht) - zum Beispiel dank des berühmten Porträts von ihr, das Otto Dix gemalt hat -, daß sie als Tänzerin eine Ikone des Berliner Nachtlebens und bekannt für die Skandale in ihrem kurzen Leben war.


Ich denke nicht, daß ich etwas über Edgar Allan Poe sagen muß.
Da ich die Geschichte kannte, war ich vorsichtig, was das Anschauen dieser Episode anging (obwohl die Tiermißhandlung abgeschwächt war und keine Katze getötet wurde, war ich trotzdem überhaupt nicht glücklich darüber, wie der betrunkene Ehemann in einer Szene mit der schwarzen Katze umging).
Wir haben wieder ein Dreieck, um alle drei Schauspieler unterzubringen.
Das Ende hätte dramatischer sein können, aber ich fand es in Ordnung, wenn man bedenkt, daß man die jammernde Katze ja nicht hören konnte.

Ich habe Stevensons Geschichten über den Selbstmörderclub noch nicht gelesen, aber von der Zusammenfassung, die ich überflogen habe, wurde anscheinend nur das Konzept des Clubs an sich für die Episode übernommen.
Am Ende gab es eine nette Wendung.

Die letzte Geschichte hat der Regisseur geschrieben und, wie soll ich das sagen, sie ist nicht unheimlich, sondern scheint mir mehr wie eine komödiantische Einlage.
Offen gesagt fand ich sie langweilig, da man hauptsächlich sah, wie der Kavalier und die Ehefrau sich seltsam anlächelten, ähm, ich meine miteinander flirteten.
Ich weiß nicht, was der Regisseur damit beabsichtigte, denke aber, der Film wäre besser gewesen, wenn die Episode an den Anfang gestellt oder komplett weggelassen worden wäre.

Im ganzen hat mir der Film gefallen. Jeder Film würde unheimlich dadurch, daß man Veidt die Augen schminkt, findet ihr nicht?
Aber im Ernst, er hat gut gespielt. Schünzel andererseits war für meinen Geschmack etwas zu dramatisch als der verrückte oder betrunkene Ehemann. Berber war als katzenliebende Ehefrau am besten (nein, ich sage das nicht, weil mich Gundel dazu zwingt!).




Weitere Lektüre:

1. Fritzi Kramer: Eerie Tales (1919) - A Silent Film Review. Auf: Movies Silently, 22. September 2024
2. ?: Movie Review - Eerie Tales (1919). Auf: The Revenant Review, 27. Oktober 2015 (interessant mehr wegen des Teils über die Hauptdarsteller als wegen der kurzen Besprechung)


Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Wenn ihr mögt, was ihr gelesen habt, wenn ihr eine Frage oder zusätzliche Information habt, oder wenn ihr einfach nur Hallo sagen möchtet, tut das bitte! Ich liebe Kommentare und würde gern von euch hören.
Kommentare sind allerdings zum Schutz vor Spammern und Trollen moderiert, werden also erst nach der Freigabe veröffentlicht.