"Mein Name ist Marshall Teller. Es ist nicht allzulang her, daß ich in New Jersey gewohnt habe, gleich auf der anderen Seite des Flusses gegenüber von New York City. Es war überfüllt, verschmutzt und voller Verbrechen. Ich liebte es. Aber meine Eltern wollten ein besseres Leben für meine Schwester und mich. Also zogen wir an einen Ort, der so gesund, so blitzblank, so gewöhnlich ist, daß man ihn nur im Fernsehen finden würde: Eerie, Indiana."
Das ist aus dem Vorwort des ersten Buches in einer Reihe, die auf der Fernsehserie für Kinder "Eerie, Indiana" aus den 90ern basiert. Das heißt, ich kann nicht über die Buchreihe sprechen, ohne die Serie zu erwähnen.
Da es aber 19 Folgen und 17 Bücher gibt, habe ich für diesen Post jeweils nur die/das erste ausgesucht.
Das Buch heißt "Return to Foreverware", also "Rückkehr zu Foreverware" (die Bücher wurden nicht übersetzt), eine Anspielung auf die erste Folge der Fernsehserie, die im Original den Titel "Forever Ware" trägt, im Deutschen aber zuerst "Menschliche Konserven" hieß und in der Wiederholung "Für immer frisch". Es ist von Mike Ford, der neun der Bücher geschrieben hat.
Fangen wir mit der Fernsehserie an. Wie kann man "Eerie, Indiana" beschreiben ...
"Statistisch gesehen ist es der normalste Ort im gesamten Land. Statistiken lügen."
Tatsächlich ist die Stadt genau das, was ihr Name verheißt, "eerie", unheimlich. "The King" wohnt auf Marshall's Zeitungsrunde, Menschen bewegen sie ungewöhnlich synchronisiert, eine Zwangsjacke hängt auf einer Wäscheleine, und das ist nur die Einleitung.
Marshalls Mutter arbeitet als Partyplanerin, aber als beschäftigt Frau ist sie nicht so hinterher, was ihre eigenen Einkäufe angeht. Was für ein Glück, daß ihre Nachbarin Betty Wilson und ihre Zwillinge Ernie und Bert mit einer Lösung vor der Tür stehen. Mrs. Wilsons verstorbener Mann hat eine Produktlinie von vakuumversiegelten Behältern entworfen, die Tu.... ähm, Forever Ware heißt.
Als kleines Geschenk läßt sie ein Wurstbrot in einem Behälter da, so frisch wie zu der Zeit, als es gemacht wurde. 1974!
Es wird noch verdächtiger, als einer der Zwillinge Marshall eine Notiz "Jahrbuch 1964" zusteckt, als die Familie geht. Marshall und sein Freund Simon schauen die Jahrbücher durch und finden ein Bild von Ernie und Bert, auf dem sie genauso aussehen wie jetzt, also beschließen sie, ein bißchen herumzuschnüffeln.
Sie erwarten jedoch nicht, das hier zu sehen ...
... Mrs. Wilson, die die Zwillinge zum Schlafen zudeckt, nur sind das keine Betten, sondern riesige Forever Ware-Behältnisse!
Ich werde euch das Ende nicht verderben (verderben, ihr versteht, was ich meine?).
Im Buch haben wir Marshall und Simon, die sich einen Wochenendjob suchen. Sie antworten auf die Anzeige von Mr. und Mrs. Stewart, die in den 70ern steckengeblieben zu sein scheinen, nicht nur was ihre Kleider betrifft, sondern auch ihre Möbel. Sie werden gebeten, den Dachboden zu entrümpeln.
Seltsam ist, daß Mrs. Stewart eine besondere Zuneigung zu Simon zu haben scheint. Die Jungen erfahren, daß die Stewarts einen Sohn hatten, der vor Jahren gestorben ist, und Marshall kann sich des Gefühls nicht erwehren, daß sie ihn gerne durch Simon ersetzen würden. Ist er aber der erste? Warum finden sie Bilder von einer Geburtstagsfeier, die immer gleich aussieht, aber jedesmal mit einem anderen Jungen? Was ist mit Rodney passiert? Und was ist im Keller?
Dann verschwindet Simon plötzlich und die Stewarts bestreiten, ihn gesehen zu haben, obwohl sein Fahrrad in ihrer Garage steht.
Wird Marshall ihn rettenkönnen und kann ihm jemand dabei helfen (Spoiler: Ernie und Bert werden das tun)?
![]() |
| Omri Katz als Marshall (den ihr wahrscheinlich aus Hocus Pocus kennt) und Justin Shenkarow als Simon |
"Eerie, Indiana" wurde zuerst auf NBC ausgestrahlt. Joe Dante - bekannt durch "Gremlins" führte bei mehreren Folgen Regie und war kreativer Berater.
Von Anfang an hatten die Autoren Karl Schaefer und José Rivera die Absicht, die Serie zu mehr als einer reinen Kinderserie zu machen. Ich war kein Kind, als ich sie das erste Mal sah, obowhl ich mich nicht mehr erinnern kann, wo und wann das war, und die Mischung aus Humor, Grusel, Horror, Science Fiction und Anspielungen zog mich sehr schnell an.
In Kritiken hieß es, daß die Serie an "Twin Peaks", "Edward mit den Scherenhänden", "Twilight Zone" erinnerte, eine scheinbar "normale" Stadt, in der mehr unter der Oberfläche geschieht, als man erwarten würde.
Es war auf jeden Fall nicht alles nur Spiel und Spaß. Die zweite Folge, in der ein Junge feststellt, daß seine Zahnspange ihm die Kraft gibt, die Gedanken von Hunden zu lesen, die die Menschen unterwerfen wollen, finde ich echt gruselig, aber ich bin ja auch von "Susi und Strolch" (als Erwachsene) oder "Bambi" traumatisiert worden.
Auf jeden Fall war die Serie, wie auch in einer Menge Videos und Artikeln erwähnt wird, ihrer Zeit voraus. Sie wurde nach 18 Folgen eingestellt, die zwischen 1991 und 1992 ausgestrahlt wurden, und endete mit einer Folge, in der Marshall durch ein Drehbuch herausfinden, daß seine Wirklichkeit tatsächlich eine Fernsehserie ist. Erst bei der Wiederholung 1993 wurde auch die letzte Folge gezeigt.
1997 wurde die Serie aufgekauft und erneut gezeigt und wurde damit wieder so beliebt, daß sie nicht nur ein Spin-Off inspirierte, das in Kanada produziert wurde (genauso kurzlebig, aber nicht so gut), sondern auch die Buchreihe. Tatscählich erlangte sie eine Art von Kultstatus, was man auch an den vielen Kommentaren von Leuten sehen kann,die sie als Kinder gesehen hatten und immer noch ihr kurzes Leben bedauern.
Mike Ford schreibt auf seiner Homepage: "Eines Tages rief mich meine Herausgeberin an und meinte, "Wir machen diese Bücher zu dieser Fernsehserie, aber keiner der Schriftsteller, die wir kennen, hat je davon gehört." Als sie mir sagte, worum es ging, hörte man mich vermutlich bis ins Weltall. Ich liebte die Serie. Und so bekam ich den Job."
Ich erinnere mich, wie ich die Bücher aus den USA bekam (zu einer Zeit, als Porto noch erschwinglich war) und zum Zollamt mußte. Die Beamtin bat mich, ihr die Rechnung zu zeigen, und zu ihrer Überraschung war der ganze Stapel Bücher so billig gewesen, daß ich nicht mal an das Limit kam, an dem ich Steuer hätte zahlen müssen.
"Eerie, Indiana" war die Inspiration für ähnliche Serien (die Verbindung mit "Stranger Things" wird oft erwähnt und Alex Hirsch sagte, daß sein "Gravity Falls" (noch eine Serie, deren Fan ich bin) "unverhohlen von Eerie, Indiana abgekupfert" hat.
Vielleicht erkennt ihr übrigens den einen oder anderen Darsteller, zum Beispiel "Gomez Addams" John Astin als Eigentümer des Ladens "World O' Stuff", einen seelensammelnden René Auberjonois oder den jungen Tobey Maguire als Geist.
Wieviele Leute tatsächlich die Bücher kannten oder noch kennen, läßt sich schwer sagen, ich kann nicht mal sagen, wie ich davon erfuhr. Es ist allerdings nicht überraschend, daß sie vergriffen sind.
Weitere Lektüre:
1. Gwen Ihnat: Eerie, Indiana was a few dimensions ahead of its time. Auf: AV Club, 30. Oktober 2017
2. Justin Young: Eerie, Indiana Paved the Way for Supernatural's Success. Auf: CBR, 28. Februar 2026
Es tut mir leid, daß meine Quellen meist nur englischsprachig sind, aber mein englischer Blog wird einfach mehr frequentiert und der Zeitaufwand für die Recherche ist oft so groß, daß ich nicht auch noch die Zeit finde, adäquate deutsche Quellen zu suchen. Sollte euch ein Artikel interessieren, gibt es Übersetzungsprogramme, die zumindest einen Eindruck vermitteln können.






Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Wenn ihr mögt, was ihr gelesen habt, wenn ihr eine Frage oder zusätzliche Information habt, oder wenn ihr einfach nur Hallo sagen möchtet, tut das bitte! Ich liebe Kommentare und würde gern von euch hören.
Kommentare sind allerdings zum Schutz vor Spammern und Trollen moderiert, werden also erst nach der Freigabe veröffentlicht.