Wartet ... aus meinem Kinderbuchschrank?
Ja, meine Freunde. Heute spreche ich über das Buch "Catweazle" von Richard Carpenter, das auf den Drehbüchern der ersten Staffel der gleichnamigen britischen Kultfernsehserie beruht. Okay, ich kann nicht vermeiden, daß es eine Mischung aus beidem wird.
Aber halt mal, es wäre vielleicht ganz gut, wenn ich euch Catweazle erstmal vorstellen würde.
Catweazle ist ein Zauberer im England des 11. Jahrhunderts. Eins seiner großen Ziele ist es, fliegen zu können. Eines Tages scheuchen ihn normannische Soldaten aus seiner Höhle und um zu entfliehen, muß er in einen Teich springen.
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| Catweazle läuft vor den normannischen Soldaten weg, aber nicht ohne seine Vertraute, die Kröte Kühlwalda |
Als er wieder auftaucht, sieht die Landschaft ganz anders aus. Er versteckt sich in einer Scheune und erfährt schnell, daß er im 20. Jahrhundert gelandet ist, als ihn Harold, der Sohn des Eigentümers von Hexwood Farm, findet (im Original heißt er Edward und wird seines roten Haars wegen Carrot genannt).
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| Harold mit Sam, dem Farmhelfer |
Verständlicherweise ist für Catweazle alles neu und unheimlich.
Er glaubt, diese Zeit sei voller Zauberer. Einerseits würde er wahnsinnig gern ihren Zauber erlernen - wie Harolds "Elektriktrick" der "kleinen Sonne in einer Flasche" (einfach eine Lampe, die angeknipst wird) oder der "Zauberknochen" des Pfarrers (ein weißes Telefon, natürlich die alte Sorte mit Wählscheibe) - aber andererseits hat er Probleme damit, sich an so viele neue Dinge zu gewöhnen, und er reagiert nicht immer sehr höflich darauf, wenn sie nicht nach seinem Willen verlaufen (hier ist ein Video mit allen englischen Beleidigungen, die Catweazle anderen angedeihen läßt, von "nettle face" to "spider spittle").
Zum Glück hat Harold, der die Normannengeschichte übrigens nicht glaubt, Catweazle einigermaßen im Griff, außer wenn er sich mal wieder in die Nesseln setzt, aber auch der Zauberer kann Harold mit ein paar Dingen helfen, wie zum Beispiele beim überzogenen Bankkonto der Farm oder einer nervenden Haushälterin und ihrem Sohn.
Catweazle schlägt sein Lager in einem alten Wasserturm im Wald auf, der der Army gehört, und nennt ihn Burg Saburac nach dem Geist, von dem er behauptet, daß er ihn dorthin geführt hätte.
Wenn er nicht unterwegs ist, um Leute zu verwirren oder sich vor ihnen zu verstecken, verbringt er seine Zeit dort und sucht verzweifelt nach einem Zauber, um ihn seine eigene Zeit zurückzukehren. Viele seiner Zauber laufen schief, aber er ist zum Beispiel recht gut darin, Leute zu hypnotisieren, damit sie ihn vergessen.
Ich führe jetzt nicht die einzelnen Folgen der Fernsehserie auf, obwohl es verführerisch ist - wie Catweazle einen alten Fluch bricht, wie er seinen Zauberdolch Adamcos zurückbekommt oder warum er Besen stielt (und Sam damit fast in die Bredouille bringt) und so weiter.
Da das Buch aber auf den Drehbüchern der Serie beruht und sich wirklich ziemlich genau daran hält, möchte ich einen kurzen Blick auf die Entstehung der Serie werfen.
In einer kurzen Dokumentation erzählt Richard Carpenter die Geschichte von seinem Schwager, der eine Truthahnfarm hatte - das ist ein Unterschied zwischen Buch und Serie, in der Serie bekommt man keinen Truthahn zu sehen -, die sie besuchten, und auf dem Weg zurück verirrten sie sich und kamen an ein Tor, auf dem "Catweazle" stand. Weitere Inspiration kam von diesem Gemälde von Hieronymus Bosch, von der Figur links unten im Eck, um genau zu sein.
Carpenter, der tatsächlich Schauspieler gewesen war, war so fasziniert, daß er daraus eine eigene Figur machte. Sein Freund, der wundervolle Geoffrey Bayldon, hatte zuvor die Rolle als "Doctor Who" abgelehnt. Er war sich nicht sicher, ob es die richtige Entscheidung getroffen hatte, bis er die Rolle als Catweazle angeboten bekam, die er als Doctor Who nicht hätte annehmen können.
Bayldon brachte seine eigenen Ideen in die Figur ein, witzige Geräusche, Mimik, Bewegungen, er wurde wirklich zu Catweazle und machte ihn magisch.
Die Chemie mit den anderen war großartig, vor allem mit Harold, der die meiste Zeit damit verbrachte, den Zauberer vor seinem Vater, Mr. Bennet, und allen anderen zu verstecken, mit mehr oder weniger Erfolg.
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| Robin Davies mußte sich für die Rolle von Carrot/Harold die Haare rot färben lassen |
Spoileralarm - Catweazle schafft es irgendwann nach Haus, mit seiner Vertrauten Kühlwalda (deren Name im Original Touchwood ist, was natürlich von der uralten Gewohnheit inspiriert ist, auf Holz zu klopfen, damit man Glück hat).
In einer Zeit vor dem Internet, ja sogar bevor man etwas vom Fernsehen aufnehmen konnte, muß das Buch eine großartige Möglichkeit gewesen sein, in diese magische, schelmische, verrückte Welt von Catweazle einzutauchen, die von den Geschichten und Illustrationen heraufbeschworen wurde, wenn man keine Wiederholungen anschauen konnte.
Ich sage ab und zu noch "Elektricktrick" und ich bin nicht die einzige.
Auf der Seite des offiziellen britischen Fanclubs gibt es eine ganze Liste von Wörtern und Ausdrücken. Carpenter recherchierte "Okkultes & Mythologie", um der Serie durch die Nutzung von lateinischen Wörtern und uralten Namen noch mehr Charme zu verleihen.
Es gibt zwei Staffeln von "Catweazle" und zwei Bücher, das zweite heißt "Catweazle sucht die magischen Zeichen".
Carpenter hat auch aus anderen Serien, für die er geschrieben hat, Bücher gemacht (eine davon ist mein anderer Favorit von ihm, "Robin von Sherwood", eine Serie, die der Robin-Hood-Legende eine zusätzliche magische Seite gibt). In der zweiten Staffel kommt Catweazle wieder zurück, aber ach, nicht auf die Hexenwald-Farm, und nachdem der Regisseur gestorben war, wurde eine dritte Staffel nie verwirklicht.
Ich kaufte die englischen Bücher vor langer Zeit und lese sie immer noch gern ... obwohl es natürlich noch besser ist, Catweazle anzuschauen!
Der Fanclub (der auch deutsche Mitglieder hatte) war früher sehr aktiv - zum Beispiel ließen sie eine wunderschöne Büste von Catweazle anfertigen, hatten Treffen mit den Schauspielern auf der Farm, wo die Serie gefilmt wurde, und es gab ein Forum (das traurigerweise wie so viele eingeschlafen ist).
Ich frage mich, wieviele Leute den Zauberdolch wohl an ihre Kinder und vielleicht sogar deren Kinder weitergegeben haben, aber können Kinder von heute eine solche Geschichte noch schätzen? Was denkt ihr?
Die deutsche Übersetzung zu den Büchern kam heraus, nachdem die Serie hier ins Fernsehen kam. Ich habe die Bücher nicht und kann daher nicht sagen - gehe aber davon aus - ob die Namen und Ausdrücke in den Büchern von 1973 und 1974 dieselben wie in der Serie waren.
2010 wurde eine Sonderausgabe mit beiden Bänden veröffentlicht. Sie hatte ein Vorwort zur Erklärung für Kinder, daß dies die Welt ihrer Eltern war - keine Computer oder Handys und nicht mal ein Fernsehgerät in jedem Haushalt. In dieser Ausgabe wurden die deutschen Varianten teilweise beibehalten - der Dolch heißt zum Beispiel im deutschen Buch Adamos, obwohl er in der Serie wie im Original Adamcos heißt - und teilweise die englischen eingeführt oder angepaßt. Aus Harold wurde Karotte, aus dem Zauberspruch "Salmai, Dalmai, Adomai" wurde wieder das Original "Salmay, Dalmay, Adonay", aus dem "Zauberknochen" ein "magischer Knochen" und aus dem "Elektriktrick" wurde "Ele-Trick" (pff). Es ist äußerst verwirrend.
2021 gab es dann einen Film mit Otto. Ich habe ihn nicht angeschaut und werde mir meine Erinnerung an Catweazle auch nicht damit verderben, daß ich das tue, aber es zeigt, daß er nicht vergessen ist.
Quellen und mehr Informationen (ich habe mehr Seiten besucht, aber diese beiden englischsprachigen Links haben eine Menge Information zu bieten):
1. Official Catweazle Fan Club
2. Catweazle Extra - Brothers in Magic: a documentation. Auf YouTube








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